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Opfer engagiert sich gegen Einfluss der "Hell's Angels"

4. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Opfer engagiert sich gegen Einfluss der "Hell's Angels"

 - 04.11.2011

Drohung gegen Walsroder Anwalt

"Eine Kugel reicht" haben Unbekannte in der Nacht zu gestern auf das Haus eines Walsroder Rechtsanwaltes geschmiert. Über dem Satz prangt ein Fadenkreuz. Der Jurist versteht das als Morddrohung.

Von Stefan Schölermann

Walsrode. Es ist 1.39 Uhr, als Nachbarn an der Haustür des Rechtsanwaltes Thomas Lasthaus Sturm klingeln: Vor seinem Haus steht ein Müllcontainer in Flammen. Lasthaus eilt hinaus. Als sein Blick auf die Hauswand fällt, stockt ihm der Atem. Mit dickem Filzstift haben Unbekannte ein Fadenkreuz gemalt. Daneben steht der Satz: "Eine Kugel reicht." Als Lasthaus am Morgen danach von diesen Ereignissen berichtet, ist ihm die Angst noch immer anzumerken: "Dieser Satz stellt für mich eine Morddrohung dar."

Schon zum zweiten Mal wird ein prominenter Walsroder Opfer eines nächtlichen Anschlags. Im Herbst vergangenen Jahres traf es Grünen-Ratsherr Detlef Gieseke. Unbekannte zerstörten die Scheiben seines Wagens und schütteten schwarze Farbe über das Auto. Das Verfahren wurde eingestellt, der oder die Täter nicht ermittelt.

Lasthaus und Gieseke haben eines gemeinsam: Sie wehren sich öffentlich gegen den Einfluss der Rockerbande "Hell's Angels" auf das gesellschaftliche Leben in der Heidestadt. Gieseke hatte die Debatte darüber in Gang gebracht und vor genau einem Jahr zu einer Diskussionsveranstaltung in die Walsroder Stadthalle eingeladen, in der es um die Macht der Rocker ging. Lasthaus hatte ihm bei dieser Veranstaltung demonstrativ den Rücken gestärkt. Dass ausgerechnet am Jahrestag dieser Veranstaltung erneut ein Anschlag verübt wurde, macht die Zusammenhänge aus Sicht Giesekes offensichtlich: "Es gibt offenkundige Parallelen. Es ist der Jahrestag unserer Veranstaltung. Das ist ein deutliches Zeichen der anderen Seite."

Auch die Polizei weist diese Zusammenhänge nicht von der Hand. Es werde zwar in alle Richtungen wegen Bedrohung und Sachbeschädigung ermittelt, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Heidekreis, Peter Hoppe. Doch auch für ihn sei es ein möglicher Ermittlungsansatz, dass "Thomas Lasthaus sich bei einer Veranstaltung ziemlich deutlich gegen einen stadtbekannten Herrn geäußert hat". Mit dem "stadtbekannten Herrn" ist offenkundig der Bordellbesitzer, Geschäftsmann und bekennende "Hell's Angel" Wolfgang Heer gemeint. Der wies, wie schon nach dem Anschlag auf Giesekes Auto, jede Möglichkeit einer Beteiligung von "Hell's Angels" an solchen nächtlichen Attacken zurück. "Das ist vollkommen ausgeschlossen", sagte Heer auf Nachfrage.

Schockiert von der Attacke auf den Rechtsanwalt zeigte sich Walsrodes Bürgermeisterin Silke Lorenz: "Ich habe mit großem Schrecken von dem nächtlichen Angriff auf das Eigentum des Walsroder Rechtsanwalts erfahren und verurteile ihn mit Entschiedenheit."

Diskussion um Macht der Rocker

Seit mehr als einem Jahr wird in der Heidestadt über den Einfluss von Firmen des Walsroder Rockers auf das gesellschaftliche Leben der Stadt lebhaft diskutiert. Der Anschlag auf den Rechtsanwalt dürfte diese Diskussion erneut entfachen. Die Bürgermeisterin: "Sicherlich ist das ein weiterer Anlass, dass wir uns noch einmal intensiv mit der Thematik auseinandersetzen." Dies habe man allerdings auch schon in der Vergangenheit getan - auch wenn nicht alle Diskussionen auf öffentlicher Bühne erfolgt seien, sagt Lorenz.

Grünen-Ratsherr Gieseke will beobachtet haben, dass die Polizei bei ihren Ermittlungen dieses Mal intensiver vorgehe als in seinem Fall: "Jetzt waren auch Spezialisten für Spurensuche vor Ort. Das war bei mir noch nicht der Fall."

Rechtsanwalt Lasthaus hofft, mit einer Strafanzeige dafür zu sorgen, dass die Polizei nicht nur wegen Sachbeschädigung und Bedrohung ermittelt, sondern auch wegen versuchter schwerer Brandstiftung. "Meine Kinder schliefen nur wenige Meter entfernt. Die Flammen hätten vom Müllcontainer auf das Haus übergreifen können." Einschüchtern lassen will er sich aber nicht: "Die Angst ist da, die Sorge um andere natürlich auch. Doch so etwas führt nicht dazu, dass ich aufhöre, meine Meinung zu äußern."

Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo.

Quelle: Weser Kurier 04.11.2011

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