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jour fixe info 35-13 -- Neupack: Stimmen aus der Belegschaft + Tarifflucht überall

17. Mai 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Jour Fixe Info 35-2013

Krüger im "Arbeitskampf-Modus" -
Die IG BCE-Führung weiterhin im Reinschick-Modus

Aber der Sieg ist nahe!


Am Mittwoch, 15.5. fand vor dem Arbeitsgericht Hamburg eine Verhandlung gegen die Kollegin T. statt. Es ging um eine fristlose Kündigung, einen Vorfall der über ein halbes Jahr zurück liegt. Ihr wird vorgeworfen, zwei Streikbrecherinnen mit dem Wort Hure bezeichnet zu haben. Trotz der Verhandlungen zwischen Krüger und der IG BCE-Führung über eine Maßregelungsklausel fand diese Verhandlung statt! Die Richterin vertagte das Verfahren auf den 5. Juni in der Annahme, daß dann eine EInigung über eine Maßregelungsklausel vorliegt.
Die IG BCE-Führung hatte allerdings in ihrem Streik-Info 52 vom 12.4. getitelt: Durchbruch erzielt: Neupack verzichtet auf Maßregelungen.

Dieses Verfahren ist nur eines von vielen, mit denen Krüger seine widerspenstige Belegschaft überzieht. Dennoch waren 25 KollegInnen und Unterstützer erschienen.

Immerhin wird im neuesten Streikinfo (vom 16. Mai) das Verfahren gegen die Kollegin Temiz erwähnt und beklagt, daß "noch zahlreiche Verfahren" vor dem Arbeitsgericht Hamburg anhängig seien. Es wird weiter beklagt, daß Neupack weitere Kündigungen ausspricht, so jetzt die sechste gegen einen Kollegen in Rotenburg. Weiter wird im Streikinfo festgestellt, das Management bleibe weiter im "Arbeitskampf-Modus".
Was man von der IG BCE-Führung seit dem 24. Januar, dem Beginn des Flexi-"Streiks" nicht behaupten kann.

Endlich, nach fast vier Monaten, hat die IG BCE-Führung eine Sekretärin abgeordnet, die die KollegInnen wegen finanzieller Schwierigkeiten berät, in die sie durch Neupack oder die IG BCE geraten sind: Bislang sind laut Streikinfo für "Februar und März 45 Verfahren gezählt worden, für Mai werden noch weitere hinzukommen". Die ausstehenden Gelder müßten eingeklagt werden. Das heißt also: Bei ursprünglich 110 Streikenden (Stand: Beginn des Erzwingungsstreiks am 1.11.2012) sind das fast die Hälfte der KollegInnen.

Im letzten Jour Fixe hatten wir geschrieben:


Die Streikfront stand - bis zum 24.1., dem Tag des Beginns des Flexi-"Streiks". Jetzt sind in Rotenburg von 49 Streikenden (zu Beginn des Streiks am 1.11.2012) nur noch 27 dabei, in Stellingen von 60 nur noch 50. Die Zahl von denjenigen steigt, die diese seltsame Veranstaltung der IG BCE-Führung nicht mehr mitmachen wollen.
Sie haben auch materielle Nachteile:

Falls die IG BCE-Führung die Streiktage (Mitgliederversammlungen) vor Feiertage legt, weigert sich Krüger, diese zu bezahlen.
Gelder für Überstunden und Sonderschichten fallen seit dem 1.11. weg.
Etliche hatten vor Beginn des Streiks zu geringe Mitgliedsbeiträge bezahlt, hatten dadurch wesentlich weniger in den ersten drei wirklichen Streikmonaten.
Sie müssen Kredite aufnehmen, um zu überleben.
Es gibt etliche AufstockerInnen, die BearbeiterInnen in der Behörde kennen sich nicht damit aus, daß mal die Firma Krüger bezahlt, dann wieder die IG BCE Streikgeld.


Jetzt wird also endlich eine Gewerkschaftssekretärin abgeordnet, die den Opfern Krügers zumindest bürokratisch zur Seite steht.

Im letzten Streikinfo lesen wir den schönen Satz: "Jetzt heißt es durchzuhalten, denn wir sind auf der Zielgeraden".
Zu Anfang des Erzwingungsstreiks hatte der Vorsitzende Vassiliadis die Parole ausgegeben: Wir werden an Krüger ein Exempel statuieren - koste
es was es wolle. Winkt das Ziel "Haustarifvertrag" am Ende der Zielgeraden" Zumindest hat es von Vassiliadis oder der IG BCE-Führung nie eine Rücknahme der Parolen gegeben.
Was winkt am Ende der Zielgeraden eine "Regelungsabsprache", eine Betriebsvereinbarung?
Näheres zur Regelungsabsprache:
http://www.ifb.de/betriebsratsvorsitzende/lexikon/do/lexikondetail/letter/R/shortlink/regelungsabrede.html
(DW)


* Streikinfos und wirkliche Welt

Wer die Streikinfos der IG BCE-Führung liest, befindet sich in einer Schein-Welt, die mit der Betriebswirklichkeit wenig zu tun hat. Hier zwei Stimmen von KollegInnen aus der realen Welt:

GW aus Stellingen:
"Es ist viel passiert, gute und schlechte Dinge für den einen wie auch für den anderen...wir alle mußten schlucken und Dinge akzeptieren, kämpfen, leiden, fluchen, schlaflos im Bett liegen. Und wenn wir auch manchmal aufgeben wollten ... wir müssen an die Kollegen denken, denen es Scheisse geht, die nur aus Solidarität mit uns raus sind und ihren Job verloren haben. Für die müssen wir weiter machen!!! Für Murat und seine Familie, für Ralf und seine Familie, für alle die, die sich für uns eingesetzt haben und nur für uns die Schulter gezeigt haben, an der wir uns anlehnen konnten. An die Unterstützer, die Linken, die sich solidarisch erklärt haben...allein dafür lohnt es sich, weiter zu kämpfen...alle anderen sind in meinen Augen Luschen"

BB aus Rotenburg:
"wahre worte.....ich möchte mich,im namen der steikenden in row ,bedanken,dass IHR uns so unterstützt habt und an unserer seite standet....HERZLICHEN DANK!!!!DANKE auch für diese seite,wo man frust abladen und info von anderen bekam.der kampf ist noch nicht zuende, wir stehen hinter dem was wir fordern....lob und anerkennung gilt murat,ralf d und ggr GW...DANKE,gute Arbeit..."



* Aktuelle Infos aus labournet zum Arbeitseinsatz der Neupack-Beschäftigten (genannt Flexi-Streik)


Wie die IG BCE-Führung einen Streik beendet – Was glaubt ihr, was bei Neupack los ist?!
http://www.labournet.de/?p=34596

Siehe dazu: „Ein großer Teil des Paketes ist heute geschnürt worden“ 58. Streikinfo der IG BCE vom 10. Mai 2013 (pdf)
http://www.hamburg-harburg.igbce.de/portal/binary/com.epicentric.contentmanagement.servlet.ContentDeliveryServlet/site_www.hamburg-harburg.igbce.de/static_files/7c428493a8df1159c9cce84835bf21ca.pdf


Streikinfo 59 vom 16.5.13: Und das Management bleibt im "Arbeitskampf-Modus"

http://www.hamburg-harburg.igbce.de/portal/binary/com.epicentric.contentmanagement.servlet.ContentDeliveryServlet/site_www.hamburg-harburg.igbce.de/static_files/f3cfa22cc789faffbae886b935bf21ca.pdf





Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin,
weder von der Macht der anderen,
noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.
(Theodor W. Adorno)


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* Troika für alle -
Die Abschaffung/Verweigerung von Tarifverträgen

So überschreibt Eva Völpel ihr Interview mit dem Tarifexperten Thorsten Schulten. Was auf EU-Ebene als politischer Angriff geplant ist, wird in Deutschland in vielen einzelnen Firmen praktiziert. Und die Krügers sind mit ihrer Firma und der Verweigerung eines Tarifvertrages Vorreiter, also ganz moderne Kapitalisten. Und der Gegensatz dessen, was die IG BCE-Führung behauptet: Krüger lebte im 19. Jahrhundert, er sei der Gegensatz eines ehrbaren Kaufmanns und was es sonst noch für schaumige Vorstellungen in ihren Köpfen der Sozialpartnerschaftswelt gibt, die eine Gegenwehr gegen die Krügers in der realen Welt ausschließt. Zur realen Welt die Artikel zu Tarifverweigerung und Tarifflucht (DW).

taz: Herr Schulten, Sie warnen, wir bekommen in naher Zukunft „Troika für alle“. In allen 27 EU-Ländern drohten seitens der EU-Kommission Eingriffe in die Tarifvertragssysteme und Höhe der Löhne. Wie kommen Sie darauf?


http://www.taz.de/Tarifexperte-ueber-Folgen-der-Krise/!116104/

 

Jour Fixe , Gew.-Linke Hamburg.jpg

 

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