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»Zug der Erinnerung« setzt Kundgebung durch

4. Dezember 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Zug der Erinnerung

Nürnberg: Stadt und Deutsche Bahn AG wollten Demonstration von Opfern des Faschismus verhindern

Von Wera Richter
Die Initiative »Zug der Erinnerung« hat sich am Freitag gegen ein Kundgebungsverbot der Stadt Nürnberg und der Deutschen Bahn AG durchgesetzt. Somit kann eine Veranstaltung in Erinnerung an die Opfer von Deportationen durch die »Reichsbahn« während des Faschismus wie geplant am Samstag vor dem DB Museum in Nürnberg stattfinden.

»Das ist ein sehr großer Erfolg«, sagte Hans-Rüdiger Minow, Sprecher der Initiative am Freitag gegenüber junge Welt. Zu der Demonstration »Gerechtigkeit für die Überlebenden« und der nun genehmigten Abschlußkundgebung erwarte er mehrere hundert Teilnehmer. Viele davon reisten aus der Ukraine und Rußland an, um gegen die Entschädigungspolitik der Deutschen Bahn zu protestieren. Der Konzern hatte den Opfern der Deportationen zuletzt umgerechnet 25 Euro Entschädigung pro Kopf angeboten.

Nicht minder würdelos war der Versuch, nun ihre Veranstaltung zu verhindern. Das Verbot war nach Auskunft des »Zug der Erinnerung e.V.« mit der Jubiläumsfeier zum 175. Jahrestag des deutschen Eisenbahnwesens begründet worden. Diese soll allerdings erst am 7. Dezember, also drei Tage nach der Kundgebung, stattfinden. Dafür mit großem Pomp. Erwartet werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) etwa 500 weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft. Für sie sollen mehrere Straßenzüge gesperrt und überdacht werden. In beheizten Zelten werden »kulinarische Köstlichkeiten aus verschiedenen Perioden der Bahngeschichte« kredenzt. Knapp zwei Millionen Euro soll das Ganze kosten.

In Erwartung eines solchen Ereignisses schrieb das Nürnberger Ordnungsamt in seiner Verbotsverfügung, die »begehrte Fläche ist durch (…) die Jubiläumsveranstaltung der Deutschen Bahn bereits belegt«. Dem Konzern könne nicht zugemutet werden, seinen Zeitplan zu gefährden und mit den Vorbereitungen zu warten, bis die Kundgebung – sie soll 30 Minuten dauern – beendet sei. Mit dem Verbot wolle das Amt zudem einer »unmittelbaren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung« zuvorkommen. Der »Zug der Erinnerung« hatte mit einem Eilantrag Einspruch gegen das Verbot vor dem Verwaltungsgericht Ansbach eingelegt.

Zu der Kundgebung, unterstützt vom Nürnberger Bündnis Nazistopp, hat sich keine Politprominenz angesagt. Dafür wird nach Informationen des Bündnisses Josef Jakubowicz, 1925 in Oswiecim/Auschwitz geboren, sprechen. Der Holocaust-Überlebende aus Nürnberg mußte zweieinhalb Jahre Zwangsarbeit für die »Reichsbahn« leisten und wurde als Jugendlicher teilweise in offenen Viehwaggons in elf Zwangsarbeits- und Konzentrationslager getrieben. Er verlor 34 seiner jüdischen Familienangehörigen. Jakubowicz forderte im Jahr 1997 eine Entschädigung von der Deutschen Bahn. Der Konzern wollte ihn mit einer Freifahrkarte (»Reisegutschein für eine BahnCard First«) abspeisen. Jakubowicz hat das Almosen abgelehnt.



Samstag, 12.30 Uhr, K4, Königstraße, Nürnberg: Demonstration »Gerechtigkeit für die Überlebenden«

www.zug-der-erinnerung.euwww.nazistopp-nuernberg.de
Quelle: jungewelt.de 04.12.2010

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