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NPD will keine Nazipartei mehr sein und nimmt sich ein Beispiel an der NSDAP

7. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Verfasst von Robert Scholz


NPD paradox: Der stellvertretende Parteivorsitzende der NPD, Karl Richter  legte dieser Tage ein Strategiepapier vor, in dem er empfiehlt, das „Vergangenheitsghetto“ zu verlassen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Als Beispiel nennt er allerdings ausgerechnet die Hitler-Partei NSDAP. 

reloaded
Die Liste der „NPD-Vordenker“, die Abstand von der NS-Nostalgie fordern, ist um einen Namen erweitert worden. Allerdings fällt es bei Karl Richter, Vize-Chef der Bundes-NPD sowie des Landesverbandes Bayern, am schwersten, ihm seine „vier Thesen zu einer künftigen Positionierung der NPD“ wirklich abzunehmen.

Doch der Reihe nach: Ohne darauf explizit einzugehen, nimmt Richter offenbar die derben Wahlniederlagen der NPD im Superwahljahr 2011 zum Anlass, Selbstkritik zu üben. Der entscheidende Fehler der NPD liege vor allem in ihrer Außendarstellung, die allzu häufig an „einem eklatanten Übergewicht zeithistorischer Themen“ leide, so Richter. Daran, dass die NPD als „ewiggestrige Nostalgikerpartei“ wahrgenommen werde, sei man mithin selbst schuld. Einen Grund dafür sieht der NPD-Vize im von ihm als „Trauerhalbjahr“ bezeichneten Zeitraum von August bis zum 8. Mai, in dem sich rund sechs Monate lang mit „Trauer-, Gedenk- und Erinnerungskundgebungen“ beschäftigt werde. Hinzu komme das „optische Übergewicht schwarz-weiß-roter Farbsymbolik“, welches die Vergangenheitsfixierung noch unterstreiche.

Für die NPD aber, die sich Richter zufolge „für den parlamentarischen Weg entschieden“ habe, gelte es, „anderen Gesetzen“ zu folgen. Für die Zukunft empfiehlt der Parteistratege daher, sich als Partei nur noch an einer zentralen Kundgebung zu beteiligen – und zwar in Dresden. Optisch müsse sich „ent-nostalgisiert“ werden und wer dem nicht Folge leistet, muss künftig mit einem Ausschlussverfahren rechnen. So solle in Erwägung gezogen werden, „daß demonstrative Vergangenheitssymbolik aufseiten unserer Funktionsträger und Mitglieder künftig als parteischädigend gewertet wird. Die Partei muß dann auch bereit sein, sich notfalls von unverbesserlichen Symbol- und Gedenkfanatikern zu trennen“.

Gut möglich, dass der Rückzug Thomas Wulffs auch in diesem Zusammenhang steht, schließlich stellte Richter das Strategiepapier in eben jener Sitzung des Parteivorstandes vor, die seinem Rücktritt voranging. Dabei nimmt Richter seine Leitlinien selbst gar nicht so ernst, wie er zum Abschluss seiner Thesen einräumt. Seine „Leitlinien sind eine Verkaufsstrategie, kein Glaubenszwang“. Es gehe ihm um nicht mehr als das selbst erzeugte Bild in der Öffentlichkeit, eine „zeitgemäße Verkaufsstrategie für ein politisches Produkt, das mehr Erfolg und ein optimales ,Marketing‘ verdient hat.“

Alles andere als optimal im Sinne dieser Zielstellung ist allerdings das Beispiel, mit dem Richter seine „Leitlinien“ veranschaulicht wissen will. So erklärt er: „Im Gegensatz zu uns war die NSDAP in Stil, Auftreten und Methoden eine ultramoderne Massenpartei, die es damit konkurrenzlos erfolgreich in die Mitte des Volkes schaffte. Dort müssen wir auch hin!“

Nicht der einzige Stilbruch bei Karl Richter: Er selbst wurde wegen Zeigen des Hitlergrußes bei der Vereidigung als Stadtrat rechtskräftig verurteilt, gilt als Freund und Förderer so manches Neonazi-Aktivisten und nicht zuletzt ist Richter Chefredakteur der NPD-Postille „Deutsche Stimme“, der es an „zeithistorischen Themen“ auch nicht mangelt. Unvergessen dürfte auch sein Auftritt als Komparse in Bernd Eichingers Film „Der Untergang“ sein. Richter spielte den Adjutanten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel. Im rechten Theorieorgan „Nation und Europa“ schrieb er daraufhin stolz vom Reiz des außerhalb des Filmsets Verbotenen, wie etwa dem Zeigen des „Hitler-Grußes“, wie die FAZ schreibt.

So recht überzeugend wirkt Richter bei seinen Leitlinien also nicht. Erste diesbezügliche Erfahrungen musste der Parteistratege auch schon selbst machen: Auf der Sitzung des Parteivorstandes Anfang Mai wurde das Papier nur mit Änderungen übernommen, wie Richter in der Juni-Ausgabe der Parteizeitung selbst berichtet. An welchen Punkten das Papier „kontrovers debattiert“ wurde, was also die Streitpunkte waren, behält er allerdings für sich. Und er wird wissen warum.

 

Quelle: Endstation Rechts 06.06.2011

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