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WESER-KURIER Samstag 15.10.10

15. Oktober 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

 15.10.2010

Brandanschlag: Ratsherr vermutet Rocker als Drahtzieher

Von Stefan Schölermann
Walsrode. Detlef Gieseke, Grünen-Ratsherr in Walsrode, kann nicht an einen Zufall glauben: Vor wenigen Nächten zerstörten Unbekannte sein Auto. Sie schlugen die Heckscheibe ein, gossen Bitumen über den Lack - dann zündeten sie Knallkörper und bengalische Feuer. Dass die Täter offenbar bemerkt werden wollten, macht Gieseke besonders misstrauisch.

Der Kommunalpolitiker hat sich in jüngster Zeit nicht nur Freunde gemacht: Er engagiert sich gegen die Etablierung führender Mitglieder der 'Hell?s Angels' in seinem Heimatort. Die Landeskriminalämter führen die 'Hell?s Angels' als 'Outlaw Motorcycle Gang' (OMCG, Motorradbande außerhalb des Gesetzes) und verdächtigen sie der organisierten Kriminalität. Viele Mitglieder gelten als extrem gewaltbereit und schwer bewaffnet.

Für Mittwoch, 3. November, um 19.30 Uhr hat Gieseke einen Informationsabend in die Stadthalle Walsrode geplant. Thema: 'Wie gefährlich sind die Hell?s Angels? Was ist in Walsrode zu tun?' Als Experten hat er die für ihre Recherchen im Rockermilieu mehrfach ausgezeichnete Chefreporterin des WESER-KURIER, Christine Kröger, und die frühere innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Silke Stokar, eingeladen. Nach dem Anschlag fragt der Ratsherr auf seiner Internetseite: 'Wollen die Hell?s Angels die Veranstaltung verhindern?' Die Polizei gibt sich zugeknöpft: 'Die Ermittlungen dauern an.'

Ein mutwillig zerstörtes Auto - für die 'Hell?s Angels' ist das 'Kinderkram', mit dem sie 'nichts zu tun haben'. Das Dementi kommt von Wolfgang Heer. Der 65-jährige Bordellbetreiber zählt seit Jahrzehnten zu Walsrodes Lokalprominenz. Zugleich aber ist er bundesweit eine der Schlüsselfiguren der 'Höllenengel'. Heer gehört zum 'Charter Hannover' der Rockerbande. Die Regionalorganisation gilt bundesweit als größte und wird von Frank Hanebuth angeführt, dem europaweit mächtigsten 'Höllenengel'. Heer betreibt eine Reihe von Landbordellen. Sein Sohn Michél, ebenfalls Mitglied der 'Hell?s Angels Hannover', führt die Geschäfte der 'Bodyguard-Security' mit Sitz in Walsrode. Das 'Sicherheitsunternehmen' stellt annähernd alle Türsteher in Hannovers Rotlicht- und Vergnügungsmeile 'Steintor'.

Viele der Mitarbeiter sind ebenfalls bei den 'Höllenengeln'. Trotz dieser zwielichtigen Umtriebe ist es den Heers daheim in Walsrode gelungen, sich als anscheinend seriöse Geschäftsleute zu etablieren. Wolfgang Heer sponsert eifrig Kulturveranstaltungen und verteilt nach eigenen Angaben 'zu Weihnachten Pakete für den ökologischen Arbeitskreis'. Und auch sein Sohn gehört längst der örtlichen Kaufmannschaft an.

Ratsherr Gieseke findet das unerträglich. Er will sich beispielsweise nicht damit abfinden, dass Kulturdarbietungen mit Geld aus dem Rotlicht- und Türstehermilieu gefördert werden. Der Grünen-Politiker fordert mehr kritische Distanz zu OMCG-Mitgliedern wie den Heers - und zivilgesellschaftliches Engagement gegen sie. Er geht fest davon aus, dass der Anschlag auf sein Auto das Ziel hatte, ihn einzuschüchtern und die Veranstaltung zu verhindern. Wolfgang Heer widerspricht: Schließlich habe er die Veranstaltung bereits fest eingeplant und werde sich sein Erscheinen dort sogar einiges kosten lassen: 'Ich werde dafür eigens meinen Urlaub in Ägypten unterbrechen - und am nächsten Tag schon wieder zurückfliegen.'

Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo.

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