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Volksbegehren: Ausdruck für den Unmut der Eltern

21. Dezember 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

Presseinformation 21.12.2009
Volksbegehren: Ausdruck für den Unmut der Eltern
Seit Mitte November wird in Niedersachsen, ausgehend von einer Initiative in Hannover, ein
„Volksbegehren für gute Schulen“ betrieben. Im dort vorgeschlagenen Gesetzestext ist
vorgesehen, dass das Abitur an Gymnasien und Gesamtschulen nach 13 Schuljahren abgelegt
werden soll, dass die Mindestzügigkeit für Gesamtschulen auf vier (-im Ausnahmefall auf drei-)
Klassen herabgesetzt werden soll und dass die bestehenden Vollen Halbtagsgrundschulen
fortgeführt werden sollen.
Gesamtschulen verfolgen durch die längere gemeinsame Beschulung aller Schüler, unabhängig von
Begabungen und Schullaufbahnempfehlungen, einen anderen pädagogischen Ansatz als die Schulen des
gegliederten Systems. Wenn die Landesregierung im Rahmen der Einführung des Abiturs nach 8 Jahren
(G 8) auch an den Integrierten Gesamtschulen von Gleichbehandlung der Schüler spricht, ist dies nach
Auffassung des Landeselternrates von dem Bestreben getragen, die starren Strukturen des mehrgliedrigen
Systems um jeden Preis gegen innovative Ansätze zu verteidigen. Wenn immer mehr Eltern ihre Kinder an
Gesamtschulen schicken möchten, so hat die Landesregierung dem Rechnung zu tragen. Wenn Eltern
sich für einen längeren, pädagogisch eingebetteten Weg an Integrierten Gesamtschulen in 13 Schuljahren
zum Abitur für ihre Kinder entscheiden möchten, so ist Ihnen das zu ermöglichen. Bundesländer mit
Integrierten Gesamtschulen führen diese alle mit 13 Jahren zum Abitur. Die Vorschrift, dass
Gesamtschulen nur mindestens fünfzügig geführt werden dürfen, ist zudem eine massive Bremse bei der
Errichtung neuer Gesamtschulen insbesondere in ländlichen Regionen. Es bleibt der fade Beigeschmack,
dass die Landesregierung nach dem vielleicht unerwarteten Run auf die Gesamtschulen nunmehr
krampfhaft versucht, diesen durch die Hintertür die Substanz zu entziehen.
Die Einführung von G8 und die Umsetzung der Kerncurricula an den Gymnasien haben zu viel Unmut
unter der Elternschaft geführt. Hier muss massiv nachgebessert werden, um die Schüler schnell zu
entlasten. Viele Eltern fordern umgehende Maßnahmen, um die Situation an den Gymnasien jetzt zu
verbessern. Ob überhaupt eine Rückkehr zu G9 die Lösung sein kann, ist unter den Gymnasialeltern
umstritten. Viele Eltern sehen auch die Mehrbelastung, die durch eine Rückkehr zum Abitur nach 13
Schuljahren an den Gymnasien entstehen würde: Schon wieder neue Kerncurricula, neue Lehrbücher,
keine Entlastung beim Lehrerbedarf. Hinzu kommt, dass in allen anderen Bundesländern Abitur nach 12
Schuljahren am Gymnasium die Regel ist. Bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen waren auch
immer eine Forderung der Elternschaft.
Die Umwandlung der Vollen Halbtagsgrundschulen in Verlässliche Grundschulen bringt neben dem Verlust
eines zukunftsgerichteten pädagogischen Konzeptes nur einen sehr bescheidenen Gewinn an
Lehrerstunden, die aber wie alle Überhangstunden an den Grundschulen kaum sinnvoll einzusetzen sind.
Der Landeselternrat fordert den Erhalt der bestehenden Vollen Halbtagsgrundschulen und verlangt, das
Überangebot an Grundschullehrkräften schrittweise dazu zu nutzen, die pädagogischen Mitarbeiter an
allen Grundschulen im Sinne der Vollen Halbtagsschulen durch Lehrkräfte zu ersetzen.
Festzuhalten bleibt jedoch, dass unser gesamtes Schulsystem, von Grund- und Förderschulen, von allen
weiterführenden Schulen bis zu den berufsbildenden nicht nur deutlich zusätzlicher Mittel oder
zusätzlichen Personals bedarf, sondern einer stringenten ideologiefreien Unterstützung aller im Landtag
vertretenen Parteien. Die Bildung unserer Kinder darf nicht zur Bildungspolitik der Parteien verkommen.
Aufgrund der genannten Bedenken sowie der uneinheitlichen Elternmeinung hinsichtlich einer
Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien gibt der Landeselternrat, bei allem Verständnis
für die Sorgen und den Unmut von Eltern kein eindeutiges Votum für das Volksbegehren ab.
Die Forderungen nach einem Abitur nach 13 Schuljahren an den Integrierten Gesamtschulen, einer
Herabsetzung der Mindestzügigkeit für die Gesamtschulen und dem Erhalt der Vollen
Halbtagsgrundschulen unterstützt der Landeselternrat dagegen jedoch voll und ganz.
Landeselternrat Niedersachsen, Königstr.19, 30175 Hannover, Tel. 0511-64643680, E-Mail: Poststelle@ler.niedersachsen.de
Vorsitzender: J.-Pascal Zimmer, Tel. 04172/969522 bzw. 0170/7112650 (Wörter 556)

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