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Projekt Regionalgeschichte: Der Soldatenfriedhof in Essel

30. März 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Soldatenfriedhof Essel

PRE1.JPG

Projekt Regionalgeschichte: Der Soldatenfriedhof in Essel
Im 2. Halbjahr des 13.
Jahrgangs beschäftigten sich
die Schülerinnen/Schüler des
Fachgymnasiums Technik im
Kurs Geschichte (Herr
Krohne) mit der Thematik des
2. Weltkriegs.

Besonderer
Schwerpunkt waren die
Ereignisse in der Region der
Lüneburger Heide zum
unmittelbaren Kriegsende vor
dem 08.Mai 1945. In diesem
Zusammenhang wurde der
Esseler Soldatenfriedhof besucht. Hier
sind überwiegend sehr junge
Marinesoldaten beerdigt, die noch ganz
kurz vor der bedingungslosen
Kapitulation Hitler-Deutschlands den
Tod finden mussten.


Dieser Friedhof, kurz vor der Allerbrücke
Richtung Schwarmstedt, wird von
Neonazis, die den sinnlosen
„Endkampf“ am Schluss des Krieges
heroisieren, als Pilgerstätte genutzt.
Das wird der Würde des Ortes nicht
gerecht. Besonders
problematisch
findet der Kurs
den
Informationstext
im
Eingangsbereich
des Friedhofs.
Hier wird nicht
wirklich über die
Ereignisse kurz
vor Kriegsende
informiert.


Vielmehr entsteht
der Eindruck, diese „Kampfhandlungen“ seien noch irgendwie sinnvoll gewesen.
In unseren Briefen an den Herrn Landrat des Landkreises Soltau-Fallingbostel bitten wir
um einen neuen historisch angemessenen Informationstext! Unsere Briefe sind im Anhang
zu finden. Der jetzige vollständige Text der Informationstafel des Esseler Friedhofs ist im
Internet z.B. unter den Suchbegriffen „Essel“ „Soldatenfriedhof“ nachlesbar.


März 2010
Der Kurs Geschichte des FG
Technik der BBS Walsrode

 

PRE2.JPG


Anhang: Die Briefe der Schüler


Sehr geehrter Herr Ostermann,
im Verlauf unseres Geschichtsunterricht am Fachgymnasium Walsrode mit Herrn Krohne haben wir
gemeinsam den Soldatenfriedhof in Essel besucht und uns im Detail mit ihm auseinander gesetzt.
Dabei lag unser besonderes Augenmerk auf der sich dort befindlichen Informationstafel. Mit diesem
Schreiben möchte ich Sie auf die Inhalte dieser Tafel hinweisen, was diese für Folgen haben und
wie diese geändert werden sollten.
Nachdem wir uns sehr detailliert mit dem geschichtlichen Hintergrund dieses Friedhofes im
Unterricht befasst hatten, mussten wir entsetzt feststellen, dass die Informationen, die auf der Tafel
zu lesen sind, in keinster Weise das wiedergeben, was historisch tatsächlich geschehen ist. Im
Gegenteil verherrlichen diese Fehlinformationen sogar die damaligen Geschehnisse und fördern es
damit, dass der Friedhof als Sammelpunkt für Treffen Rechtsradikaler genutzt wird.
Der Text beschreibt die Kampfhandlungen um die Aller-Brücke bei Essel. Es wird beschrieben, dass
„ unsere jungen Soldaten {…} den Kampf {verloren}, es fehlte ihnen aber nicht an Tapferkeit.“.
Jung waren diese Soldaten tatsächlich. Das Durchschnittsalter der Gefallenen beträgt gerade einmal
17 Jahre. Nur einige wenige hatten bereits das 30. Lebensjahr erreicht. Zudem waren diese auch nur
notdürftig ausgebildet und ausgerüstet.
Zudem wird in dem Text beschrieben, dass die Kampfhandlungen zum „operativen Wandel“ gegen
den Vormarsch der Briten führen sollten. Wenn man sich allerdings die Karte im dtv-Atlas
Weltgeschichte Band 2 (S.492) ansieht, dann muss man feststellen, dass zu dem Zeitpunkt der
Kampfhandlungen bereits ca. 80% des Deutschen Reiches von den Alliierten eingenommen waren
und somit ein Gegenangriff mit schlecht ausgerüsteten „Kindersoldaten“ nicht nur reiner
Selbstmord war, sondern auch keine Änderungen am Kriegsverlauf gebracht hätte. Zudem wurden
die „Soldaten“ gerade einmal ca. 2 Wochen vor Kriegsende in den Kampf geschickt. Somit war es
abzusehen, dass kein Sieg möglich gewesen wäre. Er hätte auch nur dazu geführt, dass die
Allerbrücke, zumindest für kurze Zeit, die einzige von Deutschen besetzte Stellung innerhalb des
Deutschen Reiches, gewesen wäre. Dies war der militärischen Führung bewusst, dennoch gaben sie
den Befehl zum Angriff gegen die Briten. Dies geht aus dem Informationstext nicht hervor, es wird
sogar suggeriert, dass ein Sieg den Kriegsverlauf noch hätte beeinflussen können.
Da dort anstelle von historischen Fakten vermehrt Schlüsselwörter der nationalsozialistischen
Propaganda, wie „Mut“, „Ehre“ und „Tapferkeit“, verwendet werden, stützen sich heutige
Nationalsozialisten auf diesen Ausdrücken um für ihre Interessen zu werben und den
Soldatenfriedhof immer wieder für Versammlungen zu missbrauchen.
Auch für Außenstehende, die sich nicht wie wir detailliert mit dem Thema befasst haben, ist der
Text nicht Informativ. Diese würden nach dem Lesen des Textes glauben, dass dort ehrenhaft und
tapfer gefallene Soldaten liegen. Dass dort ein sinnloser Kindermord dahinter steckt, geht nicht
hervor.
Darum möchten wir Sie bitten, dass dieser Text auf historische Korrektheit und auf einen
angemessenen Wortlaut ohne patriotische Verherrlichungen hin zu korrigieren. Dies würde nicht nur
dem Friedhof eine angemessene Informationstafel bringen, sondern würde vielleicht auch
verhindern, dass sich Nationalsozialistische Gruppen dort versammeln. Zudem würde der Friedhof
auch nach außen hin seinen eigentlichen Zweck, dem Gedenken an den 2. Weltkrieg und dessen
Aufklärung, viel näher kommen, als er es jetzt tut.
Mit freundlichen Grüßen
Timo Henkel
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Sehr geehrter Herr Ostermann,
durch den Besuch des Esseler Soldatenfriedhofs vorigen Jahres habe ich mich, vor allem aber auch
die gesamte Klasse 13.3 des Fachgymnasiums, näher mit dem Thema Zweiter Weltkrieg befasst
und auseinandergesetzt. Da wir einen sehr engagierten Geschichtslehrer haben, konnten wir uns auf
den Besuch des Soldatenfriedhofs durch verschiedene Aktivitäten vorbereiten und hatten somit
einige Leitfragen zur Aufarbeitung des Geschehenen ausgearbeitet. Im Mittelpunkt standen vor
allem die äußere Wirkung der Gedenkstätte und der textliche Inhalt der Gedenktafel. Da ich
persönlich noch nie vorher diesen speziellen Friedhof betreten hatte, war ich auf den ersten Blick
vor allem begeistert von der schönen und besonders auch ruhigen Umgebung und dem gut
gepflegten Ambiente. Mit viel Liebe waren Blumen und Pflanzen drapiert und Kränze aufgestellt
worden, auf Bänken konnte man zur Ruhe kommen um nachzudenken oder gegebenenfalls zu
trauern.
Um nähere Informationen über die Gedenkstätte zu erhalten, beschloss ich die Gedenktafel mit den
Umständen des Endes des Zweiten Weltkriegs zu lesen und war danach nicht nur enttäuscht und
verunsichert, sondern auch entsetzt. Mir wurde endlich klar warum dieser schöne und besinnliche
Ort regelmäßig als Pilgerstätte für norddeutsche Neonazivereinigungen missbraucht wird.
Der Text, nichts anderes als ein kalter und zurückhaltender Militärbericht, davor eine Liste mit den
Namen derer, die in grauenhaftester Weise im April 1945 von einem größenwahnsinnigen Führer in
den Tod geschickten wurden. Überhaupt nicht wird auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass die
sogenannten heldenhaften Soldaten größtenteils noch Kinder und Jugendliche von 17 Jahren waren
und als Ausrüstung oft nur Handfeuerwaffen oder Schaufeln zur Verfügung hatten.
Eine Darstellung, die an einen Heldenepos aus Homers Zeiten erinnert, verschleiert die wahre
Kriegssituation zu der Zeit der Verteidigung der Allerbrücke. Deutschland war bis auf einen
winzigen Teil der lediglich Schleswig Holstein einschloss, komplett von den Alliierten überrannt
und eingenommen worden. Nur der klägliche Rest der übriggebliebenen Soldaten, die oft keine
Kampferfahrung oder Kampfausbildung hatten, sogar aus aufgelösten Marine Korps bestanden,
wurde vor der Allerbrücke zusammengezogen und in einen schier aussichtslosen Endkampf
geschickt, der schon verloren war bevor er begonnen hatte.
Die als Helden noch heute gefeierten Soldaten hatten oft keine andere Wahl, ein Zurück gab es
nicht mehr. Junge Menschen, die in Todesangst gestorben sind ohne jemals eine Chance gehabt zu
haben werden mit der Lüge „unsere jungen heldenhaften Soldaten“ beschrieben und dienen heute
als unfreiwillige Bestätigung für die Ansichten der örtlichen Neonazis.
Zusammengefasst auf einer städtischen Gedenktafel, werfen diese Inhalte Schatten auf den sonst so
liebevoll geführten Soldatenfriedhof von Essel. Ein Missstand der schon wegen den Angehörigen
behoben werden muss und auch sollte. Kein Ort und schon gar keine Gedenkstätte hat es verdient
als Pilgerstätte für Menschen zu dienen, welche die Geschehnisse als heldenhaft und nötig
beschreiben und die unverschämte Behauptung aufstellen das es den Holocaust nie gegeben hat.
Der Esseler Soldatenfriedhof soll wieder zu einem Ort der Besinnung und Aufarbeitung und zu
einer Dokumentation über die Abscheulichkeiten und die Aussichtslosigkeit des Zweiten
Weltkriegs werden. Ein stummes Zeugnis und Mahnmal für eine Zeit, die sich nicht wiederholen
darf. Ein Ort der auch den nachfolgenden Generationen etwas bedeutet.
Marina Kiel
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Sehr geehrter Herr Ostermann,
im Verlauf unseres Geschichtskurses am Fachgymnasium Technik/Informationstechnik Walsrode
haben wir, die Schüler des Kurse 13.3, den Soldatenfriedhof in Essel besucht.
Dort haben wir uns intensiv mit der Wirkung der Gedenktafel und dem Text beschäftigt, der die
Geschehnisse in Essel und Umgebung beschreibt.
Nach mehreren gruppendynamischen Gesprächen innerhalb unserer Klasse und unter Betrachtung
historischer Fakten scheint es für uns notwendig diesen Text zu ändern.
Die Gedenktafel beschreibt die Kämpfe im Allerübergangsraum und stellt diese detailliert in einem
militärischen Bericht dar. Jedoch werden wichtige Fakten nicht genannt oder nicht hervorgehoben,
welches die eigentliche Situation nur schleierhaft darstellt.
Berücksichtigt man die Geburts- und Todesdaten, so wird einem schnell deutlich, dass dort keine
Streitkräfte, sondern fast noch Kinder für die Verteidigung der Brücke an der Aller kämpften. Lässt
man einige ältere Tote vom Reichsarbeitsdienst (RAD) oder dem sogenannten Volkssturm außer
Betracht, dann fällt auf, dass sehr viele Tote vor dem 18. Lebensjahr ums Leben kamen.
Dies geschah am 15. April 1945, also nur ca. 3 Wochen vor der offiziellen Kapitulation der
Wehrmacht!
Zu dieser Zeit hatten die Alliierten Streitkräfte ca. 70% des Deutschen Reiches und vor allem die
Umgebung rund um der Lüneburger Heide eingenommen (dtv-Atlas Weltgeschichte 2, S. 492,
Karte: „Das Ende des „Großdeutschen Reichs“ April/Mai 1945).
Somit war das „Ringen“ (laut Gedenktafel) um die Aller ein Einsatz der mehr Opfer als den
eigentlichen Sinn der Operation für das Deutsche Reich förderte.
Denn selbst eine erfolgreiche Verteidigung der Brücke hätte die Folge, dass der einzige unter
Deutschen Truppen „kontrollierte“ Bereich, die Allerbrücke gewesen wäre...
Diese Kontrolle wäre in Besitz von durchschnittlich 17-Jährigen „Soldaten“ (mit Einbezug der
Senioren: 23-Jährigen) und ausrangierten „Kräften“ der von schon besetzten Stützpunkten der
Kriegsmarine gewesen. Diese, als „Aushilfe“ beschriebenen Kräfte, die als Unterstützung dienen
sollten, waren teilweise mit jämmerlichen Handfeuerwaffen und Schaufeln bewaffnet.
Fasst man nun die historischen Fakten zusammen, so wird einem deutlich, dass es sich hier eher um
einen Mord an deutschen Jugendlichen handelt.
Am Ende der Gedenktafel äußert sich Herr Pastor Bard wie folgt:
„Im Leben waren sie Eure Gäste, nun sind sie es für dauernd geblieben. Pflegen Sie die
Gastfreundschaft gegenüber den Toten auch weiterhin, indem Sie diesen Gräbern stets mit
derselben Freundschaft und Liebe ihre Pflege angedeihen lassen, mit der Sie den damals Lebenden
begegneten.“
Doch aufgrund von vorherigen Äußerungen wie :
„Unsere jungen Soldaten verloren den Kampf, es fehlte ihnen aber nicht an Tapferkeit.“
wird die Freundschaft von Kameradschaft, die Liebe von Verehrung und die Pflege von der
Nutzung des Friedhofes als Pilgerstätte von heutigen nationalsozialistischen Gruppierungen ersetzt.
Ein jeder Staat hat die Verpflichtung seine Geschichte zu verarbeiten.
Diese Aufgabe wird der Politik aufgetragen, da diese die Mittel zur öffentlichen Verarbeitung
solcher Geschehnisse besitzt und somit die Möglichkeit hat, zukünftig einen Einsatz von Kindern in
vor allem unsinnigen Kriegsgeschehnissen zu verhindern.
Der Fakt, dass der Esseler Soldatenfriedhof von Neonazis genutzt werden kann, da Schlüsselwörter
der nationalsozialistischen Ideologie wie Mut, Ehre und Tapferkeit über unsere Vergangenheit
berichten, zeigt uns, dass der Kampf und die Verarbeitung Deutschlands Vergangenheit noch lange
nicht gewonnen ist.
Das Gift, die Krankheit, der Virus Nationalsozialismus ist immer noch in den Köpfen einiger
Bürger und der Ersteindruck der Gedenktafel fördert eine solche Entwicklung der Jugend.
Zudem verschweigt er somit eine weitere Gräueltat des Nazi-Regimes am Deutschen Volk, nämlich
das sinnlose Opfern junger „Soldaten“.
Um unsere Vergangenheit, aus der wir eigentlich alle und auch zukünftig unsere Kinder lernen
sollten, abschließen zu können, ist es notwendig, dass die Fakten in vollem Umfang aufgezeigt
werden.
Nun bitten wir Sie, als verantwortlicher Politiker, dafür Sorge zu tragen, dass der Informationstext
angemessen geändert wird, um somit den Friedhof in vollem Einklang seiner Wirkung darstellen
zu können und außerdem den Nationalsozialisten die Möglichkeit der Verehrung der ermordeten
Jugendlichen zu nehmen.
Hierbei soll natürlich das Gedenken der Toten erhalten bleiben.
Mit freundlichen Grüßen,
André Sonnwald
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Sehr geehrter Herr Ostermann,
im Folgenden möchte ich mein Anliegen, bezüglich der Änderung des Inhalts der Gedenktafel des
Esseler Soldatenfriedhofs, äußern. Eine Änderung erscheint mir durch mehrere Gründe für
angebracht.
Die Informationen beschreiben die letzten kriegerischen Handlungen zwischen deutschen und
britischen Soldaten im Raum des Aller-Übergangs. Dabei wurden diese letzten Ereignisse als sehr
wohlklingend und heldenhaft, in militärischer Sprache formuliert, was einen verschleiernden Effekt
bewirkt. („Unsere jungen Soldaten verloren den Kampf, es fehlte ihnen aber nicht an Tapferkeit“).
Im Rahmen eines Besuchs der Gedenkstätte, stellte ich fest, dass „unsere jungen Soldaten“ im
wahrsten Sinne noch sehr jung waren. Ihr durchschnittliches Alter beläuft sich auf 17 Jahre - nur
wenige Ausnahmen vollendeten das 30. oder gar 40. Lebensjahr. Folglich fehlte es ihnen an
militärischer Erfahrung zum einen, zum anderen waren sie auf dem Papier noch Kinder. Trotzdem
erhielten sie Anweisungen, die Allerbrücke zu verteidigen. Wenn man weiter forscht, stößt man auf
die Tatsache, dass es sich um Marinesoldaten handelte. Ihnen fehlte also zusätzlich die Ausbildung
für den Krieg zu Lande. Auch ihre mangelnde Ausrüstung und Bewaffnung lassen an dem
Widerstandsbefehl zweifeln.
Des Weiteren zeigt das geographische Material des dtv-Atlas Weltgeschichte (S.492), die
Sinnlosigkeit dieses Unterfangens. Dort lässt sich der Vormarsch der westlichen Alliierten, sowie
der Sowjetunion nachvollziehen. Im April 1945 standen sich Ost -und Westfront auf der
Deutschlandkarte nahezu gegenüber. Die Ereignisse in Essel fanden in selbigem Zeitraum statt. Nur
wenige Wochen später stand das Ende des Deutschen Reiches fest - Deutschland kapitulierte am 8.
Mai 1945. Selbst ein erfolgreiches Halten der Allerbrücke hätte keinen Einfluss auf den
Kriegsverlauf, geschweige denn eine spürbare Verzögerung bewirkt.
„Das Ringen um die Aller“ erwies sich also von Beginn an als aussichtslos.
Ferner wird der Soldatenfriedhof in Essel jährlich, am Volkstrauertag, von Nazigruppierungen
aufgesucht, um den Gefallenen zu gedenken. Eine Änderung des Textes könnte diesen
Gruppierungen den Friedhof als Gedenkplattform unattraktiv gestalten, indem Tatsachen und
Wahrheiten über die vergangenen Verbrechen aufgezeigt werden. Vielleicht würde es den einen
oder anderen positiv zum Nachdenken anregen.
Daher möchten ich im Namen der Klasse 13.3 des Fachgymnasiums Technik in Walsrode bitten,
dass die Gedenktafel des Esseler Soldatenfriedhofs überarbeitet wird. Er soll nicht nur eine
nazifreie Gedenkstätte, sondern auch ein Ort der Aufklärung werden. Er soll anhand von Tatsachen
auf eine Vergangenheit aufmerksam machen, welche sich nie wiederholen darf.
Mit freundlichem Gruß,
Jan Zippel
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Sehr geehrter Herr Ostermann,
im Verlauf unseres Geschichtskurses von Herrn Krohne haben wir den Soldatenfriedhof von Essel
besucht. Während unseres Besuches haben wir uns im Besonderen mit der Gedenktafel des
Soldatenfriedhofes auseinandergesetzt und ihre heutige Wirkung, vor allem auf Jugendliche
analysiert. Mit Bedenken haben wir zur Kenntnis genommen, dass der Gedenktext die Sinnlosigkeit
dieses Einsatzes nicht darstellt und den Tod der Soldaten verherrlicht. Außerdem haben wir
während unserer Arbeit in Erfahrung gebracht, dass der Soldatenfriedhof und im Besonderen der
Gedenktext von Rechtsextremen für deren Überzeugungen missbraucht wird.
Der Gedenktext beschäftigt sich mit den letzten Kriegstagen im Raum des Allerübergangs. Bei
dieser Darstellung werden jedoch einige geschichtliche Fakten nur mangelhaft wieder gegeben.
Außerdem kommen einige Information über die darin verwickelten Einheiten im Text nicht klar
genug heraus.
In diesen Kampfhandlungen waren nur noch einige wenige Einheiten, darunter eine dorthin
versetzte Marineinfanterie-Einheit, verwickelt. Der Großteil des Deutschen Reiches war zu diesem
Zeitpunkt bereits eingenommen, unter anderem war auch der Großteil der Marine-Stützpunkte
zerstört. Nur aufgrund dieser Tatsache wurde diese Einheit hier eingesetzt. Außerdem werden in
dem Text die RAD-Einheiten als ausgebildete, militärische Einheiten dargestellt, was aber
historisch gesehen keineswegs der Wahrheit entsprach.
Der Satz „Unsere jungen Soldaten [...]“ entspricht zwar der Wahrheit, jedoch fehlt der Hinweis,
dass zu diesem Zeitpunkt nur noch einige Ältere sowie größtenteils 17 jährige Kinder im Einsatz an
der Allerbrücke waren. Die mangelhafte Versorgungs- und Ausbildungslage dieser eingesetzten
Einheiten wird zwar angesprochen, jedoch fehlt der Hinweis, dass unter diesen Voraussetzungen ihr
Einsatz einem Kriegsverbrechen gleich kam, da sie nichts mehr hätten ausrichten, oder den Verlauf
der Ereignisse hätten verhindern können.
Im gesamten Gedenktext wird darüber hinaus nicht einmal darauf hingewiesen, dass der Krieg im
Raum Niedersachsen bereits so gut wie beendet war. Der Einsatz dieser letzten „Soldaten“ hätte
auch bei „erfolgreichem“ Einsatz keinen Einfluss auf die sich zu diesem Zeitpunkt bereits
abzeichnende deutsche Niederlage gehabt. Wie Sie anhand der Karte des DTV-Atlas auf Seite 492
entnehmen können, war fast das gesamte Deutsche Reich im April/Mai 1945 bereits von den
Alliierten-Truppen eingenommen.
Im Besonderen im Kontext mit heutigen Jugendlichen kommt dem Text der Gedenktafel eine
besondere Stellung zu. Jugendliche, welche diesen Text in der jetzigen Fassung sehen und lesen,
erkennen darin nur den heldenhaften Tod von Kinder-Soldaten, welche „stolz“ ihr Leben für das
Deutsche Reich gaben. Jedoch erkennen sie nicht die Tatsache, dass dieser Kampf ein Verbrechen
gegenüber diesen Kinder-Soldaten darstellt und dass diese sich sinnlos für ein besiegtes Reich töten
ließen.
Daher bitten wir Sie sich den Text der Gedenktafel des Soldatenfriedhofes Essel gründlich
überarbeiten oder von einem Folgekurs Geschichte (wir sind jetzt im Abitur) des Fachgymnasiums
der BBS Walsrode umarbeiten zu lassen . Wir erhoffen uns davon unter anderem die Wirkung,
welche sich die Rechtsextremen zu Nutze machen, zu schmälern.
Mit freundlichen Grüßen.
Johannes Busch
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Sehr geehrter Herr Ostermann,
wir haben im vergangenen Jahr einen Schulausflug auf den Esseler Soldatenfriedhof gemacht und
lange Diskussionen über die dort aufgestellte Gedenktafel geführt. Unser Hauptaugenmerk lag
überwiegend darin den Sinn des Kampfes zu verstehen und nachzuvollziehen wie diese Soldaten
sich während dieser Zeit gefühlt haben. Wir haben uns die Gedenktafel mehrfach durchgelesen und
festgestellt, dass es dort einige Unstimmigkeiten gibt, auf die wir im folgenden eingehen werden.
Nach unseren Recherchen lag das Durchschnittsalter der Soldaten bei 17 Jahren, darin sind nicht die
erfahrenen Führungskräfte eingerechnet. Das Gesamtalter beläuft sich dann auf 23 Jahre. Die
Soldaten haben tapfer für ihr Land gekämpft, bis zum bitteren Ende. Doch wann genau war das
Ende?
Um diese Frage zu beantworten sollte man sich zunächst den Hintergrund des Geschehens vor
Augen führen. Nach den Inhalten der Gedenktafel zu urteilen fielen die britischen Kräfte Anfang
April 1945 in das Norddeutsche Tiefland ein, woraufhin sich eine provisorische Abwehr gebildet
hatte und versuchte den Alliierte etwas entgegenzusetzen. Diese Aktion wird als Heldenepos
dargestellt, um einen operativen Wandel zu erreichen. Dies konnte nicht gelingen, da die Briten das
gesamte Gebiet umzingelt hatten.
Deutschland wurde zu dieser Zeit im Norden von den Briten, im Süden von den Amerikanern und
im Osten von den Sowjets eingenommen. Die Hoffnung das eigene Land wieder zurück zu
gewinnen war schon zu dieser Zeit vergeblich, da etwa 80% des Deutschen Gebiets bereits
eingenommen wurde. Angespornt vom Führer weiter zu kämpfen war letzten Endes der Grund
dafür die „Armee Student“ zu bilden, um genannt zu Blumentritt. Ausrüstet mit Handwaffen und
geringfügigen Vorkenntnissen kämpften sich die „Soldaten“ vor. Den Führungskräften war zu
diesem Zeitpunkt klar, dass Sie ihre „Jungen Soldaten“ in den Tod schicken würden. Diese
Handlung sollte ihnen ihr eigenes Leben retten, indem sie die Soldaten vor schicken und nicht für
ihre Taten und Niederlagen gerade stehen müssen. Und das alles nur 14 Tage vor der Kapitulation
Deutschlands, die einsehen mussten dass es zu ende war.
Trotz dessen wird in der Gedenktafel der abschließende Satz aufgeführt, dass „unsere jungen
Soldaten den Kampf verloren haben, es ihnen aber nicht an Tapferkeit fehlte“. Es klingt, als ob sie
die volle Unterstützung von ihrem Land hatten, dabei waren sie ganz alleine auf sich gestellt in
einer aussichtslosen Lage.
Das ist einer der Gründe das diese Gedenktafel missverstanden werden kann, und nicht den
tatsächlichen Ablauf wiedergibt. Das machen sich Neo-Nazis zum Vorteil und nutzen den Friedhof
als Pilgerstätte. Da sich diese Tafel dazu nutzen lässt neue Mitglieder zu gewinnen und die
Mitläufer in ihrem Tun zu bestärken. Das trübt den eigentlich so friedlichen und ruhigen Ort, an
dem die Opfer zur Ruhe kommen sollen, denen das Leben genommen wurde.
Ein Ort aber auch für Trauernde, Angehörige, Schüler und Zeitzeugen, aber auf gar keinen Fall ein
Versammlungsort für diejenigen, die die Schandtaten des zweiten Weltkrieges verleugnen und
herunterspielen, die den Holocaust von sich weisen und Kanonenfutter als Helden verehren.
Edina Omerovic

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