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Oldenburg 1.11.11 -- Begrüßung für NPD-Ratsherrn

6. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

eigenfeld’s hölle

Am letz­ten Dienst­tag gab es nun also die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung des neuen Ol­den­bur­ger Stadt­ra­tes in der We­ser-​Ems-​Hal­le – be­kannt­lich in­klu­si­ve Ein­zugs von Ul­rich Ei­gen­feld als Man­dats­trä­ger der NPD. An­ti­fa­schis­tIn­nen hat­ten des­halb zu Pro­tes­ten vor der Halle auf­ge­ru­fen, was in den Me­di­en zu di­ver­sen pa­ni­schen Mel­dun­gen über zu be­fürch­ten­de Aus­schrei­tun­gen führ­te. Um es schon mal vor­weg zu neh­men: so arg kam es dann doch nicht. Doch das selbst­ge­steck­te Ziel ei­ni­ger An­ti­fa­schis­tIn­nen, »Ul­rich Ei­gen­feld und der NPD die 5 Jahre im Rat zur Hölle zu ma­chen«, konn­te bei die­ser ers­ten Sit­zung ein­drucks­voll in die Tat um­ge­setzt wer­den.

Eine halbe Stun­de vor Be­ginn der Rats­sit­zung hatte sich eine bunte Mi­schung von etwa 250 Men­schen vor der We­ser-​Ems-​Hal­le ver­sam­melt, um klar­zu­ma­chen, dass Fa­schis­tIn­nen nicht mit Igno­ranz, son­dern mit der er­ho­be­nen Faust oder dem ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger zu be­geg­nen ist. Der Haupt­adres­sat des an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­tes ver­such­te al­ler­dings sich die­ser »Be­grü­ßung« zu ent­zie­hen, indem er schon zwei Stun­den vor Sit­zungs­be­ginn in das Ge­bäu­de schlich. Dort ver­harr­te Ul­rich Ei­gen­feld dann stun­den­lang mit stoi­schem Ge­sichts­aus­druck in dem men­schen­lee­ren Ta­gungs­saal – mal ab­ge­se­hen von einem Toi­let­ten­gang sei­ner­seits, wel­cher sich zu einem doch eher nicht er­leich­tern­den Er­leb­nis ent­wi­ckelt haben soll.

Wäh­rend des­sen lausch­ten die Teil­neh­me­rIn­nen der Pro­test­kund­ge­bung – kri­tisch be­äugt von meh­re­ren Hun­dert­schaf­ten der Po­li­zei – gut­ge­launt und bes­tens ver­sorgt meh­re­ren Reden und der Ol­den­bur­ger Ak­ti­on-​Sam­ba-​Band. Um dem brau­nen Rats­herrn di­rekt vor Augen zu füh­ren, dass er in Ol­den­burg kein Bein auf den Boden be­kom­men wird, ent­schloss sich ein Groß­teil der an­we­sen­den An­ti­fa­schis­tIn­nen kurz vor Sit­zungs­be­ginn die Be­su­che­rIn­nen­plätz zu fül­len – was zur Über­ra­schung Vie­ler trotz eines mas­siv an­we­sen­den Ord­nungs­diens­tes ziem­lich un­pro­ble­ma­tisch klapp­te. So waren es dann wohl über 150 Men­schen, wel­che mit Trans­pa­ren­ten, Pfif­fen, Pa­ro­len und etwas Spei­chel jeg­li­che Hand­lung Ei­gen­felds kom­men­tier­ten.

Und auch meh­re­re Rats­mit­glie­der zeig­ten wäh­rend der Sit­zung klare Kante. Die Linke und die Pi­ra­ten­par­tei hiel­ten Pro­test­schil­der hoch und die neue Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Lin­ken be­kun­de­te vom Red­ne­rIn­nen­pult aus ihre So­li­da­ri­tät mit dem an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­test. Auch die bei­den neuen stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­te­rin­nen von Grüne und SPD be­zo­gen Po­si­ti­on und be­grüß­ten aus­drück­lich nur »die Rats­kol­le­gin­nen und –kol­le­gen der wirk­lich de­mo­kra­ti­schen und an­ti­fa­schis­ti­schen Par­tei­en«. Ei­gen­feld selbst ver­such­te die ganze Sze­ne­rie mit einem ma­ni­schen Grin­sen zu über­spie­len – doch seine zit­tern­den Hände spra­chen da eine ganz an­de­re Spra­che.
Nach etwa einer hal­ben Stun­de ent­schlos­sen sich die De­mons­tran­tIn­nen dann, die dröge Sit­zung ge­schlos­sen zu ver­las­sen und statt­des­sen noch eine klei­ne De­mons­tra­ti­on in der Stadt ab­zu­hal­ten. Nach an­fäng­li­chen Ner­verei­en mit der Po­li­zei konn­te sich die Demo dann auch in Be­we­gung setz­ten und en­de­te nach gut einer Stun­de am au­to­no­men Zen­trum Al­ham­bra, wo der Tag in ge­müt­li­cher At­mo­sphä­re aus­klang.

Bleibt nun noch ein klei­nes Fazit zu zie­hen: Auch wenn die Sit­zung an einem Diens­tag statt­fand und viele zu dem Zeit­punkt noch mit der Ma­lo­che be­schäf­tigt waren, ist die ge­rin­ge Zahl an De­mons­tran­tIn­nen doch eher als ent­täu­schend zu be­wer­ten – da ist in einer Stadt wie Ol­den­burg wirk­lich mehr drin. Nichts­des­to­trotz kam es wohl zu den mas­sivs­ten Pro­tes­ten, die es seit lan­ger Zeit in einem Kom­mu­nal­par­la­ment in Deutsch­land gab. Und auch das an­schlie­ßen­de Me­dien­echo – in­klu­si­ve eines dram­ti­schen Bild-​Ar­ti­kels – zeugt vom Er­folg des an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­tes. Üb­ri­gens eben­so wie die Re­ak­tio­nen aus der Na­zi­sze­ne. Wäh­rend sich auf einem der men­schen­ver­ach­tens­ten Na­zi­por­ta­le über das »Ol­den­bur­ger De­mo­kra­tie­ver­ständ­nis« echauf­fier wird und die Grün­de dafür in »einer sitt­lich total ver­kom­me­nen, an­ti­deut­schen Stadt, die ihre Uni­ver­si­tät nach dem kom­mu­nis­ti­schen Volks­ver­rä­ter und De­nun­zi­an­ten Carl von Os­sietz­ky be­nannt hat« er­blickt wer­den, ver­sucht sich die NPD Nie­der­sach­sen schon nach der ers­ten Sit­zung in Durch­hal­te­pa­ro­len: »Ul­rich Ei­gen­feld hatte am 1. No­vem­ber kei­nen leich­ten Stand im Stadt­rat. Nie­mand – weder die Stadt­rats­par­tei­en noch der An­ti­fa-​Mob – soll­ten aber die po­li­ti­sche Stand­haf­tig­keit die­ses Man­nes un­ter­schät­zen, der seit Jahr­zehn­ten als NPD-​Funk­tio­när den Aus­spruch des grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Pla­ton kennt: „Alles Große steht im Sturm“«. Ja, ja, und Sta­lin­grad wird wohl auch ge­hal­ten.

Für die die nächs­te Sit­zung des Stadt­ra­tes im De­zember, wel­che dann wie­der am ge­wohn­ten Ort (PFL) statt­fin­den wird, wur­den be­reits er­neu­te Pro­tes­te an­ge­kün­digt – dies­mal ver­bun­den mit der For­de­rung nach der Ab­schaf­fung des ras­sis­ti­schen Gut­schein­sys­tems für Flücht­lin­ge. Ei­gen­feld muss sich in die­sem Win­ter wohl be­son­ders warm an­zie­hen…

☞ »Neuer Rat tagt mit Po­li­zei­schutz« NWZ, 02.​11.​11
☞ »Po­li­zei muss Ol­den­bur­ger Stadt­rat schüt­zen« NDR, 01.​11.​11
☞ »Brüll-​At­ta­cke gegen Ol­den­bur­ger NPD-​Rat« Bild, 02.​11.​11
☞ »Stadt­rat: NDP-​Ein­zug unter Pro­test« Hun­te­sicht, 02.​11.​11
☞ »Die NPD sorg­te auf der Rats­sit­zung für Un­ru­he« Dia­bo­lo, 02.​11.​11
☞ »Po­li­zei­ein­satz an­läss­lich der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung« Po­li­zei OL, 01.​11.​11

 

Video:

http://bcove.me/d0o4cfyw

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