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Mutwillige Beschädigung der Ausstellung zur „Harzburger Front“ in Bad Harzburg. Eine antisemitisch motivierte Aktion?

9. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

HF
Presseerklärung:


Mutwillige Beschädigung der Ausstellung zur „Harzburger Front“ in Bad
Harzburg. Eine antisemitisch motivierte Aktion?


Planvoll, heimlich und wohl politisch gezielt haben bislang unbekannte Täter die
Ausstellung „Harzburger Front – im Gleichschritt zur Diktatur“ in der Wandelhalle
Bad Harzburg teilweise zerstört. Die Folienbeschriftung einer der vierzehn Schautafeln
wurde mutwillig entfernt, ein Informationsordner mit Hintergrundmaterial gestohlen.
Mitglieder des Vereins Spurensuche Harzregion, Träger der Ausstellung, entdeckten
den Schaden auf einer Sitzung am 22. Juni. Der Verein stellte Strafanzeige.
Seit dem Februar 2009 befindet sich diese von Stiftungen und privaten Spendern
unterstützte, vom Rat der Stadt finanziell und politisch geförderte Ausstellung in der
Wandelhalle. Ihre hohe Akzeptanz machte die Erstellung einer mobilen Version
möglich, die im Februar 2010 im niedersächsischen Landtag vom Landtagspräsidium
und Kultusministerium eröffnet wurde. Mittlerweile war diese Version höchst
erfolgreich in vier Städten zu sehen. Weitere Stationen folgen.
Die Ausstellung dokumentiert und kommentiert in großflächigen Formaten die
Ereignisse vom 11. Oktober 1931 in der Stadt. Damals trafen sich die Führer der
sogenannten nationalen Opposition, NSDAP (Adolf Hitler), DNVP (Alfred
Hugenberg) und Stahlhelm (Franz Seldte) mit ihrem Anhang, um Strategien zum Sturz
der demokratischen Republik von Weimar zu vereinbaren. In ihrer Hauptresolution
formulierten sie wesentliche Programmpunkte, die Bestandteil der Politik der NSDAP
ab dem 30. Januar 1933 werden sollten.

Ein zentrales Element dieses Zusammenschlusses der nationalistischen und
extremistischen Rechten bildete ihr Antisemitismus, ihre Propagierung der
angeblichen „blutsmäßigen Verbundenheit des deutschen Volkes“. Die Ausstellung
geht intensiv mit Dokumenten und zeitgenössischen Berichten jüdischer Bürger auf
die Entwicklung des Antisemitismus in Bad Harzburg ein. Sie zeigt, wie die
Drangsalierung und Verfolgung der Juden in der Stadt organisiert wurde. Mit
erheblichem Forschungsaufwand erstellten Mitglieder des Vereins einen ergänzenden
102 Seiten umfassenden Ordner zum „jüdischen Leben in Bad Harzburg“. Diese
Ausstellungselemente wurden nun von Unbekannten entfernt.
Mitglieder und Vorstand des Vereins vermuten eine dezidiert antisemitisch motivierte
Absicht hinter dieser Zerstörungsaktion. Es könne vielleicht Zufall sein, dass im Eifer
heimlicher krimineller Tat die Tafel zum Antisemitismus beseitigt wurde. Doch da
zugleich der entsprechende Ordner fehle – die anderen, an gleicher Stelle
aufbewahrten biografischen Ordner zu Tätern aus der Region blieben unangetastet –
sei eine solche Annahme höchst plausibel.
Der Vorstand des Vereins betont, dass er diese schändliche Aktion in keinerlei
Zusammenhang mit der vom Hausherrn zum Herbst beschlossenen Entfernung der
Ausstellung aus der Wandelhalle sieht. Diese Tat zeige aber, wie wichtig es sei, an der
Bearbeitung dieses Kapitels Zeitgeschichte in neuen fantasievollen und
publikumswirksamen Formen festzuhalten.
Im Zuge der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen zum achtzigsten
Jahrestag des Ereignisses von 1931 in Bad Harzburg wird der Verein gemeinsam mit
Bürgerinnen und Bürgern der Stadt neue Konzeptionen zur Präsentation von
Geschichte der Stadt erarbeiten. Denn nur aus der kritischen Vergegenwärtigung der
antidemokratischen, gewalttätigen und von Rassismus geprägten Vergangenheit
könnten Lehren gezogen und aktives Handeln gegen neue Kräfte des
Rechtsextremismus organisiert werden. Die heimliche und feige Aktion gegen die
Ausstellung führe diese Notwendigkeit drastisch vor Augen.


Dr. Peter Schyga Dr. Friedhart Knolle Markus Weber

 

Goslar 10. Juli 2011

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