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Lohndumping durch Auslagerung hat beim Diakonischen Werk System. Gewerkschaft beklagt ­knallharte Ausrichtung als Wirtschaftsunternehmen

14. Januar 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kirche

Christliche Ausbeutung

Lohndumping durch Auslagerung hat beim Diakonischen Werk System. Gewerkschaft beklagt ­knallharte Ausrichtung als Wirtschaftsunternehmen

Von Ralf Wurzbacher
Jobben in der Diakonie: Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und N
Jobben in der Diakonie: Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nächstenliebe
Das Diakonische Werk (DW) stellt mit seinen aktuell bekanntgewordenen Ausbeutermethoden andere Wohlfahrtorganisationen offenbar in den Schatten. Nach Auskunft der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist die »Tendenz, sich als marktwirtschaftliches, gewinnorientiertes Unternehmen zu gerieren, bei keinem anderen sozialen Arbeitgeber so ausgeprägt wie bei der Diakonie«. Nach einem Bericht des Wochenmagazins Stern vom Mittwoch werden in den Pflegeeinrichtungen des Verbands der evangelischen Kirche Zehntausende Mitarbeiter mit deutlich niedrigeren als den üblichen Löhnen abgespeist.

Das Vorgehen erinnert stark an die Praktiken des Drogeriediscounters Schlecker, der wegen der massenhaften Auslagerung von Angestellten vor einem Jahr für Schlagzeilen sorgte. Demnach werden die Löhne der Beschäftigten in vielen DW-Einrichtungen unter anderem über eigens geschaffene Zeitarbeitsfirmen gedrückt. Nach Stern-Recherchen erhält so etwa eine vom Diakonie-Ableger Dia Logistik eingestellte examinierte Altenpflegerin nur 10,16 Euro pro Stunde, während für qualifizierte Pflegekräfte in einem regulären Arbeitsverhältnis 14,28 Euro fällig werden. Monatlich ergibt sich so ein Minus von 640 Euro. Zudem sollen Geschäftsführer von DW-Betrieben GmbHs gegründet haben, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen.

Über das Ausmaß der Machenschaften gibt es derweil abweichende Angaben. Laut Ratsvorsitzendem der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sind 35000 der insgesamt 435000 Festangestellten betroffen. Der Sprecher der diakonischen Mitarbeitervertretung, Michael Heinrich, spricht im Stern-Bericht von 75000 Ausgelagerten. Der DW-Bundesverband hat die Methoden gerechtfertigt. Alle seine Heime müßten den »Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nächstenliebe aushalten«. Sollte eine Einrichtung allerdings ausschließlich finanzielle Gesichtspunkte in den Vordergrund stellen, »handelt sie nicht mehr diakonisch«, ließ ein Sprecher ausrichten.

Nach ver.di-Informationen ist Lohndumping bei der Diakonie längst »Teil der Unternehmensphilosophie«. In ihren Reihen werde im Umgang mit den Mitarbeitern sehr viel »systematischer und flächendeckender und bisweilen brutal gegen die eigenen christlichen Gebote verstoßen« als etwa bei ihrem katholischen Gegenstück, dem Caritas-Verband, befand Gewerkschaftssprecher Jan Jurczyk am Donnerstag gegenüber junge Welt. »Es gibt hier eine strategische Ausrichtung, die ausdrücklich auf Gewinnorientierung setzt.« Das zeige sich auch daran, daß die Diakonie mit dem Verband Diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) über einen eigenen Unternehmerverband verfüge, der seit zehn Jahren in der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgebeberverbände (BDA) organisiert ist.

Tatsächlich könnte die Selbstdarstellung des VdDD auch aus der Feder von McKinsey stammen: Demnach sollen sich die diakonischen Einrichtungen »als Anbieter innovativer Dienstleistungen und mit einem klaren evangelischen Profil erfolgreich am Markt behaupten«. Allerdings richtet sich die gepriesene »lebensdienliche Diakonie, deren Grundanliegen es ist, Menschen ein selbstbestimmtes Leben (...) zu ermöglichen«, wohl nicht an die eigenen Mitarbeiter. Ins Bild paßt auch ein aktueller Rechtsstreit, der gestern am Landesarbeitsgericht im nordrhein-westfälischen Hamm in die nächste Runde ging. Dabei geht es um die Frage, ob Einrichtungen der evangelischen Kirche bestreikt werden können. Hintergrund sind ver.di-Warnstreiks während einer Tarifauseinandersetzung im Jahr 2008, gegen die die Diakonie Klage eingereicht hatte.
Quelle: junge welt 14.01.2011

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