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Tausende gegen Neonazis - 200 Rechte festgenommen

1. Mai 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Berlin (dpa) - Weit mehr als zehntausend Demonstranten haben sich am Samstag in mehreren deutschen Städten Aufmärschen von Neonazis entgegengestellt. Starke Polizeikräfte versuchten Zusammenstöße von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten, darunter linke Autonome, zu verhindern. 

Mehrfach löste die Polizei Sitzblockaden auf. In Berlin wurde dabei auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) vom Boden hochgezogen und an den Straßenrand geführt.

Bis zum frühen Abend blieb es weitgehend friedlich. In Berlin wurden allerdings 200 Neonazis festgenommen, die sich abseits der genehmigten Demonstrationsroute an der Einkaufsmeile Kurfürstendamm eingefunden hatten. Die Polizei kreiste sie ein und hinderte die Teilnehmer - darunter einige aus Spanien, Italien und Tschechien - am Weiterziehen. Die Festgenommenen wurden per Bus zu einer Gefangenensammelstelle gebracht.

In der Hauptstadt waren mehrere tausend Demonstranten unterwegs. Bis zu 3000 Rechtsextreme waren erwartet worden. Mit zwei Stunden Verspätung marschierten etwa 600 NPD-Anhänger von einem S-Bahnhof im Stadtteil Pankow los. Insgesamt standen 7000 Polizisten aus mehreren Bundesländern und einige Wasserwerfer bereit.

Eine andere Demonstration linker und autonomer Gruppen mit etwa 10 000 Teilnehmern ging am Abend im Stadtteil Kreuzberg zunächst ohne Gewalt zu Ende. In Hamburg zog zur selben Zeit eine sogenannte revolutionäre 1.-Mai-Demonstration mit rund 650 Teilnehmern in Richtung Schanzenviertel.

In Berlin hatte Thierse zuvor mit anderen Politikern den Zug von 600 Rechtsextremen durch den Stadtteil Prenzlauer Berg eine knappe Viertelstunde aufgehalten. Der Prenzlauer Berg liegt im Wahlkreis des 66-Jährigen.Vor der Demonstration hatte er über seine Teilnahme an Blockaden gesagt: «Es ist nicht meine Art, mich in ein Abenteuer zu stürzen.» Er werde je nach Situation entscheiden.

Mehr als 13 000 Menschen protestierten in Würzburg und Schweinfurt gegen rechtsextremes Gedankengut. Nach Polizeiangaben waren die Proteste bis zum Nachmittag friedlich. In Schweinfurt kamen 800 Rechtsextreme zusammen, in Würzburg keine.

In Sachsen gab es mehrere Zwischenfälle. In Zwickau sollen nach Gewerkschaftsangaben Anhänger der rechtsextremen NPD Gegendemonstranten mit Steinen beworfen haben. Die Polizei bestätigte Zusammenstöße und sprach von einem Verletzten. Bei Hoyerswerda blockierten Anhänger der linken Szene laut Polizei eine Bahnstrecke und verzögerten die Anreise von 400 Rechten in die Stadt.

In Zwickau hatten am Vormittag zunächst etwa 1500 Menschen gegen den Aufmarsch der rechtsextremen NPD demonstriert. Diese konnten erst mit Verspätung ihren Aufmarsch beginnen, nachdem die Polizei Sitzblockaden von Gegendemonstranten aufgelöst hatte. Die Demonstrationsroute der NPD wurde geändert. Am Nachmittag standen den rund 400 Rechten etwa 600 Protestierende gegenüber.

In Erfurt löste sich nach Bürgerprotesten eine genehmigte Demonstration von etwa 400 Anhängern der NPD auf. Nachdem der Aufmarsch der Rechten durch Gegendemonstranten zum Stehen kam, bot die Versammlungsbehörde als Ausweichstrecke die Rückkehr zum Ausgangspunkt an, sagte ein Polizeisprecher. Daraufhin habe die NPD ihren Aufmarsch beendet.

In Rostock verhinderten starke Polizeikräfte ein Zusammentreffen von rund 500 NPD-Anhängern mit über den Tag verteilten 1000 Gegendemonstranten, die die ursprünglich geplante Aufmarschroute blockierten. Die NPD musste sich mit einer kürzeren Strecke zufriedengeben.

Die Berliner Walpurgis-Feiern in der Nacht zum Samstag waren weitgehend friedlich geblieben. In Hamburg gab es bei Ausschreitungen mindestens 18 Verletzte. Bis zu 200 linke Demonstranten hatten nach Polizeiangaben rund um das alternative Kulturzentrum «Rote Flora» Möbel, Holzlatten und Müll auf die Straße gestellt und angezündet. Ein Passant bekam einen Stein an den Kopf und wurde so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Darüber hinaus wurden 17 Polizisten und drei Diensthunde verletzt. Sieben Randalierer wurden vorläufig festgenommen. Außerdem gingen in der weiteren Umgebung der «Roten Flora» drei Fahrzeuge in Flammen auf.

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