Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

junge welt 29.5.13 -- Tarifvertrag bei Neupack wirds wohl nicht geben - plus Kommentar eines Unterstützers

30. Mai 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Liebe Bremer UnterstützerInnen der KollegInnen von Neupack in Rotenburg

 

Hier ein Artikel über den Stand des Arbeitskampfes der Neupack-Beschäftigten von Mirko.

 

Im November waren 44 von 64 Beschäftigten in Rotenburg in den Streik getreten, nun nehmen noch 37 an den wenigen Streiktagen teil.

Mirko nennt nicht die Argumente aller Kritiker: Die Belegschaft hatte immer schon gewusst, weil sie es auch am eigenen Leib erfahren hat, dass der Besitzer Krüger ganz unnachgiebig ist und konsequenter Klassenkämpfer. Um den Streikenden zu helfen, hätten die IG BCE sowie die übrigen DGB-Gewerkschaften alle Kraft in die Mobilisierung ihrer Mitglieder stecken müssen und auch von Anfang in der  Öffentlichkeit Krügers an den Pranger stellen müssen. Schließlich haben Krügers mit dem Unternehmensberater Hoeck einen Fachmann für „wie verhindere ich einen Betriebsrat“ an ihrer Seite. Das müssen Alarmglocken für alle Betriebsräte sein.

Natürlich zweifeln KollegInnen in Hamburg daran, ob der Streik aufgrund der heute sichtbar gewordenen Kräfteverhältnisse hätte aufgenommen werden sollen. Wir BesucherInnen aus Bremen meinen, natürlich war die Aufnahme des Kampfes zwangsläufig und richtig. Die KollegInnen in Rotenburg haben ein beispielhaftes Rückgrat bewiesen, an ihnen lag es nicht, dass sie das ökonomische Ziel Tarifvertrag bisher nicht erreichen konnten. Das liegt an der fehlenden breiten Unterstützung von außerhalb, aus den Betrieben und Gewerkschaften, die zum Erfolg nötig gewesen wäre. Hier liegen unsere Aufgaben, denn weitere gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen werden kommen.

 

Die KollegInnen in Rotenburg treffen sich zwischen Schichtbeginn und Ende von ca. 13.15 Uhr bis 15.30 Uhr im Streikzelt. Sie brauchen weiterhin Besuch.

 

Sie haben sehr viele Erfahrungen über den Kapitalismus gemacht, mit den Unterstützern über die heutige politische Lage diskutiert und so fort. Mit der IG BCE gibt es einen Dialog. Sie bestimmen jetzt über die einzelnen Streiktage mit, nehmen also Einfluss. Allerdings nicht im Punkt Vollstreik. Doch haben sie den Eindruck, dass auch hierin ihre Kritik angekommen ist. Sie haben durchgesetzt, dass die IG BCE nichts unterschreiben wird, wenn nicht alle Maßregelungen – einschließlich der Kündigungen von Murat – zurückgenommen werden. Sie wollen den Kampf gegen die Unternehmerwillkür fortsetzen. Die Einigkeit dazu haben sie.

 

Erich   30.5.2013

 

 

29.05.2013 / Inland / Junge Welt

Durchbruch verschoben

Seit 1. November befinden sich über 100 Beschäftigte des Verpackungshersteller Neupack im Arbeitskampf. Einen Tarifvertrag wird es wohl nicht geben

Von Mirko Knoche

 

Die Zielgerade wird länger und länger. Auf ihr wähnt sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die mit der Geschäftsführung des norddeutschen Verpackungsherstellers Neupack über mehr Lohn und über einheitliche Entgeltgruppen verhandelt, am Donnerstag soll eine Einigung erzielt werden. Seit dem 1. November führen über 100 Beschäftigten einen Arbeitskampf, weil sie sich seit Jahren der Unternehmerwillkür der Eigentümerfamilie Krüger und einer ungerechten Bezahlung nach Nasenprämien ausgesetzt sehen. Die Gewerkschaft hat sich nach eigenen Angaben mit Neupack darauf verständigt, eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat abzuschließen, denn einen Tarifvertrag lehnt die Geschäftsführung strikt ab. Die Betriebsvereinbarung soll »die 50 Jahre währende Zeit der Gutsherrenart beenden«, heißt es im Streikinfo vom vergangenen Freitag. Doch das sehnlich erwartete Ende des Konflikts lässt noch immer auf sich warten.

Schon mehrfach hat die IG BCE verkündet, kurz vor einem Durchbruch zu stehen, doch eine Einigung scheiterte immer wieder an vermeintlichen Detailfragen. Außerdem stellt Neupack laut Gewerkschaft regelmäßig falsche Lohnabrechnungen aus, in denen Urlaubstage während des Streiks nicht gezählt und folglich auch nicht bezahlt werden. Auch ein Ende der Maßregelungen ist nicht absehbar, so läuft weiterhin ein Kündigungsverfahren gegen Betriebsratschef Murat Günes vor dem Hamburger Arbeitsgericht. Das Unternehmen wirft ihm vor, beim Schließen eines Werkstors während des ersten Streiktags am 1. November den Betriebsleiter und einen Industriemeister verletzt zu haben, was Günes und von der IG BCE benannte Zeugen abstreiten. Ohne Ausschluß von Maßregelungen will die Gewerkschaft keine Betriebsvereinbarung zulassen.

Die Gewerkschaft selbst spricht nun von einem »Schneckentempo«, in dem die Verhandlungen weitergingen, in »zähen Auseinandersetzungen« ringe man mit dem Management, das für die beiden Produktionsstandorte in Hamburg und im niedersächsischen Rotenburg zuständig ist. Allein über die Einstufung der Beschäftigten in verschiedene Lohngruppen habe man am Freitag acht Stunden lang verhandelt. Im Fall Günes gibt es weiterhin keine Bewegung. Nach einem ersten Termin vor dem Hamburger Arbeitsgericht Anfang April steht ein zweiter Verhandlungstag noch aus.

Noch am 10. Mai gab sich Streikleiter Ralf Becker deutlich optimistischer. Ein »großer Teil des Gesamtpakets« sei geschnürt, teilte er seinerzeit in einer Gewerkschaftspublikation mit. Die Klärung offener Streitpunkte schien nur noch Formsache zu sein. Ein wichtiges Teilergebnis konnte Becker damals allerdings schon präsentieren: Der Grundlohn werde je nach Tätigkeit zwischen neun Euro und 18,70 Euro betragen. Zuvor habe er noch bei 7,80 Euro gelegen. Sollte diese Einigung Bestand haben und im ganzen Betrieb Anwendung finden, würde das auch den Einfluß der Kritiker dämpfen.

Denn die Chemiegewerkschaft steht nicht nur unter dem Dauerfeuer der Krüger-Familie, sie ist auch herben Angriffen des Neupack-Unterstützerkomitees ausgesetzt. Im Solikreis haben sich Mitglieder der Hamburger »Gewerkschaftslinken« und verschiedene Gruppierungen der linken Szene zusammengefunden. Sie bezeichnen den Flexi-Streik als »Flexi-Verarsche«. Nachdem die Neupack-Beschäftigten die Betriebe in Hamburg und Rotenburg rund drei Monate lang durchgehend bestreikt hatten und kein Einlenken des Managements absehbar war, änderte die IG BCE ihre Taktik. Nur an einzelnen Tagen sollten die Arbeiter noch das Betriebsgelände verlassen, um dem Unternehmen gezielte Nadelstiche zu versetzen. Der Solikreis hingegen wertete die neue Streikstrategie als offenen Verrat.

Die Unterstützer kritisierten die sozialpartnerschaftliche Ausrichtung der Chemiegewerkschaft und warfen ihr vor, durch die Rückkehr an die Arbeitsplätze den ökonomischen Druck vom Unternehmen zu nehmen. Freilich war es auch während des Dauerstreiks kaum gelungen, die Produktion lahmzulegen. Bereits zu Beginn des Konflikts heuerte Neupack polnische Streikbrecher an, welche die einfachen Tätigkeiten verrichteten, die zuvor von den Streikenden ausgeführt wurden. Trotz intensiver Versuche zur Kontaktaufnahme konnte die Gewerkschaft die Polen nicht davon abbringen, den Arbeitskampf zu unterlaufen. Vor den Unterkünften der Wanderarbeiter kam es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen, in Rotenburg blieb ein polnischer Streikbrecher schwer verletzt mit einem Schädelbruch zurück. Die Gewerkschaft bestreitet jede Beteiligung, die Täterschaft bleibt ungeklärt.

Auch gegen die Wortführer des Solikreises regt sich Widerspruch. Manche Unterstützer sehen es mittlerweile als Fehler an, den Arbeitskampf überhaupt aufgenommen zu haben. So habe die Unterstützung der Maschinenführer gefehlt, die viel schwerer durch Streikbrecher zu ersetzen seien als die Masse der ungelernten Arbeiter. Auch die Kritik am angeblich sozialpartnerschaftlichen Kurs der IG BCE sei unberechtigt – der Hauptvorstand habe die Aktionen von Beginn an unterstützt, als der Streik kurz vor dem Scheitern stand, sei Landesbezirksleiter Becker eingesprungen, um eine vollständige Niederlage zu verhindern.

Diesen Post teilen

Repost 0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post