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ZAP N3 TV 9.11.11 -- Walsroder Zeitung zahnlos gegen Hells Angels

9. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Hells Angels & Neonazis

Walsroder Zeitung: Zahnlos gegen "Hells Angels"

Der liebe Jung statt böser Onkel. Die "Hells Angels" polieren überall im Norden an ihrem Image, auch im niedersächsischen Walsrode, der Kleinstadt der "Höllen-Engel". Viele Rocker leben dort, spielen nach außen Freund und Helfer. Nichtsdestotrotz stehen sie unter Verdacht. Wie brav sind sie wirklich? Eigentlich das Thema für jede Lokalzeitung. Doch die verhält sich in Walsrode auffällig unauffällig.

Ein Film von Gita Datta und Stephanie Zietz.

'Eine Kugel reicht', diese Drohung haben Unbekannte vergangenen Donnerstag im niedersächsischen Walsrode an die Hauswand eines Rechtsanwalts geschmiert und die Mülltonne angezündet. "Da war ein Fadenkreuz zu sehen, mit dem Satz ‚eine Kugel reicht‘ in Verbindung mit der brennenden Mülltonne, das hatte eine Qualität, die ich bis dato nur aus Filmen kannte", erklärt der betroffene Rechtsanwalt Thomas Lasthaus. Er ist ein Kritiker der "Hells Angels". Der Anschlag erfolgte genau ein Jahr nachdem er die Rockergruppe öffentlich angriff. Medien berichten über mögliche Zusammenhänge wie "Hallo Niedersachsen": "In Walsrode ist jetzt die Frage: Wer war das? Ist das eine neue Runde im Streit mit den Rockern, den 'Hells Angels'?" (NDR, 03.11.2011).

Zeitungen berichten über die "Todesdrohung gegen Rocker-Kritiker" (taz, 03.11.2011), machen die "Drohung gegen Walsroder Anwalt" (Weser Kurier, 04.11.2011) öffentlich, berichten über sein Engagement gegen die "Hells Angel". Die Sicht des Opfers ist in allen Blättern zu lesen.

Polizeimitteilung in der "Walsroder Zeitung"

Im ortsansässigen Lokalblatt jedoch wird der Anschlag auf die Pressemitteilung der Polizei reduziert: "Bedrohung im Walsroder Wohngebiet" (04.11.2011). Kein Wort über die Ängste des Opfers. Kein Wort über dessen kritische Äußerungen zu den "Hells Angels". Kein Wort zu einem möglichen Zusammenhang.

Thomas Lasthaus: "Gelesen hab ich den nüchternen Vortrag, dass es einen Brand gegeben hat, die brennende Mülltonne, dass es diesen besagten Schriftzug, der wiedergegeben wurde im Text, gegeben hat an der Hauswand. Das war es. Vermisst hab ich jegliche Hinterfragung dieses Vorganges, jeglicher Feststellung, dass derartige Vorfälle zu verurteilen sind."

Dabei ist der Anschlag nicht nur in Walsrode, sondern längst auch in überregionalen Medien Thema. Auch NDR Info Reporter Stefan Schölermann fuhr nach Walsrode. "An diesem besagten Morgen nach dem Ereignis saß ich bei Thomas Lasthaus in der Kanzlei. Die 'Walsroder Zeitung' rief an und Herr Lasthaus sagt auch, 'Herr Schölermann vom NDR sitzt auch hier'. Herr Lasthaus hat umfangreich informiert über das, was in der Nacht bei ihm passiert ist, was in ihm vorgegangen ist, dass er seine Kinder als bedroht empfunden hat, - und nichts davon findet man in der 'Walsroder Zeitung' wieder."

Walsrode und die "Hells Angels"

In der Stadt lebt Wolfgang Heer, ein bekennender "Hells Angel" und gut vernetzter Geschäftsmann. Zu seinem Familienverbund gehören eine Bowlingbahn, ein Sportzentrum, ein Sicherheitsdienst und ein Bordell am Stadtrand. Vor einem Jahr gibt es eine Infoveranstaltung zum Einfluss der Rockergruppe in der Stadt. Eine kritische Diskussion soll stattfinden und offen geklärt werden, wie man mit den "Hells Angels" umgeht. Der, der es organisiert, ist Grünen-Politiker Detlef Gieseke. Drei Wochen vor der Veranstaltung gab es einen Anschlag auf sein Auto. Der "Walsroder Zeitung" ist das nur eine Randnotiz wert: "Unbekannte zerkratzen Autos."

Detlef Gieseke: "Zunächst eine Polizeimeldung, fünf Zeilen, obwohl ich eine halbe Stunde mit dem Chefredakteur gesprochen hatte und ihm auch meine persönliche Betroffenheit sehr deutlich gemacht hatte, und dann, als die anderen Zeitungen berichteten, zehn Tage später - einen größeren Artikel mit Bild."

Schon wieder zurückhaltende Berichterstattung. Ein Interview will uns die "Walsroder Zeitung" nicht geben, verteidigt die eigene Zurückhaltung und verweist auf einen Artikel im eigenen Blatt, in dem es heißt: "Es geht um die Vermittlung von Fakten, nicht um die Verbreitung von Vermutungen."

Die Fakten, die es zu berichten gibt, lässt die "Walsroder Zeitung" schon mal aus. Als das Landeskriminalamt im August den Wohn- und Familiensitz von Wolfgang Heer durchsucht, berichtet die "Walsroder Zeitung" nur über eine "Großrazzia der Polizei in Bordellen" (08.06.2011). Kein Wort darüber, dass es um Bordell-Geschäfte von "Hells Angel" Wolfgang Heer geht. Wem die Bordelle gehören, erfahren die Leser nur in anderen Blättern. Die "Razzia bei Rockern" (taz, 18.08.2011) in "Bordellen der 'Hells Angels'" (Weser Kurier, 18.08.2011), darüber informieren "taz" und "Weser Kurier". Und die "Hannoversche Allgemeine" berichtet ausführlich über den "Schlag gegen die Rockerkriminalität" (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18.08.2011) mit Hinweis auf die "Hells Angels".

Thomas Lasthaus: "Ich hab den Eindruck, dass die 'Walsroder Zeitung' gelegentlich den Vertretern der 'Hells Angels' mehr Schutzfunktionen angedeihen lässt, als den Personen oder dem Personenkreis, der vielleicht im Visier dieser 'Hells Angels' und deren Repräsentanten steht."

Doch seit dem Anschlag in der vergangenen Woche fragen sich immer mehr Bürger in Walsrode, was in ihrer Stadt los ist. Und heute, eine Woche nach dem Anschlag, berichtet nun auch die "Walsroder Zeitung" über mögliche Hintergründe: "Grundsätzlich ist nichts auszuschließen".

Stefan Schölermann: "Ich glaube, dass sich die Stimmung im Orte drehen wird. Ich glaube, dass die Zahl derjenigen, die kritisch gegenüber dem entscheidenden Sujet, der Frage, wie geht man um mit führenden Rocker-Repräsentanten am Ort, dass diese Stimmung sich verändern wird und letztlich wird man auch als Zeitung an dieser Stimmung nicht vorbei kommen können."

 

Video:

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/walsrode117.html

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