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Bildung statt Ausbildung

5. Februar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

Bildung statt Ausbildung

Roberto J. De Lapuente 03.02.2008 23:37 Themen: Bildung
 
Das Kind wird zum Rädchen des Systems heranerzogen. Es erfährt Ausbildung, Bildung bleibt auf der Strecke. Das G8 verschärft diesen Mißstand immens.
"Früher wurde, wenn man sich nicht auf den Hosenboden setzte, mit Hausarrest gedroht. Heute wird der Sechstklässlerin mit den Chinesen gedroht, die ihr einmal den Arbeitsplatz wegnehmen werden, wenn sie nicht endlich auf ihre Reitstunden und Tanzkurse verzichtet, um spätnachmittags nachzuholen, was ihr vormittags in der Schule wegen Zeitmangels und Stofffülle nicht annähernd erklärt wurde." - So leitet die Frankfurter Allgemeine einen Artikel ein, der sich mit dem achtjährigen Gymnasium befaßt. Quintessenz: Nicht nur in der Schule lernen Kinder. Die Verkürzung der Schulzeit bringt Kinder um dringend erforderliche Lebenserfahrungen.

Was sich hinter der neutral gehaltenen Abbreviatur G8 versteckt, degradiert Kinder zu Kosten- und Produktionsfaktoren im Wettbewerb des "freien" Marktes. Das Kindsein bleibt auf der Strecke, alle Aufmerksamkeit gilt dem Nutzen, den das Kind später im Erwachsenenleben haben soll. Die Mechanisierung des ungenauen "Faktors Mensch" wird zum Mittelpunkt einer Ausbildung (keiner Bildung) erhoben, die Lernen als Einimpfen von Notwendigkeiten begreift, aber nicht als Prozess, der zu Mündigkeit und Reife eines Menschen führen soll. "Unnützer Lernstoff" wird atomisiert, um ein Mehr an "nützlichen Wissen" zu gewährleisten.

Doch der kindliche, noch agile Geist ist kein leerer "Behälter", in den man willkürlich Informationen hineinstecken kann. Das tägliche Lernpensum ist determiniert und es bedarf eines körperlichen Ausgleichs zur geistigen Arbeit. Zusätzlich verleugnet die neue gängige Praxis das Wesen des Kindes. Das Spielen, ebenfalls ein Vorgang des Lernens und Begreifens - man denke an John Lockes Ausspruch: "Die größte Kunst ist, den Kleinen alles, was sie tun oder lernen sollen, zum Spiel und Zeitvertreib zu machen." ("Some Thougts Concerning Education" von 1693) - wird zur Nebensächlichkeit ohne Nutzen stilisiert. Der (Aus-)Bildungsapparat steht auf Kriegsfuß mit dem Wesen des Kindes; er impft dem Kind ein schlechtes Gewissen ein, weil es einen Drang zur Freiheit hat, welchen es spielend auszuleben versucht ist.

Es ist das Kindsein, welches dem Wettbewerb im Wege steht. Das Druckmittel der globalen Konkurrenz findet Verwendung, um den kindlichen Trieb zu überwinden. Mit Verweis auf die chinesische Konkurrenz ist man versucht, dem Kinde das Spielen abzugewöhnen, um nicht zuviel Zeit zu vertrödeln. Effizient muß gelernt werden, nichts Unwesentliches darf Eingang in die Köpfe finden. So verschwinden an den Universitäten "unrentable" Zweige der Geisteswissenschaften - Philosophie und Theologie sterben einen langsamen Tod. Und gleichermaßen vollzieht das gesamte Schulwesen eine Abkehr vom humanistischen Bildungsideal, in dem man nicht nur lehrte, um den jungen Menschen zum gut geölten Teil eines Systems zu machen, sondern um ihn zu einen "Menschen von Format" zu erziehen; nicht nur Rädchen innerhalb des Produktionsapparates, sondern musischer Mensch mit Allgemeinbildung.

Insofern kann der Aufschrei, der das Ende des G8 fordert, weil es die Würde des Kindes verletzt, nur ein erster Schritt sein. Den Kindern mehr Zeit einzuräumen ist nicht der Anfang einer Bildungsreform, sondern lediglich die Revision des Dilettantenstreichs G8. (Dies soll nicht vergessen werden, wenn in einigen Jahren - aufgrund Erfolglosigkeit - diese "Reform" zurückgenommen wird und man versucht ist, diesen "Schritt zurück" als große Reform des Bildungswesens zu verkaufen.) Dem Kind schon in jungen Jahren die Bürde aufzuerlegen, sich für eine höhere Schule qualifizieren zu müssen (die Wurzel der deutschen Ungleichheit im Bildungswesen), muß als nächstes beseitigt werden, um dann ein Bildungsideal zu installieren, welches Kinder nicht zu zukünftigen Maschinen im System heranzüchtet, sondern ihnen das natürliche Recht auf Bildung gewährt. Unbrauchbaren Lehrstoff gibt es nicht: Gemäß einem Schlagwort, das aus den Zeiten der APO stammt: "Bildung statt Ausbildung!" - Das derzeitige Fordern, auf alte Bahnen zurückzuschwenken, kann insofern nur als konservativer - also bewahrender - Schritt verstanden werden.
 
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Bericht von der Bildungsdemo

25. Januar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

Hannover: Demo gegen Studiengebühren und Sozialabbau

LAK Niedersachsen 25.01.2008 22:33 Themen: Bildung
 
2000 Studierende, SchülerInnen und ArbeitnehmerInnen demonstrierten heute auf einer landesweiten Demonstration in Hannover gegen die Bildungs- und Hochschulpolitik der Landesregierung. 500 Demonstrierende drangen in die Bannmeile vor dem Landtag ein.
Hannover. Am heutigen Freitag haben insgesamt 2000 Studierende zusammen mit Schülerinnen und Schüler und Gewerkschaftsmitgliedern gegen Studiengebühren und Bildungs- und Sozialabbau demonstriert. Über 500 Demonstrierende sind in die Bannmeile vor dem Landtag eingedrungen, um sich bei den verantwortlichen Politiker Gehör zu verschaffen.

Veranstalterin Friederike Beier, Sprecherin der LandesAStenKonferenz (LAK) wertet die Demonstration als großen Erfolg: „Wir haben heute gezeigt, dass Studiengebühren und der allgemeine Bildungsabbau auf immer mehr Widerstand in der Bevölkerung trifft. Zwei Tage vor der Landtagswahl konnten wir heute ein Zeichen setzen gegen die allgemeine Bildungsungerechtigkeit, die durch Studiengebühren weiter verschärft wird.“

„Deutschland ist schon heute Weltmeister in sozialer Auslese. 83 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien, aber nur 23 von 100 Kindern aus Nichtakademikerfamilien studieren. Studiengebühren schrecken noch mehr junge Menschen aus Familien mit geringem Einkommen und ohne akademische Tradition vom Studium ab. Dabei brauchen wir in Zukunft nicht weniger, sondern deutlich mehr qualifizierte Akademikerinnen aus Akademikern,“ ergänzt Andreas Keller vom Bundesvorstand der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Auch andere DGB-Gewerkschaften waren anwesend, um ein Zeichen gegen die aktuelle Politik der Landesregierung zu setzen. Dazu Sebastian Wertmüller, DGB-Vorsitzender Niedersachsen-Mitte: „Die zunehmende Privatisierung der Bildung ist kein isoliertes Phänomen, sondern reiht sich ein in die zunehmende Privatisierungen von öffentlichen Aufgaben und Gütern, die mit dem allgemeinen Sozialabbau einhergeht.

Schülerinnen und Schüler aus der Region Hannover schlossen sich der Demonstration an, um auf die Missstände im deutschen Schulsystem aufmerksam zu machen. Aram Ali vom Landesschülerrat Niedersachsen bemerkt dazu: Die soziale Ungerechtigkeit im Bildungssystem fängt schon in der Schule an. Das dreigliedrige Schulsystem aus Haupt-, Realschule und Gymnasium ist im internationalen Vergleich beispiellos für seine soziale Chancenungleichheit. Wir fordern die Landesregierung dazu auf dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen.“

Auf der Abschlusskundgebung an der Marktkirche wurden die Forderungen an die amtierende und neue Landesregierung verkündet. Gefordert wurde die Abschaffung jeglicher Gebühren von der KiTa bis zur Hochschule, die bedarfsgerechte Finanzierung von Bildungseinrichtungen und die Abschaffung der Selektivität des Bildungssystems.

„Bleibt zu hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler am Sonntag den aktuellen Bildungsabbau bei der Wahlentscheidung mit berücksichtigen und die neue Landesregierung sich nicht weiter aus der bildungspolitischen Verantwortung zurückziehen wird.“ betont Friederike Beier von der LAK, „weitere gemeinsame Aktionen werden andernfalls sicher folgen.“


AnsprechpartnerInnen sind:

Friederike Beier (LandesASten Konferenz): 0177-8794103
Andreas Keller (GEW): 0175-9381286
Sebastian Wertmüller (DGB): 0170-6342658
Aram Ali (Landesschülerrat): 0178-1594331
 
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Nazi-Propaganda runter bei Bildungs-Demo Hannover 25.1.08:


Kurz nach Start der Bildungs-Demo (gegen Studiengebühren u.a.) kam vorm Buchladen Schmorl & von Seefeld in der Bahnhofstraße ein NPD-Plakat in Sicht. Da NPD-Plakate immer in einer Höhe von 3 - 4 Metern hängen, baute sich eine Gruppe zu Pyramide auf. Mit langem Arm konnte ein Student das rassistische Plakat unter großem Applaus zerreißen. Als alle schon mit der Demo weiter gegangen waren, griffen 2 PolizistInnen zu. Sie hatten sich das Aussehen des demokratisch Handelnden an der Spitze der Pyramide gemerkt. Ausweiskontrolle, Anzeige wegen Sachbeschädigung. Eine Entführung des Demokraten durch die Staatsgewalt konnte verhindert werden, als sich Ratsherr Luk List / Hannoversche Linke und Charly Braun / DGB und Schulelternrat IGS-Linden dazustellten. Dem Demokraten wurde gedroht: "wenn noch mal was vorkommt, werden Sie eingebuchtet".
5 Minuten später tauchte kurz vorm Steintor erneut ein NPD-Plakat auf. Wieder versuchte eine Pyramide die "Volksverhetzung auf Pappe" zu beenden. Der Weg nach oben war schwieriger, trotz Nutzung einer Juso-Fahne. Es dauerte zu lange. Die Aktion wurde abgebrochen als die Polizei in die Nähe kam. Und dann fanden sich ums Steintor noch eine ganze Reihe NPD-Plakate. Kein weiterer Versuch ...   Die Demo ging weiter und besetzte am Steintor die Straße.

hier geht es zum Aufruf ________________________________________________________________________

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Studiengebühren kalt machen - bildungspolitische Talfahrt beenden

25. Januar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bildung

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