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Nach der Razzia ist vor der Gerichtsentscheidung

24. Mai 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

 

Die "Hells Angels" im Visier der Ermittler: Am Donnerstag gab es Razzien in Kiel, Hamburg und Hannover - dort war sogar eine GSG-9-Einheit im Einsatz, um die Wohnung des "Hells-Angels"-Bosses Frank Hanebuth zu durchsuchen. Der deutsche Staat geht mit vollem Einsatz gegen die Rockerbande vor, wie man es sich sonst nur beim Kampf gegen die italienische Mafia vorstellt.

Ein Kommentar von Stefan Schölermann, NDR Info

Wer im Norden  immer noch glaubt, dass es sich bei  Mitgliedern von Rockerbanden wie den "Hells Angels", den "Bandidos" oder wie sie alle heißen mögen lediglich um etwas raubeinige ältere Herren mit einem Hang zu schweren Motorrädern handelt, wird spätestens mit dem heutigen Tag eines Besseren belehrt. Denn wenn annähernd 1.000 schwerbewaffnete Polizisten notwendig sind, um Hausdurchsuchungen in diesem Milieu abzusichern, wird deutlich, welches Gefahrenpotenzial die Sicherheitsbehörden bei manchen Mitgliedern dieser Rockerclubs ausmachen.

Doch ein Blick in einschlägige Internetforen zeigt, dass diese Rockergruppen nach wie vor auch nicht wenige Freunde haben. Und wer in der Motorradsaison ihre öffentlichen Feste und Spektakel besucht, wird feststellen, dass dieses Milieu auf viele immer noch eine Faszination ausübt. So viele, dass auch und gerade im Flächenland Niedersachsen neue Clubs in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: Nicht jeder, der sich diesen Gruppen anschließt, will auch Straftaten begehen. Doch die lange Liste der Delikte, die am Donnerstag zu Razzien führte, macht auch klar, dass hinter den zum Teil wie eine Festung gesicherten Mauern der sogenannten Vereinsheime offenbar auch über anderes nachgedacht wird als über Bier und Motorräder.

Dass viele dieser Clubs die Rotlichtviertel unserer Städte unter sich aufteilen, ist längst ein offenes Geheimnis. Doch es geht um mehr: Was die Kieler Staatsanwälte Mitgliedern dieser Clubs vorwerfen, sind schwerste Verbrechen reihenweise: Körperverletzung, Menschenhandel, Erpressung, Drogengeschäfte, Waffenschiebereien und zu guter Letzt auch noch Korruption. Vor allem dieser Aspekt lässt aufhorchen, denn wenn einzelne Rocker der Korruption verdächtigt werden, dann heißt das auch, dass sie ihre Taten nicht nur im quasi eigenen Milieu begehen, sondern dass sie mit ihren Taten auch in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen. Dorthin, wo jemand sitzt, der bisher nichts mit den Rockern und ihren Taten zu tun hatte, ihnen aber gegen Geld oder andere Vorteile jetzt zu Diensten ist.

Dieser schleichende Unterwanderungsprozess von Teilen der Gesellschaft durch die Handlanger finanzstarker Rockergruppen ist eine der größten Gefahren, die von diesen Gruppen ausgeht. Auch deshalb werden sie bei der Polizei von den Spezialabteilungen für Organisierte Kriminalität beobachtet. Es war deshalb ein wichtiges Signal, als Schleswig-Holsteins Innenminister in den vergangenen Jahren drei dieser Rockerclubs im nördlichsten Bundesland verbieten ließ. Seine Amtskollegen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sind diesem Beispiel der Null-Toleranz gegenüber Rockergruppen gefolgt.

Man darf gespannt sein, ob der neue Innenminister an der Kieler Förde an dieser Linie festhalten wird. Eine erste Nagelprobe steht Mitte Juni bevor: Dann wird vor Gericht in Schleswig entschieden, ob die verhängten Verbote auch juristisch Bestand haben. Die Razzien vom Donnerstag dürften auch die Richter in Schleswig nicht unbeeindruckt gelassen haben.

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