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NDR.de 3.8.13 -- Bad Nenndorf verhindert Nazi-Kundgebung

3. August 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Die meisten Gegendemonstranten hatte die Polizei vom Platz am Wincklerbad weggetragen - aber eben nicht alle. Neun Aktivisten hatten sich bis zuletzt angekettet und so den geplanten Verlauf der Nazi-Demo verhindert. Um 19.15 Uhr gaben die Rechtsextremen deshalb auf und erklärten den sogenannten "Trauermarsch" für beendet, ohne dass er wie geplant gestartet war. Zuvor hatten bis zu 1.800 Demonstranten den Platz über Stunden weitgehend friedlich blockiert und so Widerstand gegen das alljährliche braune Spektakel geleistet. Ihre Strategie, auf Zeit zu spielen, ging dabei auf: Die Demo der Rechten hätte laut Gerichtsbeschluss in jedem Fall spätestens um 20 Uhr beendet sein müssen. Unterstützung bekam der Protest der Bad Nenndorfer in diesem Jahr erstmals auch von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), der am Morgen die Stadt besuchte.

Innenminister Pistorius lobt Bad Nenndorfer

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Godehardi Kirche hatten die Gegner des Aufmarsches ihre heutigen Proteste eingeläutet. Bei der anschließenden Auftakt-Kundgebung erklärte Innenminister Boris Pistorius, er sei stolz auf die Bad Nenndorfer. "Nicht Bad Nenndorf hat ein Problem mit den Nazis, sondern die Nazis haben ein Problem mit Bad Nenndorf", sagt Pistorius.

1.800 Polizisten im Einsatz

Die Einsatzkräfte hatten bereits am Morgen alle Zufahrtsstraßen nach Bad Nenndorf gesperrt. Die Bundespolizei kündigte an, für die Sicherheit der Reisenden an den Bahnhöfen und Haltestellen sowie in den Zügen des Nah- und Fernverkehrs zu sorgen. Es müsse mit einem erhöhten Reiseaufkommen und dadurch bedingten Beeinträchtigungen gerechnet werden. Insgesamt sind rund 1.800 Polizisten aus Niedersachsen und anderen Bundesländern im Einsatz.
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Menschen tragen ein Banner mit der Aufschrift "Bad Nenndorf wehrt sich". © NDR Fotograf: Jörg Jacobsen
 
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"Der Spuk muss mal ein Ende haben"

In Bad Nenndorf hat es bereits am Freitag erste Kundgebungen gegen den Aufmarsch von Rechtsextremen gegeben. Für viele ist es nach eigenen Angaben "selbstverständlich dabei zu sein".
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"Trauermarsch" seit 2006

Seit 2006 marschieren Neonazis aus ganz Deutschland an einem Augustwochenende in Bad Nenndorf zum Wincklerbad. Dieses wurde in der Nachkriegszeit von den Briten als Verhörzentrum und Militärgefängnis genutzt. Zu den Protesten riefen das Bürgerbündnis "Bad Nenndorf ist bunt", der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und antifaschistische Gruppen auf.

Wincklerbad in Bad Nenndorf

Dreh- und Angelpunkt des rechten Interesses an Bad Nenndorf ist das Wincklerbad. Britische Besatzungssoldaten nutzten das Bad von 1945 bis '47 als Internierungslager für NS-Schergen und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Es kam dort auch zu Misshandlungen ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Großbritannien entschuldigte sich dafür später. Nach der Auflösung der Grabstätte des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im oberfränkischen Wunsiedel im Juli 2011 gilt Bad Nenndorf als einer der letzten rechten "Wallfahrtsorte". Mit ihrem "Trauermarsch" wollen die Neonazis an die Opfer des Vorgehens der Alliierten erinnern. 

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