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Mord an uns allen

26. Oktober 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Zug der Erinnerung

Mord an uns allen

Unter den NS-Opfern im Münsterland waren zahlreiche Kinder. Sie wurden wegen erfundener oder tatsächlicher Behinderungen ermordet. Die Massentötungen machte der damalige Bischof von Münster öffentlich.Trotz seiner widersprüchlichen Stellungnahmen zum NS-Regime gehört Galens Predigt, die er auf dem Höhepunkt der Krankenmorde in der Kirche St. Lamberti hielt, zu den wenigen wirksamen Oppositionshandlungen der christlichen Kirchen in Deutschland:

Clemens August Graf von Galen mit 
seiner Nichte auf Burg Dinklage.

"Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, 'unproduktive' Mitmenschen zu töten - und wenn es jetzt auch nur arme, wehrlose Geisteskranke trifft -, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeitsunfähigen Krüppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben."

Galens Ausführungen treffen auf sämtliche Spielarten der Inwertsetzung des menschlichen Lebens zu, wenn es unter betriebswirtschaftliche Beobachtung gestellt wird. (Ungesühnt und unvergessen)

Über von Galen heißt es in der historischen Forschung:

"Er predigt politische Loyalität gegenüber den neuen nationalsozialistischen Machthabern, kämpft aber in Veröffentlichungen gegen ihre neuheidnische Ideologie und Rassenlehre.

Den Krieg samt Überfall auf die Sowjetunion billigt von Galen. Aber als ihn 1941 Ordensleute über das Mordprogramm an Behinderten und Geisteskranken informieren, entschließt er sich zum öffentlichen Protest. Seine ersten politischen Predigten in der Marktkirche St. Lamberti in Münster gelten noch der Schließung von Klöstern durch das Regime. Dann aber macht er seine Anzeige 'wegen Mord' öffentlich, mit der er die so genannte Euthanasie anprangert. Obwohl der Bischof seinen Protest ausdrücklich nicht als politischen Widerstand versteht - 'Wir Christen machen keine Revolution' -, hat seine Botschaft ein ungeheures Echo. Tausende Gläubige demonstrieren in überfüllten Kirchen und auf Prozessionen ihre Solidarität. Die 'New York Times' druckt seine Predigten, die Alliierten werfen sie auf Flugblättern über Deutschland ab. Hitler lässt den Abtransport von Heiminsassen in die Gaskammern stoppen, heimlich geht das Morden allerdings weiter. Bischof von Galen zu verhaften, trauen sich die Nazis wegen seiner großen Popularität nicht. 'Den Bischof Galen hat er auf dem Kieker', notiert Joseph Goebbels am 22. November 1941 nach einem Gespräch mit Hitler: 'Er lässt jede einzelne Handlung dieses Landesverräters beobachten. Er will in einem günstigen Moment zuschlagen.'"

Anders als weniger prominente Katholiken, die sich nicht beugen ließen (so Bernhard Lichtenberg, Edith Stein, Rupert Mayer, Karl Leisner, Maximilian Kolbe oder Nikolaus Groß), überlebte Galen das NS-Regime. "Wie mehrere andere Kirchenvertreter seiner Zeit forderte von Galen Nachsicht gegenüber verurteilten Funktionären der NSDAP und Kriegsverbrechern. Im Juni 1945 unterstützte er die in der Nachkriegszeit populäre Ansicht der 'sauberen Wehrmacht', nach der sich nur ein relativ kleiner Teil der Deutschen an den Kriegsverbrechen beteiligt hatte: 'Wir wollen auch innig danken unseren christlichen Soldaten, jenen, die in gutem Glauben, das Rechte zu tun, ihr Leben eingesetzt haben für Volk und Vaterland und auch im Kriegsgetümmel Herz und Hand rein bewahrt haben von Hass, Plünderungen und ungerechter Gewalttat.'"

Von Galen wurde 1946 zum Kardinal ernannt und 2005 heilig gesprochen.

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Stickerei 04/02/2010 10:49



Schon heftig, was da so los war,  da ist man wirklich froh, so etwas heute nicht mehr erleben zu müssen, auch wenn es noch genug Kriege gibt...



Martin 10/26/2009 17:38


Sowas ist immer wieder schokierend, obwohl man so etwas auch davor schon einmal gehört hat.