Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Lokalzeitung unter Zensurverdacht - Kritik am Umgang mit den Rockern

23. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis


Von STEFAN SCHÖLERMANN
Walsrode. Die Gewerkschaft Verdi fährt schweres Geschütz auf und spricht von einem Akt der Zensur: Gemeint ist die "Walsroder Zeitung". Es geht um den Versuch, einen offenkundig missliebigen Artikel aus dem Online-Lexikon "Wikipedia" zu löschen. Dort war Kritik geäußert worden an der Art und Weise, wie die "Walsroder Zeitung" mit dem Thema Rocker in der Heidestadt umgeht. Von einem Rechner im Hause des Verlages war versucht worden, den Beitrag zu löschen. Für den Medienfachmann des Verdi-Landesverbandes Niedersachsen, Friedrich Siekmeier, ist ein solches Vorgehen nicht zu akzeptieren: "Das bedeutet, dass ein Unternehmen selbst Zensur ausübt gegenüber einem anderen Medium." Man habe damit gegen einen der wichtigsten Grundsätze in der Presselandschaft verstoßen.

Die Spuren des Versuchs sind belegbar. Das Internetlexikon stellt die Internetadresse, die sogenannte "IP-Adresse", desjenigen ins Netz, der anonym eine Löschung beantragt. Und diese Adresse läßt sich in den Verlag der "Walsroder Zeitung" zurückverfolgen. Verlagsgeschäftsführer Martin Röhrbein hat den Fehler gegenüber dem NDR eingeräumt: "Das ist ein Vorfall, der nicht hätte passieren dürfen", sagt er und fügt hinzu: "Das war mit der Leitung des Hauses nicht abgestimmt."

Auch wenn der Versuch scheiterte, in Walsrode hat der Vorfall zumindest bei einem Mann für Verständnislosigkeit gesorgt: dem Rechtsanwalt Thomas Lasthaus. Er hatte sich seit Längerem in Walsrode öffentlich dagegen ausgesprochen, dass Mitglieder der Rockergruppe "Hells Angels" im Kultur- und Geschäftsleben der Stadt eine wahrnehmbare Rolle spielen. Die Quittung dafür hatte er vor einigen Wochen erhalten: Vor seiner Haustür ging nachts ein Müllcontainer in Flammen auf. Unbekannte hatten seiner Hauswand den Schriftzug "Eine Kugel reicht" verpasst. Daneben war ein Fadenkreuz gemalt. Für Lasthaus war das eine offenkundige Drohung. In der Walsroder Zeitung fanden sich am Tag darauf nur wenige Zeilen, währen andere Medien ausführlicher berichteten. Das war auch Thema des kritischen Absatzes im Online-Lexikon "Wikipedia". Er habe kein Verständnis dafür, sagte Lasthaus, wenn eine Zeitung versuche, missliebige Beiträge über sich selber bei Wikipedia zu verändern, "und das in der Hoffnung, dass

es niemand mitbekommt".

Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo.

 

Quelle: Weser Kurier 23.11.2011

Diesen Post teilen

Repost 0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post