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Tierschutz für den Weihnachtsbraten?

5. Dezember 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Gentechnik - Landwirtschaft - Ernährung


 

Er ließ 1300 Gänsen mit Maschinen die Federn ausreißen - bei lebendigem Leib. Deshalb darf einer der Eigentümer eines Mastbetriebs in Wistedt bei Hamburg mit sofortiger Wirkung keine Tiere mehr halten. Denn in der Europäischen Union ist nur das Rupfen toter Gänse mittels Maschinen erlaubt. »Was da passiert ist«, so ein Sprecher des Veterinäramtes im Kreis Harburg, »ist eine grausame Sache.«[1]

    Ein hinduistisches Fest begann am  24. November  im Süden Nepals. Wenn es zu Ende geht, werden die Gläubigen etwa eine viertel Million Tiere wie Büffel, Ziegen, Schafe und auch Vögel geopfert, also abgeschlachtet haben. In dieser Woche feiern zudem die Muslime das sogenannte Opferfest, anlässlich dessen weltweit - auch mitten in Europa - Schafe, Ziegen, Rinder ohne vorherige Betäubung geschlachtet werden. So will es das religiöse Ritual. Der Wahn, lebende Wesen irgendwelchen Gottheiten zu »opfern«, betrifft heute - von bizarren Ausnahmen abgesehen - »nur noch« Tiere.[2]

    Sicher, dies  sind sehr extreme Beispiele  für  den brutalen  Umgang mit Tieren.   Aber wir halten wir es selbst    im  Umgang mit den Tieren?  Bekannt ist, das sich viele  Kinder zu Weihnachten Tiere  wünschen.  Sobald  diese aber merken, das Tiere  viel Arbeit machen, möchten sie diese sehr schnell  wieder los werden.  Die Tierheime füllen sich. Oder,  was  noch schlimmer ist, sie werden  vor die Tür gesetzt. Und sie sind  sich selbst überlassen.  Wir sollten  uns vorher und auch unsere Kinder aufklären und bekannt machen mit  den Tieren. Das kann geschehen  durch Zoo- oder Tierheimbesuche, durch Naturbeobachtungen.  Wesentlich dabei ist, das wir alle begreifen, jedes Tier hat seine eigene Lebensart. Das gilt besonders auch für Tiere,  die mit uns Menschen  gemeinsam leben.  Wie ekelt es einem an, in  Annoncen zu lesen: „Die Kaninchen sind verschmust.“   

    Auch die neue Schlachtvieh-Verordnung der EU exemplifiziert die Unmöglichkeit, einer genuin »grausamen Sache« einen »humanen« Anstrich zu verpassen. Rund fünf Milliarden Tiere (ohne Wassertiere) werden in der Union jedes Jahr für den Verzehr geschlachtet. Angesichts dieser unfassbaren Zahl nimmt sich die angestrebte »Minimierung von Leid und Vermeidung von Schmerzen im Verlauf des gesamten Schlachtvorgangs« wie ein Kabarett-Gag aus. Gar einen »Tierschutzbeauftragten« sollen Schlachthöfe ernennen. »Tierschutz«, wenn Milliarden fühlende Wesen massakriert werden? Unter Bedingungen, die auch im 21. Jahrhundert zum Schaurigsten und Abstoßendsten gehören, was sich auf Erden abspielt? [3] Der Charakter der Menschen zeigt sich doch nirgends deutlicher als im Umgang mit Geschöpfen, die schwächer  als wir sind.

    Wie tief  muss  Elias Canetti  das Leid der  Tiere empfunden haben,  als er  schrieb: „Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, Schafe, allen Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann.

    Ich stelle mir vor, wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von dort sich über eine ganze Stadt ergießt. Ich wäre schon erleichtert über einen Stier, der die Helden, die Stierkämpfer, jämmerlich in die Flucht schlägt und die ganze blutgierige Arena dazu.

    Aber ein Ausbruch der mindern, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe wäre mir lieber. Ich mag nicht wahrhaben, dass sie nie geschehen kann; das wir vor ihnen, gerade ihnen allein, nie zittern werden.“ [4]

 

Ich möchte Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, nicht den Appetit auf den Weihnachtsbraten und auch nicht auf den Silvesterkarpfen  verderben. Nein, ich möchte uns alle dazu auffordern, nachzudenken, wie wir humaner mit Tieren umgehen können. Das wäre doch  ein echter Vorsatz für das kommende Jahr. Mit einem Wort von Mahatma Gandhi möchte ich  schließen: „Die Größe einer Nation  und ihre moralische Reife  kann daran gemessen werden, wie sie ihre Tiere behandelt.“ [5]

 

Quellennachweis

 

[1]   Ingolf Bossenz „Grausame Sachen“  Neues Deutschland vom 2407-2009

[2] nach Ingolf Bossenz „Wahn und Wissenschaft“  Neues Deutschland vom 2511-2009

[3]  nach  Ingolf Bossenz „Grausame Sachen“  Neues Deutschland vom 2407-2009

[4]  Elias Canetti (1905-1994), Schriftsteller der deutschen Sprache , Nobelpreis 1981

[5]  Mahatma Gandhi, (1869 – 1948), indischer Politiker */

 

Kurt Wolfgang Ringel

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