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Klasse statt Masse

18. Januar 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Gentechnik - Landwirtschaft - Ernährung

Bundesweite Mobilisierung zur Demonstration für Wende in der Landwirtschaftspolitik am Sonnabend in Berlin. Veranstalter rechnen mit mindestens 5000 Teilnehmern

Von Rainer Balcerowiak
Traktorendemos wie hier im Mai 2009 sind in Berlin mittlerweile
Traktorendemos wie hier im Mai 2009 sind in Berlin mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Am Sonnabend demonstrieren Landwirte für eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft
Mehr Rückenwind hätten sich die Initiatoren der Großdemonstration für eine Wende in der Landwirtschaftspolitik am kommenden Sonnabend in Berlin nicht wünschen können. Mehr als 120 Organisationen haben sich dem Aufruf »Wir haben es satt« mittlerweile angeschlossen. Zwar sei der aktuelle Dioxinskandal »nur die Spitze des Eisbergs«, doch hätten die Vorgänge um verseuchte Futtermittel viele Menschen aufgerüttelt, so der Sprecher des Bündnisses, Jochen Fritz, am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Es sei höchste Zeit, die Weichen für eine gentechnikfreie, ökologische und bäuerliche Landwirtschaft zu stellen, was auch im Sinne der Verbraucher sei.

Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) verwies auf die personellen Verflechtungen zwischen Agrarpolitikern, Deutschem Bauernverband und Futtermittelindustrie. In der Zeit der großen Koalition habe es diese unheilige Allianz geschafft, Gesetzesänderungen im Interesse der Agroindustrie und der Massentierhaltung durchzusetzen. So seien die Kopplung der Genehmigung für Großbetriebe an Futtermittelanbau aufgehoben und die Bestimmungen zur Gülleentsorgung aufgeweicht worden. Erklärtes Ziel sei es dabei gewesen, so Benning, Investoren für Mastbetriebe zu gewinnen. Auf der anderen Seite seien Förderprogramme für die ökologische Landwirtschaft zurückgefahren und in einzelnen Bundesländern wie z.B. Schleswig-Holstein sogar komplett eingestellt worden.

Marita Wiggertaler von der entwicklungspolitischen Organisation Oxfam forderte ebenfalls eine radikale Umorientierung. Deutschland sei mittlerweile der weltweit drittgrößte Agrarexporteur. So seien besonders die hochsubventionierten Ausfuhren nach Afrika binnen weniger Jahre bei Schweinefleisch um 500 und bei Geflügel um 250 Prozent gestiegen. Hierzulande bedeute dies Massentierhaltung mit all ihren ökologischen Folgen und in den Abnehmerländern den Ruin der lokalen Produzenten und die Zerstörung regionaler Wirtschaftskreisläufe, was eine der wichtigsten Ursachen für den Hunger in Teilen Afrikas sei. Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf und sein Amtskollege Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft, verwahrten sich gegen den häufig geäußerten Vorwurf, daß eine weitgehende Abkehr von der Massentierhaltung und die Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft zu rasant steigenden Preisen führen und sozial benachteiligte Menschen besonders empfindlich treffen würde. Würde man die tatsächlichen Kosten für die Produktion »billigen« Fleisches zugrunde legen, wäre dessen Preis um ein Vielfaches höher, so Löwenstein. So habe alleine die durch industrielle Futtermittelproduktion verbreitete Rinderseuche BSE in der EU volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 20 Milliarden Euro verursacht, die größtenteils der Steuerzahler aufzubringen hatte. Die Schäden durch Gülleverklappung bewegten sich ebenfalls im Milliardenbereich. Auf der anderen Seite würde die Umwidmung von Agrarfördermitteln weg von Großproduzenten hin zur artgerechten und naturnahen Landwirtschaft preisausgleichend wirken. Baringdorf betonte, jeder Mensch habe ein Recht auf gesunde und möglichst wenig mit Schadstoffen belastete Lebensmittel, deren Erzeugung zudem nicht die Umwelt ruiniere. Mit diesen müsse in jeder Hinsicht bewußter umgegangen werden. Derzeit würden bis zu 30 Prozent aller Lebensmittel vernichtet. Auch sei ein Konsum von über 80 Kilogramm Fleisch und Fleischprodukten pro Kopf und Jahr keine soziale Errungenschaft, sondern »mehr Leid als Lust«.

Die Protestaktionen beginnen am Sonnabend um 10 Uhr mit einer Traktorenparade zum Messegelände, wo am Tag zuvor die weltweit größte Agrarshow, die Grüne Woche, eröffnet wird. Um 12 Uhr startet die eigentliche Demonstration vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Nach der Kundgebung gibt es dort noch ein »Rock for Nature«-Konzert. Die Veranstalter rechnen mit mindestens 5 000 Teilnehmern.

Im Internet:www.wir-haben-es-satt.de

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Kredite für arbeitslose 02/08/2011 15:44



Ich finde den Artikel sehr gut gelungen, allerdings habe ich was zu bemängeln. Der Titel passt nicht ganz! Klasse ist sowieso vorhanden, aber ich finde auch, dass sich relativ viele zusammengetan
haben, so dass schon eine ordentliche Masse zusammen gekommen ist.


 


Ansonsten Top Seite und weiter so bitte!



elearning 01/31/2011 12:41



Ja, die Bauer haben es wirklich nicht leicht,! Erst dieser große Milchskandal und jetzt der Eierskandal... wo soll das noch hinführen? Ich bin auch grundsätzlich dafür, dass man Demonstrieren
sollte, aber ich weiß nicht ob das was bringt. Wir sehen ja was zur Zeit in Kairo passiert!!!



Triumph 01/24/2011 10:06



Ich finde es sehr lobenswert, dass sich diese Leute zusammen tun und miteinander Demonstrieren. Zusammen erreicht man auf jeden Fall mehr und es gibt einen gewissen Zusammenhalt. Aber als Bauer
hat man es auch schwer, wenn solche Skandale vorkommen. Ich würde auch demonstrieren!