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NDR.de NDR-info 3.11.11 -- Walsrode: Morddrohung von Hells Angels?

3. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Brandanschlag in Walsrode - Rache von Rockern?

von Stefan Schölermann, NDR Info

An den Eingangsbereich eines Hauses ist der Text "Eine Kugel reicht" geschmiert, daneben liegen Überreste eines ausgebrannten Müllcontainers. © NDR.de Fotograf: Stefan Schölermann Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Bedrohung.

Unbekannte haben auf das Privathaus eines Anwalts aus Walsrode in der Nacht zu Donnerstag einen Brandanschlag verübt. Thomas Lasthaus hatte sich in der Vergangenheit unter anderem gegen die Aktivitäten von Rockergruppen in der Region engagiert. Am Eingang zu seinem Haus prangte zudem ein aufgemalter Schriftzug. "Eine Kugel reicht" stand da in etwa 15 Zentimeter großen Lettern zu lesen. Daneben schmierten die Unbekannten ein Fadenkreuz - eine offenkundige Drohung.

Anwalt bietet Rockern die Stirn

"Die Vorstellung, dass jemand soviel Hass gegen meine Familie und mich entwickelt, hinterläßt bei mir ein schlimmes Gefühl", sagte Lasthaus. Der 49-Jährige ist in Walsrode eine bekannte Persönlichkeit. Offen engagiert er sich gegen die Aktivitäten von Rockergruppen in der Heidestadt. Seinen prominentesten Auftritt hatte er im November vergangenen Jahres, als er vor vielen Hundert Zuhörern in der Walsroder Stadthalle vor zu viel Nähe zwischen Organisationen aus der Stadt und den Firmen aus dem Dunstkreis der "Hells Angels" warnt. Dieser Abend hatte Walsrode damals bundesweite Aufmerksamkeit beschert.

Zufall oder nicht: Der Anschlag fällt auf den Jahrestag der Veranstaltung, die damals unter dem Titel stand: "Wie gefährlich sind die Rocker für Walsrode?"

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Die Polizei im Heidekreis ermittelt wegen Bedrohung und Sachbeschädigung. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Heidekreis. Dabei sei die Tatsache, dass Lasthaus sich öffentlich gegen die Rockergruppe "Hells Angels" und deren Protagonisten in Walsrode positioniert habe, ein möglicher Ermittlungsansatz - allerdings nur einer von mehreren, so der Polizeisprecher weiter.

Thomas Lasthaus will außerdem Strafanzeige wegen schwerer Brandstiftung stellen. Die Begründung des Strafverteidigers: "Meine Kinder schliefen nur wenige Meter entfernt. Die Flammen hätten über das Buschwerk durchaus auch auf das Haus übergreifen können."

Auch wenn er "noch unter Schock steht" - Anwalt Lasthaus will sich durch den Anschlag nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Er wünscht sich nicht nur Solidarität in Walsrode, sondern "eine Haltung in der Stadt, die deutlich macht, dass solche Vorgänge nicht hingenommen werden können".

Zuvor bereits Anschlag auf Auto eines Grünen-Ratsherren

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Walsroder Bürger, der sich gegen die örtlichen Rocker engagiert, Opfer eines nächtlichen Anschlags wird. Ein ähnliches Erlebnis hatte im Herbst vergangenen Jahres der Grünen-Ratsherr Detlef Gieseke. Er hatte Monate zuvor in Walsrode die Debatte über die "Macht der Rocker" in der Heidestadt ausgelöst und zu der großen Veranstaltung in die Walsroder Stadthalle im vergangenen Jahr eingeladen. Kurz zuvor waren in der Nacht die Scheiben seines Autos eingeschlagen und das in Fahrzeug mit schwarzer Farbe beschmiert worden.

Die Ermittlungen dazu sind mittlerweile eingestellt. Ein Täter wurde nicht ermittelt. Der Walsroder Geschäftsmann und bekennende "Hells Angel", Wolfgang Heer, hatte eine Beteiligung der Rockergruppe an der Tat kategorisch ausgeschlossen: "Damit haben wir überhaupt nichts zu tun", hieß es damals.

Das gelte auch in diesem Fall, sagte Heer am Donnerstag gegenüber NDR Info. Auf Anfrage betonte er: "Von dem Vorfall bin ich völlig überrascht. Wir haben mit dem, was in der Nacht geschehen ist, nichts zu tun."

"In Walsrode kann man das Thema nicht mehr kleinreden"

Grünen-Ratsherr Gieseke sieht deutliche Parallelen zu dem Anschlag auf seinen Wagen. Es sei das zweite Mal, dass in Walsrode ein Mensch getroffen werde, der "die Klappe aufmacht, wenn es um die 'Hells Angels' geht". Er selbst fühle sich aber nicht gefährdet. Für ihn ist eines klar: "In Walsrode kann man das Thema jetzt nicht mehr kleinreden."

Auch Walsrodes Bürgermeisterin Silke Lorenz äußerte sich schockiert und verurteilte den Angriff "mit aller Entschiedenheit". Das Thema Rocker werde generell ernst genommen in Walsrode. Die Geschehnisse der vergangenen Nacht seien aber ein Anlass, noch einmal intensiver nachzudenken, sagte die Bürgermeisterin.

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