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Rotenburger Kreiszeitung 07.10.2009: „Sexy Girls“ in Hassendorf

7. Oktober 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Rotenburger Kreiszeitung    7. 10. 2009

 

„Sexy Girls“ in Hassendorf

 

Hassendorf - Von Stefanie Bommert · Ein Wohnmobil mit kleinen roten Herzen drauf und der Aufschrift „Sexy Girls“ sorgt derzeit für massiven Protest in Hassendorf. Eine Prostituierte bietet in dem Gefährt auf dem Parkplatz der verlassenen Gaststätte an der Bundesstraße 75 ihre Dienste an.

 

Die Bürger sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder und den Ruf der Gemeinde. Zudem befürchten sie, dass die junge Dame nur die Vorhut für ein geplantes Bordell in dem Gebäude ist. Ihre Sorge ist nicht unbegründet. Bordell-Betreiber Wolfgang Heer aus Walsrode möchte auf dem Areal in dem 1035-Seelen-Dorf tatsächlich ein Freudenhaus errichten, erklärte er im Gespräch mit der RK/VN: „Das Weihnachtsgeschäft soll dort schon in vollen Zügen laufen.“

Auf dem rund 13 000 Quadratmeter großen Gewerbegrundstück soll ein Etablissement mit sechs Appartements zur gewerblichen Zimmervermietung entstehen. Ringsherum soll ein hoher Sichtschutzzaun errichtet werden. Geführt werden soll das Haus von der „Hebra-Gastronomiebetriebsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Walsrode. „Die Genehmigungsanträge stehen kurz vor dem Abschluss“, erklärt der Unternehmer. Derzeit habe er das Gelände vom Eigentümer gepachtet. Ziel sei es, „das Haus zu kaufen“.

Den Protest der Hassendorfer kann Heer, der mit seiner Frau Barbara bereits seit 29 Jahren vier ähnliche Gewerbebetriebe in Soltau, Verden, Achim und Walsrode mit rund 50 Angestellten betreibt, nicht nachvollziehen. Alle Häuser hätten ein gepflegtes Äußeres, und mit den Nachbarn gebe es keine Probleme. „Da lagen die Genehmigungen sofort vor.“

Die Hassendorfer laufen indes Sturm gegen diese Pläne. Auf Initiative zahlreicher Mütter aus dem Dorf sammelten die Einwohner am Wochenende 390 Unterschriften gegen das „Love-Mobil“, die sie am Montag im Dorfgemeinschaftshaus an Bürgermeister Klaus Dreyer übergaben – zusammen mit einem Antrag des Sportvereins an den Gemeinderat, alles Mögliche zu unternehmen, um die Pläne zu stoppen.

Besondere Sorge der Einwohner gilt der Sicherheit der Kinder, da der Sportplatz und die Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe zur alten Gaststätte liegen. „Das ist eine absolute Katastrophe. Das muss sofort gestoppt werden“, empört sich Hans-Uwe Franke als Vorsitzender des Sportvereins. „Da fahren täglich viele Kinder lang“, sorgt sich Elena Airich als Mutter. „Bei uns wird alles geregelt, aber so etwas nicht. Unvorstellbar“, ist Marianne Jahn-Berhold als Vize des Sportvereins fassungslos. Viele Eltern hätten angekündigt, ihre Kinder künftig nicht mehr auf den Sportplatz zu lassen.

Auch Campingplatz-Betreiber und „Love-Mobil“-Nachbar Chris tian Kruse ist sauer: „Für uns ist das eine mittelschwere Katastrophe.“ Seine Familie habe in den vergangenen Jahren viel Geld in die Anlage investiert und werbe mit Familienfreundlichkeit. Zudem könnten sich die vielen Dauercamper gestört fühlen.

 

„Ich freue mich, dass die Position der Gemeinde von unseren Bürgern so nachhaltig gestützt wird“, erklärt Dreyer, der sofort aktiv wurde, als er davon hörte. Vergangene Woche alarmierte er die Polizei und nahm Kontakt mit den Ordnungsämtern, dem Jugendamt und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil auf, der aus Soltau-Fallingbostel kommt und versprochen hat, sich bei den dortigen Verantwortlichen zu erkundigen, wie sie vorgegangen sind. Zudem informierte sich Dreyer im Internet über die „Love-Mobile“ und ihren Betreiber. Auch habe er die Dame direkt angesprochen. Diese habe auf ihren Chef verwiesen. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch ernüchternd. Samtgemeinde und Landkreis haben keine Handhabe gegen das rollende Freudenhaus. „Das fällt nicht in die Zuständigkeit der Samtgemeinde“, erklärt Samtgemeindebürgermeister Markus Luckhaus, der für heute zu einem Pressegespräch lädt.

Dem Landkreis sind die Hände gebunden. „Prostitution ist gewerbe- und gaststättenrechtlich durch die Legalisierung nicht mehr unsittlich“, sagt Holger Schmidt vom Ordnungsamt. Solange das Auto angemeldet sei und die Hygienevorschriften von den Damen eingehalten würden, dürfe das „Love-Mobil“ rollen – und auch stehen. Zudem handele es sich um einem Privatparkplatz. Ein Platzverweis sei nur möglich, wenn der Eigentümer die Polizei rufe. Schmidt: „Aber das ist privatrechtlich geklärt.“ Einzig die zu großen Werbetafeln neben der Gaststätte konnte der Landkreis beanstanden. Sie müssen abmontiert werden.

Denkbar wäre laut Dreyer eine Änderung des Bebauungsplanes. Das würde aber 25 000 Euro kosten und mindestens ein Jahr dauern. Auch die Ausweisung eines Sperrbezirks „als letzte Maßnahme“ sei nicht sofort möglich. Eine Hoffnung der Gemeinde ruht auf einem noch laufenden Rechtsstreit der Ex-Grundstückseigentümer, der Familie Wolter, mit dem letzten Betreiber der Gaststätte um die Eigentumsrechte an dem Areal. Sollte Familie Wolter gewinnen, dürften die Pläne von Wolfgang Heer platzen. Laut Dreyer habe die Familie kein Interesse daran, an einen Bordell-Betreiber zu verkaufen. Im nächsten Schritt soll nun der Rat einberufen werden, „um auch noch Druck von der Seite zu machen“.

 

http://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg/index.html

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