Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Quelle: Schwarmstedter Echo - online - 17.6.10

17. Juni 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bahn-Nahverkehr

Eickeloher fordern Bedarfshalt

von Redaktion ECHO | am 17.06.2010 | 94 mal gelesen | 1 Bild
 
Dieser Haltepunkt der Heidebahn in Eickeloh soll schon Ende Juli 2010 geschlossen werden. Dagegen wehren sich die Einwohner und fordern stattdessen einen Bedarfshalt. Foto: J. Rühmkorf
Dieser Haltepunkt der Heidebahn in Eickeloh soll schon Ende Juli 2010 geschlossen werden. Dagegen wehren sich die Einwohner und fordern stattdessen einen Bedarfshalt. Foto: J. Rühmkorf

Demonstration in Hannover am 23. Juni gegen Schließung

Eickeloh. In Sachen Heidebahn geben die Eickeloher Bürger nicht auf. Im Gegenteil, sie gehen auf die Straße. Für den Erhalt ihres Haltepunktes werden sie am Mittwoch kommender Woche in Hannover demonstrieren. In Begleitung des Spielmannszuges Eickeloh ziehen sie vom Hauptbahnhof zum Wirtschaftsministerium und werden Minister Jörg Bode eine Unterschriftenliste gegen die geplante Schließung überreichen. Eine alternative und zugleich wesentlich kostengünstigere Lösung haben die Eickeloher dabei auch parat. Das Stichwort heißt Bedarfshalt und wird beispielsweise in Karlsruhe mit Erfolg eingesetzt. Auch wenn schon in wenigen Tagen, am 28. Juni, mit den Bauarbeiten am Streckenabschnitt Hademstorf begonnen wird, wehren sich die Bürger des kleinen Heidedorfes immer noch gegen die Pläne der Deutschen Bahn und des Landkreises Soltau-Fallingbostel.

Die Haltepunkte in Hademstorf und Eickeloh sollen am 28. Juli 2010 nach Beendigung der Bauarbeiten an diesem Streckenabschnitt geschlossen werden. Damit spart die Heidebahn drei Minuten Fahrzeit von Hodenhagen nach Hannover ein. Für Eickelohs Gemeinderat und für Bürgermeisterin Julia Rühmkorf ist es nicht nachvollziehbar, wenn Bahnreisende aus Walsrode drei Minuten schneller in Hannover sind, dafür aber knapp 2000 Bürger aus Eickeloh und Hademstorf abgekoppelt werden. „Die Heidebahn fährt schneller, aber es kann keiner mehr einsteigen“, so beschreibt die Bürgermeisterin bewusst überspitzt die Politik von Landkreis und Kommunen. Aber es gibt auch finanzielle Argumente: „Ab dem 28. Juli soll der Landkreis Soltau-Fallingbostel für den Busersatzverkehr sorgen und diesen auch bezahlen. Nach einer Kalkulation unsererseits werden die Kosten für diesen zu errichtenden Busverkehr aber deutlich teurer sein als die jetzige Bedienung durch die Bundesbahn“, so Rühmkorf. „Bedarfshaltestellen in Hademstorf und Eickeloh würden unseren Bürgern die geforderte Anbindung ermöglichen und gleichzeitig dem Landkreis eine finanzielle Belastung abnehmen.“ Obwohl die Deutsche Bahn diesem Ansinnen positiv gegenüber steht, lehnten der Landkreis und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) den Vorschlag bisher kategorisch ab. In einem Schreiben wandte sich der Eickeloher Gemeinderat daraufhin an Ministerpräsident Christian Wulff und bat ihn um Hilfe. Um Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu gewinnen, werden die Bürger am kommenden Mittwoch, 23. Juni, mit dem Zug von Eickeloh nach Hannover fahren und dort für ihr Anliegen demonstrieren. Vom Hauptbahnhof geht es unter Begleitung des Spielmannszuges Eickeloh zum Wirtschaftsministerium, um dort Minister Jörg Bode ihre Unterschriftenlisten zu überreichen.

 

Knapp 2000 Menschen leben in den Gemeinden Eickeloh und Hademstorf, zahlen Steuern, arbeiten in großer Zahl in Hannover und sind von dieser Entscheidung massiv betroffen. Schüler, die die weiterführenden Schulen besuchen, erreichen diese mit der Bahn und ältere Mitbürger ohne Auto nutzen den Zug, um zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Viele Verwandte und Freunde besuchen ihre Angehörigen in Eickeloh und Hademstorf mit der Bahn. Trotz dieser regen Nutzung fahren aus beiden Orten nur – im Verhältnis zum Hauptbahnhof Hannover – wenig Bahnreisende pro Tag. Im Süden Deutschlands wird das menschliche Potential dieser kleinen Orte erkannt. Sie werden durch das Nahverkehrssystem völlig pragmatisch über sogenannte Bedarfshalte angeschlossen. Diese Bedarfshalte sind signaltechnisch geregelt und werden durch einen Schalter am Bahnsteig betätigt (z.B. Karlsruhe, Murgtalbahn). Damit ist sichergestellt, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Wohnorte vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten werden, sondern mit einem minimalen Kostenaufwand partizipieren können. „Im Flächenland Niedersachsen wird es einige Ortschaften geben, denen mit der Einführung von Bedarfshalten „geholfen“ wäre“, ist sich Rühmkorf sicher. „Die heutige „Leuchtturmpolitik“ berücksichtigt die berechtigten Interessen von kleinen Orten nicht, vielmehr werden die Lebensgrundlagen für die Zukunft entzogen. Der Bau des Eisenbahnnetzes Ende des 19. Jahrhunderts war Grundlage für die rasante Industrialisierung und Entwicklung in Deutschland. Heute wie damals ist es wichtig dazuzugehören.“

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post