Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

RACHEAKT VON ROCKERN? Brandanschlag auf Anwalt in Walsrode

3. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

RACHEAKT VON ROCKERN?

Brandanschlag auf Anwalt in Walsrode

Ein Brandanschlag auf das Haus eines Rechtsanwalts hat in Walsrode die Diskussion um Rockergruppen in der Region neu entfacht. Die Heidestadt ist alarmiert.
Eine Mülltonne vor dem Haus des Rechtsanwalts ist abgebrannt. An der Wand des Hauses steht ein Spruch, der nur als Bedrohung verstanden werden kann.

Eine Mülltonne vor dem Haus des Rechtsanwalts ist abgebrannt. An der Wand des Hauses steht ein Spruch, der nur als Bedrohung verstanden werden kann.

© Hillmann/Burkert



Walsrode. Thomas Lasthaus schlief tief und fest, als ihn plötzlich gegen 1.20 Uhr lautes Hundegebell weckte. Wenig später sah er die Flammen. Vor seinem Haus brannte ein Müllcontainer, das Feuer hatte bereits auf den Zaun übergegriffen. Doch beängstigender noch als das Feuer war die Aufschrift, die Lasthaus an seiner weißen Hauswand entdeckte, nachdem der Brand gelöscht war. „Eine Kugel reicht“, stand da in großen Lettern – daneben ein Fadenkreuz, wie man es aus dem „Tatort“ kennt.

„Das war sehr bedrohlich“, sagt der Rechtsanwalt. „Da kann man schon mal die Fassung verlieren.“ Aus Sicht des Walsroders spricht vieles dafür, dass es sich bei dem Anschlag um einen „Einschüchterungsversuch“ handelt – eine Aktion von Rockern. Lasthaus gehört zu denen, die in der Vergangenheit offen in Walsrode vor den Gefahren der Hells Angels gewarnt haben, deren Schatzmeister Wolfgang Heer in der Heidestadt einen Nachtklub, ein Fitnesscenter, eine Bowlingbahn und ein Sicherheitsunternehmen betreibt.

Vor einem Jahr hatte der Grünen-Ratsherr Detlef Gieseke in einer öffentlichen Bürgerversammlung die Walsroder aufgefordert, mit Heer keine Geschäfte mehr zu machen und auch keine Spenden mehr von dem vorbestraften Bordellbetreiber anzunehmen. Lasthaus hatte sich dabei offen hinter Gieseke gestellt und den Lehrer seither auch anwaltlich vertreten. „Das ist sicher kein Zufall, dass dieser Anschlag jetzt fast auf den Tag genau nach der Bürgerversammlung stattfindet, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hat“, sagt der Strafverteidiger. Außerdem erinnere die Vorgehensweise an einen Anschlag, den Unbekannte im vergangenen Jahr auf dem Grundstück des Kritikers Gieseke verübt hätten. Damals wurden Autos zertrümmert und angezündet.

„Das war kein Dummer-Jungen-Streich“, sagt Lasthaus mit Blick auf den nächtlichen Anschlag vor seinem Haus. „Hier sollen Menschen, die den Mund aufmachen, eingeschüchtert werden. Es wird Zeit, dass die Walsroder sich dagegen gemeinsam zur Wehr setzen.“

Doch Wolfgang Heer ist in Walsrode nach wie vor ein geachteter Mann – nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Sponsor, der zahlreiche Vereine großzügig mit Spenden bedenkt. Bisher hatte sich auch Walsrodes Bürgermeisterin Silke Lorenz mit warnenden Worten zurückgehalten. Nach dem Anschlag auf Lasthaus aber klingt nun auch bei der parteilosen Rathauschefin tiefe Besorgnis an. „Das ist schon sehr bedrohlich und schlimm“, sagt Lorenz. „Schließlich leben wir in einem freien Land, wo jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung hat.“ Sie könne gut nachvollziehen, „wie sich Herr Lasthaus fühlt“, betont die Bürgermeisterin, warnt aber davor, vorschnell die Hells Angels für den Anschlag verantwortlich zu machen.

Auch die Polizei hält sich in dieser Frage zurück. Sie sieht zwar „Zusammenhänge“, ermittelt aber wegen Sachbeschädigung und Bedrohung in alle Richtungen. Lasthaus habe sich „deutlich positioniert“, sagt Polizeisprecher Peter Hoppe. Denkbar aber sei auch, dass die Täter unter den Mandanten des Strafverteidigers zu finden seien. Fest steht laut Polizeibericht, dass Unbekannte einen Brandbeschleuniger in den Müllcontainer geworfen haben.

Der Bordellbetreiber Heer bestreitet massiv, dass die Täter aus dem Umfeld der Hells Angels kommen – oder gar von ihm angestiftet wurden. „Warum sollte ich so was machen?“, fragt Heer. „Der Typ ist für mich gar nicht wichtig. Der ist ja bei weitem nicht der einzige, der sich über die Hells Angels auslässt.“ Lasthaus solle sich lieber fragen, wo er sich wirklich Feinde gemacht habe. Vor wenigen Wochen hatte die Polizei mehrere Bordelle Heers durchsucht und Ermittlungen wegen Menschenhandels, Förderung der Prostitution und Insolvenzverschleppung gegen den Schatzmeister eingeleitet, der in der Hierarchie des Rockerklubs ganz oben steht. Unter anderem soll Heer junge Frauen unter 21 Jahren als Prostituierte beschäftigt haben. Doch Heer weist auch dies weit von sich. Stattdessen freut sich der Bordellbetreiber, dass sich ein T-Shirt in Walsrode großer Beliebtheit erfreut, das er auf den Markt gebracht hat. Es trägt die Aufschrift „Stadt der Engel“ und nimmt damit Bezug auf den Titel einer Rundfunksendung über die Umtriebe der Hells Angels in der Heidestadt „Die Walsroder finden das sehr witzig“, sagt Heer.

[Heinrich Thies]

Quelle: Wolfsburger Allgemeine 3.11.2011

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post