Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

NDR.de 30.3.13 -- Dorfmark: 130 demonstrieren gegen Ludendorffer

30. März 2013 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

Prominente Rechtsextremistin in Dorfmark

von Stefan Schölermann
Von manchen werden ihre alljährlichen Treffen in der Gemeinde Dorfmark im niedersächsischen Dorfmark (Landkreis Heidekreis) belächelt - auch diesmal sind rund 70 Mitglieder der als fremdenfeindlich und rechtsextrem eingestuften Gruppierung der sogenannten Ludendorffer in Hotels, Gaststätten und Privatquartieren zu Gast. Und wie in jedem Jahr regt sich Widerstand gegen diese braunen Treffen. So haben am Karfreitag und am Sonnabend rund 130 Demonstranten unter anderem mit einer Mahnwache ihrem Unmut gegen den braunen Spuk Luft gemacht.

Treffen gilt als rechte Kaderschmiede

Kritisiert werden von den Gegnern nicht nur die Ludendorffer und ihre finstere Weltanschauung, kritisiert werden auch diejenigen, die den Mitgliedern Jahr für Jahr Obdach gewähren. Denn diese Treffen gelten bei Kritikern auch als Kaderschmiede und Strategietreffen der rechtsextremen Szene. Schon mehrfach sind prominente Alt- und Neonazis Gast der Ludendorffer-Veranstaltungen gewesen. In diesem Jahr ist eine der prominentesten Figuren des braunen Milieus nach Dorfmark gekommen: Wie die Polizei NDR Info auf Anfrage bestätigte, ließ sich auch die prominente Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel bei den Ludendorffern blicken.

Ikone der rechtsextremen Szene

Ursula Haverbeck-Wetzel, bekennende Holocaust-Leugnerin, bei einer von der Partei "Die Rechte" organisierten Demonstration. © dapd Fotograf: Klaus Schwarz Detailansicht des Bildes Erst vor einer Woche war Ursula Haverbeck-Wetzel in Weyhe bei einer rechten Demo dabei. (Archivbild) Die über 80 Jahre alte Frau gilt nicht nur als Symbolfigur der rechtsextremen Szene, sie darf auch als deren Vordenkerin und Drahtzieherin betrachtet werden. Sie war mitverantwortlich für die 2008 verbotene "Heimvolkshochschule" namens Collegium Humanum in Vlotho, einer Denkfabrik der rechtsextremen Szene. Aktiv war sie außerdem für die 2011 vom Bundesinnenministerium verbotene Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene (HNG).

Haverbeck-Wetzel bei Demo in Weyhe

Mehrfach war sie schon in Niedersachsen als braune Rednerin aufgetreten, so im vergangenen Jahr beim sogenannten Trauermarsch der braunen Szene in Bad Nenndorf und in der vergangenen Woche in der Gemeinde Weyhe, wo der Neonazi Christian Worch mit seiner Partei Die Rechte zur Demonstration aufgerufen hatte. Die geistige Nähe von Haverbeck-Wetzel zu den als rassistisch eingestuften Ludendorffern liegt auf der Hand, unterscheiden sie Menschen doch unter anderem nach sogenannten "Licht- und Schachtrassen".

Eine Gemeinde fürchtet um ihren Ruf

Blick auf den Eingang des Gasthauses "Deutsches Haus" in Dorfmark. © dapd Fotograf: Klaus Schwarz Detailansicht des Bildes Die Ludendorffer treffen sich jedes Jahr zu Ostern im "Deutschen Haus" in Dorfmark. Der Auftritt der prominenten Rechtsextremistin Haverbeck-Wetzel dürfte die Diskussion um die Ostertreffen der Ludendorffer nicht nur im Heidekreis neu beleben. Kritiker bemängeln vor allem, dass auch Kinder und Jugendliche an den Treffen teilnehmen und so das rechtsextreme Gedankengut von Generation zu Generation weitergegeben werden könne. Auch deshalb hat ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und besorgten Bürgern zu Protesten aufgerufen. Mag das Treffen der Ludendorffer auch für Hotels, Pensionen und private Zimmervermieter in Dorfmark ein gutes Geschäft sein - viele fürchten nicht nur um den guten Ruf der Gemeinde. "Rechtsextremismus ist Gift für unser Land", sagte deshalb einer der Organisatoren der Gegenveranstaltung, der DGB-Kreisvorsitzende Charly Braun.

Der "Bund für Gotterkenntnis e.V." (Ludendorff)

Der "Bund für Gotterkenntnis e.V." geht auf die Lehren von Mathilde Ludendorff (1877-1966), der Ehefrau von Hitlers Kampfgefährten Erich Ludendorff (1865-1937), zurück. Das Denken der Mathilde Ludendorff war von antisemitischen Verschwörungstheorien geprägt. 1961 wurde die Gruppierung in einigen Bundesländern verboten, das Verbot wurde von einem bayerischen Verwaltungsgericht 1977 wegen Formfehlern wieder aufgehoben. Die Gruppierung wird von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Ihr werden rund 250 Mitglieder zugerechnet. In der rechtsextremen Szene gilt sie als weitgehend isoliert. Die Vereinigung weist in Veröffentlichungen den Vorwurf des Rechtsextremismus und Antisemitismus als falsch zurück.
(Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung  "Rechtsextremismus")

Diesen Post teilen

Repost 0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post