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Landeskriminalamt durchsucht Firmen und Wohnungen

18. August 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

 

Razzia in Bordellen der "Hell's Angels"

Von Stefan Schölermann
Walsrode. Die Beamten kamen zur besten "Geschäftszeit": Es war 20 Uhr, als das Bordell "Casanova Club" in Walsrode am Dienstagabend unerwarteten Besuch bekam. Polizisten, einige schwer bewaffnet, zeigten dem Empfangspersonal ihren Durchsuchungsbefehl. Dann ging erst einmal alles sehr schnell: Computer wurden beschlagnahmt, Dokumente gesichert, Ausweise kontrolliert.
 
Ermittler des Landeskriminalamtes Niedersachsen tragen sichergestellte Gegenstände aus einem Bordell in Walsrode.
Ermittler des Landeskriminalamtes Niedersachsen tragen sichergestellte Gegenstände aus einem Bordell in Walsrode.

Die Beamten des Landeskriminalamtes Niedersachsen kamen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Verden. Die führt ein Verfahren, in dem es um den "Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Menschenhandels und der Insolvenzverschleppung" geht. Der "Casanova Club" war nicht das einzige Etablissement, das die Beamten an diesem Abend durchsuchten, sie hatten einen Großeinsatz: insgesamt sieben Bordelle, Geschäftsräume, drei Privatwohnungen - und sogenannte "Lovemobile", Wohnmobile auf Rastplätzen, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten. In einer Mitteilung des Landeskriminalamtes ist von einer "Vielzahl von Lovemobilen im Bereich Walsrode und Umland" die Rede.

Federführend bei der Polizeiaktion war die "Ermittlungsgruppe Ein Prozent", die milieutypischen Delikte von Rockergruppen wie "Bandidos" und "Hell's Angels" auf der Spur ist. Bei ihrer Razzia hatten die Ermittler denn auch zwei Mitglieder der "Hell's Angels" im Visier: den Bordellbetreiber Wolfgang Heer und seinen Sohn Michel aus Walsrode. Beide sind Mitglieder des "Charter Hannover" der "Hell's Angels". Michel Heer ist zugleich Geschäftsführer der Firma "Hebra", die neben dem "Casanova Club" drei weitere Bordelle in Verden, Achim und Worpswede betreiben soll. Auch diese drei Etablissements wurden durchsucht.

Insolvenzverschleppung

Allein die Razzia im "Casanova Club" dauerte rund sechs Stunden. Die Beamten filzten zudem Wolfgang Heers Privathaus, die Geschäftsräume seiner Firma und schließlich die Geschäftsräume seiner Steuerberaterin. Dabei ging es vor allem um den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Doch nicht nur gegen die Heers wird ermittelt, auf der Liste der Beschuldigten stehen insgesamt neun Namen.

Wolfgang Heer spricht offen über die Durchsuchungsaktion - und nennt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft "absolut haltlos". Schon vor Jahren habe er sich aus dem Geschäft mit den "Lovemobilen" verabschiedet. Auch den Vorwurf des "Menschenhandels" weist Heer für seine vier Bordellbetriebe rigoros von sich. Lediglich eine einzige Frau ausländischer Herkunft, deren Name auf der polizeilichen Liste stand, habe in einem seiner Betriebe gearbeitet. Sie sei aber zuvor bereits im Ausland im Rotlichtbereich tätig gewesen, sagt Heer, und dagegen sei rechtlich nichts einzuwenden. "Völlig abwegig" nennt er auch den Vorwurf der "Insolvenzverschleppung", schließlich stehe er mit seinem nicht unerheblichen Privatvermögen für sämtliche Verbindlichkeiten der Firma "Hebra" gerade.

Die Razzia ist - wenn auch meist hinter vorgehaltener Hand - Stadtgespräch in Walsrode. Schließlich war der auffallend bunt beleuchtete "Casanova Club" ebenso unübersehbar wie die davor postierten Polizeifahrzeuge. Und in Walsrode ist das Thema Wolfgang Heer und "Hell's Angels" ein großes, seit rund elf Monaten diskutiert man hier kontrovers über den Umgang mit den Rockern. Dreh- und Angelpunkt der Debatte ist dabei eben der Walsroder Geschäftsmann, Bordellbetreiber und Rocker Wolfgang Heer. Denn Heer geht mit seinem Vermögen durchaus großzügig um, er unterstützt sozial Schwache und kulturelle Vereinigungen, für viele Walsroder ist er "ein ganz normaler Geschäftsmann und Teil der Gesellschaft".

Der Grünen-Ratsherrn Detlef Gieseke sieht das anders. Er hatte Walsroder Institutionen und Instanzen eine zu große Nähe zu Menschen vorgeworfen, die "Mitglieder einer Organisation sind, die bei der Polizei von den Spezialabteilungen für organisierte Kriminalität beobachtet wird" - was für die "Hell's Angels" gilt. Auch wenn sich die Wogen mittlerweile geglättet haben, vom Tisch ist die Debatte noch lang nicht. Das zeigt nicht zuletzt das große Interesse an der Razzia.

Für das Landeskriminalamt war die Aktion auch ein Signal: "Sie macht deutlich, dass wir das Thema rockertypische Kriminalität nach wie vor scharf im Visier haben", sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes Niedersachsen, Falco Schleier. Das gilt offenbar auch für die Gegenseite: "Die Beamten vor Ort waren schon erstaunt, als sich ein Führungsmitglied der ,Hell's Angels' Hannover Dienstagabend am Durchsuchungsobjekt sehen ließ", sagt Schleier. Das "Führungsmitglied" gilt als einer der mächtigsten Rockerbosse bundesweit - und als Heers Geschäftspartner.

Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo.

 

Quelle: Weser Kurier 18.08.2011

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