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Historischer Abriss zum Soldatenfriedhof Essel

29. September 2007 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Soldatenfriedhof Essel

Donnerstag, 29. November 2007  

Zur Geschichte der Auseinandersetzungen um den Soldatenfriedhof Essel:

Um den Aller-Brückenkopf bei Essel (Landkreis SFA, zwischen Hodenhagen und Schwarmstedt, in Höhe Raststätte Allertal) gegen die Angriffe der Alliierten zu halten, wurden die Reste verschiedener deutscher Einheiten eingesetzt. Die Alliirten wollten schnell zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne (zwischen Essel-Bergen-Fallingbostel) vordringen. Im Esseler Wald kämpften auf deutscher Seite Soldaten einer Marine-Einheit, der Waffen SS, des Reichsarbeitsdienstes. Auf dem 1950 eingerichteten kleinen Soldatenfriedhof im Wald an der langgestreckten Kurve der L 190 zwischen Hademstorf und Allerbrücke sind über 100 Deutsche begraben, darunter die meisten 17 - 20jährig.

Jahrzehntelang fanden sich immer am Volkstrauertag im November Militaristen, Nazis nachmittags ein, um gemeinsam mit Esseler Vereinen, der Gemeinde, dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge und vielen Neugierigen aus der Umgebung ein Heldengedenken abzufeiern.

Nach dem Volkstrauertag 1968 (oder schon 1967?) stand in der Walsroder Zeitung, dass dort 3 Kränze geklaut worden seien, die von der Marinekameradschaft, vonm Bund Notgemeinschaft Arbeitsdienst und der HIAG (Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehem. Waffen SS). Die Kränze von Gemeinde und Kriegsgräberfürsorge blieben liegen.
Als junger Mann schrieb ich einen Leserbrief mit Aufklärendem über die 3 Nazi- und Militaristenorganisationen. Böse nazi-mäßige Leserbriefe, Erkundigung der politischen Polizei über mich beim Bürgermeister, Druck von Kunden auf meinen Vater (alleinwerkelnder Orthopädie-Schuhmachermeister im Nachbardorf Eickeloh) waren die Folge. Das ging über Monate so. Lediglich Pastor Werner Ballnus aus Schwarmstedt unterstützte mich per Leserbrief. Mein Vater lag auf Knien vor mir, auf dass ich nicht weiter antworte auf die Nazi-Dreckschleuderei in der WZ. Ich tats und verachtete die Schwäche meines Vaters.

1 Jahr später beim Volkstrauertagsgedenken vorm dörflichen Kriegerdenkmal in Hademstorf stand mein Vater in Schützenvereinsuniform in Reih und Glied. Der örtliche Redner vom Kyffhäuserbund zog ohne meinen Namen zu nennen über mich her. Etwa so: Ein junger Mann aus unseren Dörfern hat Schande über uns gebracht ...
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Mitte 70er Jahre hält auf dem Soldatenfriedhof der Schwarmstedter Pastor Dreier vor dem beschriebenen Publikum eine Ansprache, in der er auch die Opfer in KZ's und in der Sowjetunion in sein Gedenken aufnimmt. Das war den alten Nazis zuviel. Vor Schlägen von den Nazis durch seine Esseler Dorfschützenvereinsleute geschützt, mußte der Pastor vom Friedhof fliehen.

Ab dem nächsten Jahr, kamen die Esseler morgens auf den Soldatenfriedhof, die Nazis und Militaristen nachmittags.
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Einige Tage vorm Volkstrauertag 1983 warfen nachts Unbekannte (Autonome aus Hamburg) ein oder 2 Grabsteine um und bemalten Gedenkstein und Info-tafel mit Sprüchen wie "Nazis raus". Böser Artikel am Samstag in der WZ

Am Volkstrauertag 13.11.83 gehen wir mit 11 von der Gewerkschaftsjugend zwischen die Versammelten Altnazis und halten dann ein Transparent hoch mit der Aufschrift "Verbot HIAG Waffen SS"
Es geht ganz schnell: Das transparent wird zerrissen. Alte Männer in Loden und Frauen in Pelzen schlagen und treten auf uns ein. Ein mir bekannter Staatschutzbeamter sagt zu meiner Beschwerde nur: Das haben Sie selbst Schuld Herr Braun.

Zufällig filmt das Bremer TV "Buten un Binnen" die Szenerie. Noch lange heißt es auch in den Dörfern, wir hätten uns mit den TV-Leuten abgesprochen. Stimmt aber nicht, war reiner Zufall, dass die auch dort waren. "Buten un Binnen" hatte zuvor schon die Militaristen bei ihrer Feier im Saal einer Esseler Dorfkneipe gefilmt. Man redete in den Dörfern gar davon, dass das TV aus der DDR gewesen sei.
Unter den mehreren hundert Nazis waren: Marinekameradschaft, flämische Faschisten mit Fahnen, wenige jüngere Nazis in schwarzem Leder mit langen Stiefeln, HIAG, Ordensbund deutscher Ritterkreuzträger, Bund Notgemeinschaft Arbeitsdienst, 5 von der "Reservistenkameradschaft Militärsport Buchholz/Aller" (auch ein Nachbardorf) machten in Bundeswehruniform Ehrbezeugungen vor den versammelten Faschisten.
In 3 Reden wurde die Rote Armee zur "sowjetischen Dampfwalze". Sie dankten "den jungen Kämpfern der Waffen SS" und anderer Verbände die hier "ihren Eid hielten" und für Deutschland starben. Sie dankten den tapferen Wehrmachtsfrauen und Flakhelferinnen. Ein Redner: "Wir gingen 1939 in den Krieg hinein, wie in einen Opfergang. Wir wollten die Freiheit erhalten". Gefordert wurde, dass auch in der Bundeswehr "die Freiheit notfalls mit dem Leben" verteidigt werden müsse. Ein Redner forderte alle auf, sich an den Händen zu fassen und die dritte Strophe des deutschlandliedes zu "beten" mit den Worten: "ich bin überzeugt, dass unser Gott uns hören wird". Zum Abschluß sangen alle die erste Strphe des deutschlandliedes "... von der Maas bis an die Memel..."

"Buten un Binnen" hatten im Saal der Dorfkneipe gefilmt, sich aber Drohungen anhören müssen. Sie sollten den saal nicht betreten. Erst hier erfuhren sie von der Nachmittagsfeier.
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Volkstrauertage 1984 und 1985 rufen wir als breites lokales und überregionales Bündnis zu Demos zum Soldatenfriedhof auf. Die Landstraße ist abgesperrt. Nur einzelne Altmilitaristen tauchen mit Gestecken auf.

Mit den organisierten internationalen Militaristen- und Nazifeiern ist es vorbei.
Ende der 90er Jahre marschiert noch mal die (inzwischen verbotene) FAP mit vielen Fahnen von Essel zum Soldatenfriedhof. Irgendwann später hinterlassen einige kleine Nazi-Jugendgruppen Duftmarken aus, mit Runen verzierten, Gestecken. Manchmal liegt ein Kranz mit schwarzen Schleifen ohne Aufdruck da. Die HIAG traut nicht mal ihren Absender anzugeben. Meisten herrscht bis 2006 Ruhe vor Nazigruppen an diesem Ort.

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