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Rede Klaus Jordan am 17.12.11 zum Start der Bündnis-Demo Eschede

17. Dezember 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Mein Name ist Klaus Jordan, ehemals Mahnwache Gerhus und Mitglied im „Netzwerk gegen Rechtsextremismus  Südheide“. Außerdem gehöre ich neben Pastor Manneke zu denen,  die mit einem vorweihnachtlichen Nazigruß in Form eines Brandsatzes beehrt wurde.

Doch heute geht es nicht um mich,  sondern um Euch, die sich hier erfreulich zahlreich  versammelt haben.

Daher  möchte ich als erstes alle üblichen Verdächtigen begrüßen, die immer zur Stelle sind, wenn es darum geht , Aktivitäten der rechtsradikalen Art entgegen zu treten. ein herzliches Hallo an alle Freunde und Mitstreiter in den unterschiedlichsten Organisationen, den lokalen Bündnissen , Parteien oder der Antifa.

Ich begrüße alle Jungen und Alten und die in der Mitte und darüber hinaus alle neu dazugekommenen .

Auch der Polizei ein herzliches Willkommen, die sich wie immer in großer Zahl an unserem Protest beteiligt. Ich rechne sie heute einmal einfach mit zu unserer Seite. Genug Grund haben sie ja auch, angesichts der Opfer in den eigenen Reihen.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas polemisches absondern über die Menschen, die nicht an dieser Demonstration teilnehmen.

Ich schenke mir die Aufzählung:

Angesichts der Ereignisse um das Thüringer Terrortrio und den jüngsten Brandanschlägen auf Wilfried und uns sollte sich jeder, der irgendetwas zu sagen oder zu bestimmen hat, fragen wie es mit seiner Verantwortlichkeit gegenüber dem Bürgerwohl  im allgemeinen und seiner Solidarität im speziellen bestellt ist.

So freue ich mich über jeden Einzelnen, der es bis hierher geschafft hat, besonders  über  jene Escheder  Bürger, die sich seit der letzten Demo zum Erntedank getraut haben, ihre Meinung hier und heute öffentlich auf die Straße zu tragen.

Diese Form der Öffentlichkeit ist mehr denn je von großer Wichtigkeit!

Denn Nazis fühlen sich da stark, wo ihnen eine schweigende oder tendenziell zustimmende Bevölkerung gegenübersteht. 

Das stärkt ihren Größenwahn, die besseren Deutschen zu sein und für dieses bessere Deutschland haben sie dann  auch  gleich die notwendigen Problemlösungen im Angebot .

Die Verantwortlichen für alle Miseren sind schnell aufgezählt und mit brutaler Eindeutigkeit zum politischen und praktischen Abschuss freigegeben;

Da werden kurzerhand die Schwachen an den Pranger gestellt,  die ja nur unser mühsam erarbeitetes Geld verschlingen,

da nehmen uns Horden von Fremden die Arbeit weg und vergewaltigen en passant auch noch unsere Frauen,

und da müssen natürlich auch wieder die Juden und Linken und sonstige Querdenker und -treiber als Sündenböcke für den Rest aller sonstigen Probleme herhalten.

Und als Lösungsmodell für all dieses  Ungemach, welches da über den deutschen Übermenschen hereinbricht,  gilt das Motto:

„Taten statt Worte“

Und diese Taten lesen sich wie das „Who is who“  des Strafgesetzbuches:

Mord, Totschlag,  Brandstiftung, Körperverletzung,  Erpressung, Nötigung.

Allein über 160 Mordopfer in den letzten    Jahren sind zu beklagen, eines mit Peter Deutschmann auch hier in Eschede.

Von den unzähligen Demütigungen, nicht angezeigten Gewalttaten und den Ängsten bedrohter  Mitmenschen ganz zu schweigen.

Nazis zelebrieren eine Hasskultur, verbreiten Angst und Schrecken und bestimmen die Regeln fürs gesellschaftliche Zusammenleben anhand eines Katalogs rassistischer Ausleseverfahren.

Wer ihnen dabei in die Quere kommt wird aussortiert und wie geschehen auch eleminiert.

Angesichts dieses Szenarios  fragt sich jemand, der wie viele von uns seit Jahren unerschütterlich seinen Protest auf die Straße trägt und wenn auch manchmal mit nur 20 Leuten:

Wie weit reicht da öffentliche Betroffenheit im Fernsehen oder anderen Medien aus? 

Ist konkretes Eingreifen vor Ort nicht ein Gebot der Stunde?

Für noch viel mehr Bürger?

Für Alle?

Was muss denn noch geschehen, um in dem Protest und Widerstand gegen rechtsradikale  Aktivitäten eine größtmögliche Unterstützung zu bekommen. Gerade hier in Eschede  mit einem eingeführten langjährigen Nazitreffpunkt auf Hof Nahtz.

Genau hier ist nämlich so ein Ort, wo Nazis sich treffen, um sich aufzuputschen, sich zu vergewissern, Verabredungen zu treffen, Aktionen auszubaldowern, sich abzusprechen.

Hier auf Hof Nahtz ist einer der Netzwerkknotenpunkte, in denen die Grundlogistik für Hass und Gewalt  aufgebaut  wird.

Hier fand und findet der Schulterschluss von freien radikalen Kräften, wie den Kameradschaften mit der NPD statt

Hier werden Absprachen getroffen und Aufgaben verteilt, Netzwerke geknüpft und Strategien besprochen.

Hier wird aber auch das „Wohlfühlambiente“ geschaffen, welches  auch Nazis brauchen um Kraft und Durchhaltewillen tanken zu können.

Wer die Hundertschaften von Konzertbesuchern im letzten Jahr gesehen hat,  weiß , dass diese Szene auf solchen Treffen aufblüht.

Gerade diese Konzertveranstaltungen sind Hassorgien vom Übelsten, hier wird der Militanz das Futter verabreicht, hier werden die nächsten Täterprofile geschaffen, hier rekrutiert sich der Nachwuchs.

Seit Jahren funktioniert  das auf dem Hof Nahtz weitgehend ungestört. Auch wir haben daran nichts ändern können, nur immer mahnend den Finger gehoben, mal mehr,  mal weniger. Im Gegenteil:

Als sich endlich in den letzten Jahren wirklich Menschen trafen, um dagegen an zu gehen, wurden sie mit Misstrauen  beobachtet und verfolgt. Sie waren plötzlich die Störenfriede, nicht die Nazis.

Noch in diesem Jahr auf einer der zentralen Nazidemos in Bad Nenndorf sagte mir einer der Pressesprecher  der Polizei, dass wir, also die Demonstranten diese Nazis erst groß machen würden. Ohne  Protest  hätten deren Kundgebungen und sonstigen Aufmärsche  keine weitere  Wirkung und außerdem hätten sie als Polizei, das sowieso besser im Griff. 

Da überkommt mich doch im Nachhinein  das  Gruseln und mir wird klar, warum über Jahre hinweg eine rechte Toddesschwadron hier in Deutschland ungehindert sein Unwesen treiben konnte.

Aber bleiben wir beim Heute:

Auch wenn sich jetzt unser Bündnis erfreulicherweise immer mehr ausweitet und vergrößert, darf das für die Zukunft kein Selbstzweck werden, keine Alibiveranstaltung fürs gute Gewissen.

Unser Ziel war und ist immer noch klar und eindeutig;

Keine weiteren Nazitreffen mehr auf Hof Nahtz!

Das können wir mit Sicherheit nicht militärisch durchsetzen und wollen es auch nicht.

Da brauchen wir schon die Zusammenarbeit  aller Kräfte, permanent, konkret, auf allen Ebenen, mit allen gesetzlichen Mitteln.

Dafür  brauchen wir:

Eine wache  Bevölkerung, weil die am meisten betroffen ist und darüber hinaus ein konkreteren Einblick in persönliche Verstrickungen der rechten Szenegänger  hat,                              mehr als alle Verfassungsschützler und V-Leute zusammen;

Eine Politik, die die Rahmenbedingungen fürs konkrete Eingreifen herstellt, bei Ermittlungsbehörden, Staatsanwaltschaften und Gerichten, ebenso wie bei Ordnungsämtern und sonstigem Behördengetöse.

und vor allem und besonders brauchen den Willen mit diesem rechtsradikalen Spuk endlich Schluss  zu machen, bei allen die etwas zu entscheiden haben und vor allem bei denen die unmittelbar und tagtäglich von den Machenschaften dieser Nazibünde betroffen sind!

Wie wärs mit folgendem kleinen Wunschszenario:

Eine große Anzahl von Leuten, sagen wir mal so an die 500 sperren die Zufahrt zum Hof Nahtz mit einer Sitzblockade, die Polizei fühlt sich außerstande dagegen einzuschreiten, will es auch nicht und beschränkt sich darauf die Nazis wieder nach Hause zu schicken. Das bei allen jährlichen Nazitreffen durchgehalten und der Spuk wäre vorbei.

Schön naiv? Oder?

Weil ja Weihnachten vor der Tür steht noch einen weiteren Wunsch an Politik und sonstige Entscheidungsträger.

Hallo, Ihr da oben!

Tretet endlich allen Nazis richtig auf die Füße:

Mit Verboten, Gegeninformationen, Prävention und

Unterstützung aller antifaschistischen Organisationen vor Ort und überall.

Mit Engagement und konkreter Präsenz, Geld und persönlichem Willen!

Mit Einfallsreichtum, wie es die Bad Nenndorfer vorgemacht haben, mit Nachdruck, wie es unzählige Einzelinitiativen immer wieder beweisen.

Die Wurzeln des Nazismus sind Rassismus, Menschenverachtung und Allmachtfantasien. Und diese Gemengelage taucht  mit vielen Gesichter auf und das nicht immer nur als brutale Nazivisage.

Achten wir also auch    auf die verkleideten Demagogen und den akzeptierten Fremdenhass,

die kleinen Alltagsfaschismen,

die Gewöhnung an  die Schuldzuweisung  gegenüber Minderheiten und ergreifen Partei, wenn Schwächere neben uns verächtlich gemacht werden.,

 Danke für Eure  Aufmerksamkeit!

Zum Schluss kurz ein Wort in eigener Sache:

Das Netzwerk gegen Rechtsextremismus Südheide“ benötigt für seine öffentliche Präsenz ein eigenes Logo. Das wollen wir nicht allein ausbrüten, sondern in einer öffentlichen Aktion von anderen Menschen gestalten lassen, von Menschen, die Spaß daran haben, so etwas auszutüfteln und mit Ideen und Engagement die Sache angehen. Das Ergebnis wird von einer Jury begutachtet und der beste Entwurf bekommt auch einen Preis. Näheres entnehmt bitte unseren Flyern oder beachtet die entsprechenden Veröffentlichungen in den Zeitungen. Eine eigene Webseite können wir euch leider erst im neuen Jahr bieten.

 

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Demo gegen Nazis 17.12.11 Eschede, Foto: ABL

 

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antifaschistisches Landvolk 12/18/2011 16:11


GUTE REDE! Solidarische Grüße vom platten Lande im Heidekreis