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Horst Kröger - Initiator dieses blogs ist nach kurzer Krankheit gestorben

6. Oktober 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Personen

  
Moin
am Montagabend rief mich Simon, der Sohn von Horst Kröger an. Horst ist am Mo. 1.10.12 gestorben.
Zuletzt war es so, dass von der mangelhaften Durchblutung alle Gehirnteile betroffen waren und Therapien nicht mehr anschlugen. Sollte er das überstehen, so die Ärzte zur Familie, würde bei Horst kaum noch etwas funktionieren. Die ihn versorgende Maschinen abzustellen, war eigentlich logisch - aber bestimmt auch sehr schwer. Horst war nach 10 Minuten friedlich eingeschlafen.


Trauerfeier:  Fr. 12.10.12 um 14 h im ver.di-Bildungszentrum-Walsrode, Sunderstr. 77 
 Die Urnenbeisetzung findet vorher im Familienkreis statt.

Unser Barde Tom Kirk hat ein Lied zum Abschied von Horst herausgesucht:
Tom schreibt:    ein sehr schlichter, schöner Song zum Thema ist "Not afraid to die " von Gilian Welch: 
                   http://www.youtube.com/watch?v=lgaQLaHM6Vw

Dies Stück wird am 3.10.12 um 18 Uhr bei radioflora.de in der Sendung culture_courage laufen.
Wiederholung Fr. 5.10.12 um 11 h und um 19 h

Diese Sendung haben Horst und ich seit Jahren gemeinsam gemacht - Untertitel der Sendung "Stadt-Land-Widerstand"

    
mit traurigen Grüßen   charlyB
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Hier einiges zur politischen Biografie von Horst Kröger:

Ich kenne Horst etwa seit 1969. Er war einer der Köpfe der Gewerkschaftsjugend der Chemiegewerkschaft in Bomlitz, dem größten Chemie-Industriestandort in Niedersachsen. Er ist in Ostenholz am Truppenübungsplatz-Bergen aufgewachsen, lernte Laborant bei der WOLFF Walsrode AG in Bomlitz und war dort Jugendvertreter. Die Chemie-Gewerkschaftsjugend hatte einen Gruppenraum - wie ein Jugendzentrum - in der Schule in Bomlitz. Wir kannten uns über DGB-Jugend und gemeinsam mit anderen Jugendlichen aus Walsrode und dem Raum Schwarmstedt gaben wir ab Dezember 1970 gemeinsam die Alternativ-Zeitung "Landbote Ulifus" heraus bis etwa 1975. Diese frühe Alternativ-Zeitung aus einer ländlichen Region erreichte einen riesigen Bekanntheitsgrad - ein wirklich legendäres Blatt.
Als 1976 eine atomare Wiederaufbereitungsanlage im Lichtenmoor bei Rethem/ Aller geplant wurde, war Horst von Anfang an dabei. Wir setzten uns von den sog. Lebensschützern ab und bildeten die Gruppe "Walsroder Gewerkschafter gegen Atomkraft". Natürlich störten wir auch die NPD, kämpften für selbstverwaltete Jugendzentren und anderes mehr. Das war die Zeit der tollen politischen Gruppenerlebnisse. Unsere Stammkneipe war der "Schinderhannes" in Walsrode.
Eine große Zahl der KollegInnen der Chemiegewerkschaftsjugend gründete Anfang der 1970er Jahre eine Orts- und Betriebsgruppe des KBW. Es war eine der größten KBW-Gruppen. Horst gehörte zu den Leitenden der Gruppe. Damals praktizierten auch Gewerkschaften den Radikalenerlass, insbesondere die Chemiegewerkschaft. Horst und weitere wurden aus der Gewerkschaft ausgeschlossen.
Viele unserer damaligen Aktivitäten finden sich hier wieder:  www.mao-projekt.de/BRD/NS/LUE/Soltau- Fallingbostel_Kreis.shtml

Die poltischen Entwicklungen einerseits und die Öffnung des 2.Bildungswegs andererseits, ließen viele aus der politischen Jugendszene die Region verlassen. Horst wurde schon früh Computerspezialist und war jahrzehntelang in der Branche im In- und Ausland tätig. Hauptwohnsitz blieb Walsrode. Dass er innerlich politisch blieb, zeigte sich dadurch, dass er ein  bis zwei Mal im Jahr Leserbriefe an die Lokalzeitung schrieb.
Etwa 2006/  2007 war seine Zeit in der Branche vorbei und er mußte sich einen anderen Job suchen. Ohne es gelernt zu haben konnte er beim sozialpädagogischen Träger "Vier Linden" in Walsrode pädagogisch arbeiten. Er hatte für die Arbeit mit Jugendlichen ein gutes Händchen. Bei einer von meinen Freunden und mir organisierten antifaschistischen Veranstaltung im JUZE Walsrode sprach er mich an - ich hatte ihn nicht erkannt. In der Folgezeit nahm er ehrenamtliche Arbeit auf: antifaschistisch, gegen Atompolitik und Mastställe, er wurde ver.di-Mitglied und sogleich in ver.di- und DGB-Gremien gewählt, nicht nur bei Streiks und Aktionen war Horst ein wichtiger Motor, durch seine vielen Kontakte erfuhr er viele betriebliche Sauereien und ging damit gewerkschaftspolitisch gut um, er gab nebenbei Jugendlichen in prekären Situationen vielerlei Unterstützung, er teamte in der Internationalen Jugendarbeit in Bergen-Belsen, er unterstützte und beriet die Felix-Nußbaum-Schule in Walsrode in Sachen Stolpersteine für NS-Opfer und Neonazi-Treiben unter SchülerInnen, er unterstützte die großen Aktionen der AG-Bildungsstreik im Heidekreis, er half Vielen als Versichertenältester, organisierte Proteste gegen Nazis (ihm wurde 2011 gar an die Hauswand ein Hakenkreuz geschmiert), er wurde Mitglied der VVN/BdA, auf der Einwohnerversammlung im Walsroder Dorf Krelingen initierte er ein Vorgehen gegen die sich entwickelnde sehr jugendliche Neonaziszene, bei antifaschistischen Spontandemos half er wie selbstverständlich als Anmelder, er vertrat uns bei ZAKO ( Rassismus und Rechtsextremismus / Zentraler Arbeitskreis ver.di ), er trat gegen die organisierte Kriminalität der HellsAngels in Walsrode auf und vieles mehr. Der blog   antifa-sfa.tk  ist sein Projekt. Bei myheimat sind unter verschiedensten Orten seine Beiträge zu finden ebenso bei facebook, und auch dies ist sein Produkt: http://dgb.kulturarbeitskreis.sfa.over-blog.com/ 
Im September 2011 kandidierte er für die LINKE zu den Kommunalwahlen und wurde Ratsherr in Walsrode. Vor einigen Monaten wurde er Kreisvorsitzender der Linken und Landtagskandidat.
Horst hat mit viel Engagement und konsequent seine selbst gesetzen Aufgaben ausgefüllt. Und er hatte immer neue Ideen. Gemeinsam starteten wir 2009 das Projekt "Zug-der-Erinnerung auf der Heidebahn" mit fast 40 Begleitveranstaltungen. In der Folge betreute er den Zug-der-Erinnerung auch an anderen Standorten. Es war seine Idee, seit 2010 den Kalender-soziale-Bewegungen herauszugeben. Maßgeblich organisierte er vor einigen Jahren den Auftritt von Lisa Politt und Gunter Schmidt/ "Herrchens Frauchen" in der Stadthalle Walsrode zugunsten antifaschistischer Jugendarbeit und um antifaschistische Jugendliche in juristischen Konflikten auch finanziell zu unterstützen. Gemeinsam mit Horst mache ich seit Jahren bei radioflora.de  regelmäßig die Sendung culture_courage, in der wir über aktuelle soziale Bewegungen in der ländlichen Region berichten. 
Horst nahm allerlei Möglichkeiten zur Qualifizierung für neue Aufgaben wahr. So u.a. zum Rentenberater und Integrationslotsen.
Wir haben natürlich auch gemeinsam mit anderen einfach lustige Sachen gemacht, wie das jährliche Tannenbaumschlagen in Eickeloh oder das Adventskegeln mit der jungen Antifa-Szene.
Am 14.9.12 war er dabei als wir vor der Deutschen Bank in Soltau eine Mauer gegen Bankzocker und Sozialabbau aufbauten. Den ver.di- und DGB-Stand beim "Tag der Bildung und Kultur" am 15.9.12 in Walsrode hatte Horst organisiert. Nach Abbau und Abtransport des Infostandes saß ich mit Horst noch einige Stunden auf seiner Terrasse. Er machte auf mich einen durchaus kräftigen Eindruck.
Stunden später die Gehirnblutung und schnell ins Heidekreis-Klinikum, die ihn sofort weiterleiteten ins Diako-Krankenhaus Rotenburg/ Wümme, wo er am 16.9.12 gleich mehrmals operiert wurde. Seit der Gehirnblutung bis zum Tod heute, lag er im Koma. Ich war der letzte seiner Freunde, der ihn und den er gesehen hat (ausgenommen seine Familie).

Wir haben einen, selten so kräftig, engagierten Freund und Kollegen verloren. Er hat sozial und solidarisch, lokal und international und vor allem ganz praktisch für die Rechte der kleinen Leute und gegen Ausbeutung und Unterdrückung gekämpft. Er hatte insbesondere zu Jugendlichen ein super-gutes Verhältnis.
Horst wurde 60 Jahre alt. Er hinterläßt seine Frau Moni und seine Kinder- und Enkelkinder und uns.

Ich vermisse ihn sehr und anderen geht es auch so. Moni und seiner Familie wünsche ich viel Kraft.
Mit traurigen Grüßen
   H-D Charly Braun



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