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junge welt 30.1.13 -- Kapital gegen Arbeit - Nervenkrieg bei Neupack

31. Januar 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

30.01.2013 / Inland / Seite 4Inhalt

Nervenkrieg bei Neupack

Fronten im Streik bei Verpackungshersteller verhärtet: Unternehmen verwehrt Gewerkschaftssekretär Zutritt zum Betrieb

Von Mirko Knoche, Hamburg

Zwischen Neupack und seinen Beschäftigten herrscht ein Nervenkrieg. Der Verpackungshersteller mit Standorten in Hamburg und im niedersächsischen Rotenburg hat dem Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Rajko Pientka, am Montag den Zutritt zum Hamburger Werk verwehrt. Sicherheitsleute hinderten ihn am Betreten des Geländes. Die IG BCE hält das Vorgehen der Geschäftsführung für rechtswidrig. Für Dienstag hatte auch der Betriebsrat in Rotenburg eine Versammlung einberufen. Das Arbeitsgericht Verden gab einem Antrag der Gewerkschaft statt, den Einlaß ihres Sekretärs Pientkas anzuordnen. Die Beschäftigtenorganisation berief sich auf das Betriebsverfassungsgesetz.

Die Arbeiter kämpfen für den erstmaligen Abschluß eines Tarifvertrags. Kurioserweise hatte der Werkleiter versucht, am selben Tag eine Belegschaftsversammlung aufzulösen. Um zu deeskalieren, verschob Betriebsratschef Murat Günes kurzerhand die von seinem Gremium angekündigte Konferenz. Der zwölfwöchige Ausstand – der längste in Hamburg seit den siebziger Jahren – war Mitte voriger Woche ausgesetzt worden. Die IG BCE hatte bereits zuvor angekündigt, eine neue Arbeitskampftaktik anzuwenden.

Um den Konflikt, wenn es sein muß, über Monate weiterführen zu können, soll nur noch an einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt werden. Die Gewerkschaft will die Blitzaktionen nicht ankündigen, um den ausufernden Streikbruch in den Griff zu bekommen. Ob das Unternehmen mit Aussperrungen antworten will, ist derzeit nicht bekannt. Mitte Januar war es vor einer Unterkunft der Streikbrecher für das Rotenburger Werk zu einer Schlägerei gekommen, einer der angeheuerten Polen erlitt dabei einen Schädelbruch. Die Gewerkschaft weist jede Verantwortung von sich: »Der Vorfall wird nun von der Staatsanwaltschaft aufgeklärt«, sagte IG-BCE-Sekretär Pientka.

Der Ausstand beschäftigt regelmäßig die Arbeitsgerichte. Die Auffassung des Unternehmens, ein gewerkschaftsfreier Betrieb zu sein, wird regelmäßig von den Richtern korrigiert. Die IG BCE beschuldigte die Geschäftsführung zudem, mehrere Handgreiflichkeiten frei erfunden zu haben. Die Hartnäckigkeit von Neupack hatte sich schon vor dem Ausstand gezeigt. Die Gewerkschaft hatte monatelang versucht, auf dem Verhandlungsweg einen Tarifvertrag abzuschließen. Mehrere Politiker und Künstler hatten die Eigentümerfamilie Krüger zwischenzeitlich aufgefordert, sich mit der IG BCE an einen Tisch zu setzen. Dem Vernehmen nach ist im Hintergrund eine Hamburger Persönlichkeit aktiv, um zwischen den Parteien zu vermitteln – bislang noch ohne Erfolg. Auch ein Gesprächsangebot von Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis blieb unbeantwortet.

Die Beschäftigten verlangen höhere Löhne und eine Gleichbehandlung. Weil es im Unternehmen nur individuelle Arbeitsverträge gibt, wollen sie ihre Ziele mit einem kollektiven Tarifvertrag erreichen. An den Arbeitsniederlegungen hatten sich in Hamburg-Stellungen rund 100 Beschäftigte beteiligt. Angestellte werden nach Angaben der IG BCE pfleglicher behandelt und haben sich auf die Unternehmerseite geschlagen. Zusätzlich begehen rund 30 festangestellte Produktionsarbeiter und etwa 30 befristet eingestellte Polen Streikbruch.

Neupack erklärte gestern auf jW-Anfrage, die Forderungen, die die IG BCE »in Verbindung und auf Basis des Tarifvertrages« stelle, seien »durch das Unternehmen wirtschaftlich nicht einzulösen«.

 

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