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Heide Kramer stellt die Antifaschistin und Autorin Gerda Zorn vor

2. November 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Historisches

Zeitzeugin und Autorin: Gerda Zorn - eine kämpferische Persönlichkeit

Autorenlesung am 26. März 2010 im Freizeitheim Hannover-Linden: Gerda Zorn stellt ihr aktuelles Buch vor: „Wiederkehr des Verdrängten. Autobiographische Erinnerungen“. Foto: ©Heide Kramer, 26. März 2010.
 Von Heide Kramer, Oktober 2012

FRIEDEN –

ein Wort nur?
ein Traum?
Frieden –
ist machbar
ist Teilbar?
wohl kaum.
Wer macht ihn?
Wer teilt ihn?
Wir – Ihr –Sie?
Wer – sind – Sie?
Wer sind die ihn machen?
Wir alle
Du – Ich- Sie?
Wer sind die ihn machen?
Wir alle
Du – Ich – Sie
Wann?
Jetzt
Wo?
Hier.

©Gerda Zorn „Frieden“. 1981 ro ro ro Deutsche Dichter Bibliothek. Goethe Gesellschaft, Frankfurt/M.


Biografisches


Gerda Hesse wird am 11. Januar 1920 in Berlin-Nord geboren und erlebt während der Weimarer Zeit Kindheit-, Schul- und Jugendzeit in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus. 1934 beginnt ihr beruflicher Werdegang als Bürokraft bei der Tobis-Filmgesellschaft in Johannisthal bei Berlin. Gerda muss ihren Arbeitsplatz verlassen, weil sie sich weigert, dem Bund Deutscher Mädel (BDM) beizutreten. Sie findet sofort Anschluss beim Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger, wo sie als Sekretärin arbeitet. Die Vereinnahmung des Pressemediums durch die Faschisten wird auch hier deutlich spürbar. Es gelingt der selbstbewussten Gerda zu kündigen und sich dadurch den ungewollten Einflüssen zu entziehen.

Sie ist bis zum Kriegsende 1945 bei der deutschen Propaganda Nachrichtenagentur Transocean in Berlin beschäftigt. Der Zusammenbruch der faschistischen Schreckensherrschaft bleibt zwar auch für sie, ihre Familie und viele enge Freunde oft nicht ohne lebensgefährliche Auswirkungen, aber sie überstehen das Chaos. Nach dem Einmarsch der Roten Armee arbeitet Gerda bei der Presse der russischen Alliierten und wird 1950 Redakteurin im Amt für Information in Berlin/DDR. Sie heiratet, studiert und lässt sich scheiden. Gerda denkt und handelt als überzeugte Sozialistin. Obgleich sie der Mitgliedschaft im Kulturverein zunächst kritisch gegenüber steht, weil sie „die bürgerliche Aura als zu neutral und zu unpolitisch“ empfindet, ändert sie ihre Einstellung: Sie sieht den Kulturbund schließlich doch als journalistische Herausforderung und übt dort Lektorenarbeit für populär-wissenschaftliche Schriften aus. Ein unbedachter Kinobesuch in West-Berlin wirkt sich verhängnisvoll aus: Zur Strafe muss Gerda „Bewährungsarbeit“ in einer Fabrik ableisten. Weil sie sich weigert, erhält sie Berufsverbot und erfährt zunehmend gravierende Nachteile.

1956 verlässt Gerda die Deutsche Demokratische Republik. Sie siedelt in die Bundesrepublik Deutschland nach Kassel über und trifft dort ihren langjährigen, aus Rudolstadt in Thüringen stammenden Freund Hans Zorn („Eule“) wieder. Sie heiraten noch im selben Jahr.

Hans Zorn hat vor seiner Einberufung zur Wehrmacht in Süddeutschland Maschinenbau studiert. Ihm bleiben wegen seiner jüdischen Mutter als „Halbjude“ Repressalien durch die Faschisten nicht erspart. Er wird 1944 von der Gestapo abgeholt und in ein Zwangsarbeiterlager bei Wesel am Rhein überstellt unter dem fadenscheinigen Vorwand, bei der Sammlung für das Winterhilfswerk nur zehn Pfennige abgegeben zu haben. Kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Alliierten gelingt Hans Zorn die Flucht aus dem Lager. Seine Mutter wird nach Theresienstadt deportiert, der „arische“ Vater bleibt ebenfalls nicht verschont: Weil er nicht gewillt ist, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen, verschleppen ihn die Faschisten in ein Arbeitslager. Hans Zorn macht sich 1945 auf den Weg nach Theresienstadt, um nach seiner Mutter zu forschen. Sie überlebt, wird 1945 von der Roten Armee befreit und kehrt nach Rudolstadt zurück.

Die Wege führen Gerda und Hans Zorn von Kassel nach Frankfurt am Main und Ende der fünfziger Jahre nach Hannover. In Hannover entstehen bald eingehende Kontakte sowie gemeinsame politische Aktivitäten mit überlebenden Widerstandskämpfern und ihren Familien. So z. B. mit August Baumgarte, der unter den Faschisten 12 Jahre im Konzentrationslager zu leiden hatte und nun in der Bundesrepublik Deutschland von Adenauers Justiz zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. Der Grund: Er ist Kommunist geblieben. Es gibt noch weitere Schicksale.

Zur Zeit des Kalten Krieges engagieren sich Gerda und Hans Zorn in Niedersachsen intensiv linkspolitisch. In Hannover erforschen und veröffentlichen sie vorrangig Lebensgeschichten von Widerstandskämpfern, Gerda arbeitet nun als freie Journalistin. Sie engagiert sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und der Friedensbewegung. Sie publiziert kritische Beiträge zur Aufarbeitung der deutschen Vor- und Nachkriegsgeschichte.

Anfang der sechziger Jahre ziehen Gerda und Hans Zorn nach Hamburg-Winterhude. Auch hier entwickelt sich schnell ein reger politischer Dialog mit Zeitzeugen und Betroffenen aus den Jahren der faschistischen Herrschaft.

Die jahrzehntelangen journalistischen Recherchen von Gerda und Hans Zorn haben Früchte getragen und werden künftigen Generationen erhalten bleiben.

Hans Zorn stirbt 1990 in Hamburg. Gerda Zorn lebt unverändert in Hamburg.


Textbeitrag: ©Heide Kramer, Hannover, Oktober 2012.


Siehe auch:

http://www.niqel.de/weltlauf/zorn.pdf
http://www.niqel.de:80/weltlauf/index.htm

http://www.hagalil.com/archiv/2012/10/23/gerda-zor...




PUBLIKATIONEN
Gerda Zorn:

1965: Stadt im Widerstand (Röderberg-Verlag).

1974: Widerstand in Hannover. Gegen Reaktion und Faschismus, 2. Auflage (Bibliothek des Widerstands/Röderberg-Verlag).

1974: Frauen gegen Hitler, 1. Auflage (Röderberg-Verlag).
1974: Frauen gegen Hitler, 2. Auflage (Röderberg-Verlag).
1974: Frauen gegen Hitler, Nachauflage (Elefantenpress Berlin).

1979: Brot und Rosen. Hrsg.: Florence Herve, Marxistische Blätter, Frankfurt/M.,
Gerda Zorn: Frauen im Widerstand, S. 136 – 144, Marie Priess, S. 145 –147.

1980: Nach Ostland geht unser Ritt (Dietz-Verlag, Nachf., Bonn), Deutsche Eroberungspolitik zwischen Germanisierung und Völkermord (Vorwort von Herbert Wehner), Karten S. 15 – 18, 20, 22 wurden vom Verlag entnommen und über fasch. KZ 1933 – 1945. Aus Atlas zur Geschichte, Bd. 2 DD, ebda.

1985: Bombenalltag (Knauer-Verlag München): 20.9. NDR Hamburg Welle (Annemarie Stoltenberg).

1988: Nach Ostland geht unser Ritt. Deutsche Eroberungspolitik und die Folgen. Das Beispiel Lodz. Zweite erweiterte Auflage des 1980 im Dietz-Verlag Erschienenen, bebildert. (Vorwort von Egon Bahr und Herbert Wehner), Röderberg-Verlag.

1988: Der alltägliche Faschismus – Frauen im Dritten Reich, Charles Schuddekopf (Dietz, Nachf., Bonn), Hrsg.:Gerda Zorn: Mein alltäglicher Faschismus.

1988: Menschen wie Schiffe. Gerda Zorn: Als Berlinerin nach Hamburg, S. 228 - 233 (Uckert, Christians-Verlag).

1989: Rote Großmutter gestern und heute (Röderberg-Verlag, Köln).

2001: Wiederkehr des Verdrängten, Autobiografische Erinnerungen, Teil 1 (Edition Ost), Berlin.

2008: Wiederkehr des Verdrängten, bebildert, 1. und 2. Buch (trafo Verlagsgruppe Dr. Wolfgang Weist, Berlin, 2008).


Hans Zorn:

1986: France Bloch-Sérazin. Lebensstationen einer französichen Widerstandskämpferin. Konkret LiteraturVerlag. Hrgs./Drehbuch: Hans und Gerda Zorn. Film von Loretta Walz.

1979: Eule an Jenny. Gedichte.
Hans Zorn: Begegnung mit Heine,
Hans Zorn in POLITIK (Juli 1979).

Quellen
©Gedenkstätten Forum (Gedenkstättenbrief von 2010).
©Gerda Zorn: „Wiederkehr des Verdrängten (Autobiographische Erinnerungen)“. Trafo-Verlagsgruppe/Literaturverlag Berlin. 2008.

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