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Posts mit #kampf gegen nazis - bundesweit tag

Das halbe Gedenken an Amadeu

9. August 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

 

21 JAHRE NACH ERMORDUNG DURCH NEONAZIS

Das halbe Gedenken an Amadeu

Vor 21 Jahren brachten Neonazis den Angolaner Amadeu Antonio um. Nun soll in Eberswalde eine Straße an ihn erinnern. Die Familie wartet heute noch auf finanzielle Hilfe.VON ALEXANDER BUDWEG

Amadeu Antonio starb an den Folgen eines Nazi-Überfalls. Bild:  Imago

BERLIN taz | Was als schöner Abend unter Freunden begann, wurde zum Synonym für Fremdenhass in Deutschland. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1990 fiel der Angolaner Amadeu Antonio einem prügelnden Mob aus 50 zumeist jugendlichen Angreifern in Eberswalde zum Opfer. Der rassistische Übergriff prägt die brandenburgische Kleinstadt bis heute. An diesem Freitag, wäre Amadeu Antonio 49 Jahre alt geworden. Ab Freitag soll ein Straßenname an die Ereignisse von vor 21 Jahren erinnern.

Doch die Geschichte des Eberswalder Gedenkens ist getrübt. Über zwei Jahrzehnte nach dem Vorfall steht der Landkreis Barnim noch immer im Wort, denn seine einst versprochene Hilfe für die Hinterbliebenen des Opfers soll niemals angekommen sein.

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Gemeinsam mit sieben anderen Männern aus Angola und Mosambik war Amadeu Antonio in der Novembernacht 1990 auf dem Weg von seinem Stammlokal nach Hause. Auf Höhe der alten Chemiefabrik laufen sie einem mit Messern, Baseballschlägern, Zaunlatten und Schreckschusspistolen bewaffneten Schlägertrupp aus Skinheads und Heavy-Metal-Rockern in die Arme. Antonio wird gejagt, geschlagen und getreten - obwohl Polizisten die ganze Zeit vor Ort sind.

Nach mehreren Minuten der Qual lassen die Peiniger von ihm. Der Angolaner bleibt bewusstlos am Boden liegen, stirbt wenige Tage später in einem Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen. Die Schläger bezeichnen ihre Tat später als "Negerklatschen".

Kampagne sammelt Spendengelder

Bislang verweist nur eine unscheinbare Gedenktafel auf die Ereignisse vom November 1990. Die Eberswalder Straße, in der seinerzeit die Hetzjagd stattgefunden hatte, soll ab Freitag ebenfalls an diesen traurigen Tag erinnern und den Beinamen Amadeu-Antonio-Straße tragen. Im nächsten Jahr, wenn Antonio 50 Jahre alt geworden wäre, soll dann die endgültige Umbenennung erfolgen, sodass die Eberswalder Straße dann auch auf Karten als "Amadeu-Antonio-Straße" verzeichnet ist. "Wir wollen auf diese Weise dafür Sorge tragen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät", sagt Kai Jahns von der Barnimer Kampagne "Light Me Amadeu", die die Idee dazu hatte.

Die Kampagne sammelt derzeit Spendengelder für die Familie von Amadeu Antonio in Angola, um "ein Zeichen solidarischer Menschen aus Deutschland zu senden", wie es in dem Aufruf heißt. Obwohl der Kreistag in Eberswalde bereits am 8. Dezember 1990 beschlossen hatte, finanzielle Beihilfen für die Überführung des Leichnams nach Angola und die Beerdigung dort zu leisten, kam bei den Hinterbliebenen von Antonio kein Geld an.

Eine Anfrage der Grünen im Kreistag hatte zu Beginn des Jahres bestätigt, was das ARD-Magazin Panorama bereits vor zehn Jahren aufdeckte: Die Kreisverwaltung hat diesen Beschluss nie umgesetzt. Warum, das kann oder will dort niemand sagen. "Wir haben intensiv recherchiert, ob und wie dieser Auftrag tatsächlich ausgeführt wurde", erklärt eine Sprecherin des Landrates gegenüber der taz. Doch nach so langer Zeit ließe sich der Vorgang nicht mehr nachvollziehen.

Die Kosten für die Bestattung blieben an Antonios Familie in Angola hängen. Seine Mutter und Geschwister leben in einem Armenviertel in der angolanischen Hauptstadt. Für einen Grabstein hat ihr Geld nicht gereicht. Nur ein paar aufgeschichtete Steine markieren die Grabstelle auf einem Friedhof am Stadtrand Luandas.

Die Grünen wollen nun im Kreistag erneut finanzielle Unterstützung für die Angehörigen von Antonio beantragen. 5.000 Euro soll der Kreis zur Verfügung stellen. "Wir wollen der Familie zeigen, dass wir Amadeu nicht vergessen haben, und ein Stück weit späte Wiedergutmachung leisten", sagt die Fraktionsvorsitzende der Barnimer Grünen, Ute-Katrin Krakau. Ob dieses Vorhaben gelingt, ist offen: Bislang wollten sich die anderen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gegenüber der taz dazu nicht äußern.

Quelle: taz 08.08.2011

 

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Weitere Neonaziübergriffe in Dortmund

2. August 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Antifaschisten fordern Verbot von »Nationalem Antikriegstag«. Rechte wollen zweimal marschieren

Von Markus Bernhardt
Angesicht der wachsenden Zahl von Anschlägen und Angriffen durch neofaschistische »Autonome Nationalisten« in Dortmund fordern Antifaschisten das Verbot von zwei für Anfang September geplanten Aufmärschen der Rechten in der Ruhrgebietsmetropole. Die Neonazis wollen sowohl am 2. als auch am 3. September durch die Stadt marschieren.

Katharina Schwabedissen, Landessprecherin der nordrhein-westfälischen Linkspartei, forderte die Stadtverwaltung und den Dortmunder Polizeipräsidenten Hans Schulze (SPD) am Montag auf, »endlich die akute Bedrohungslage zu begreifen und die beiden Aufmärsche der Rechten zu verbieten«. Ähnlich äußerte sich Azad Tarhan, jugendpolitischer Sprecher der NRW-Linken, der daran erinnerte, daß es in der Ruhrgebietsmetropole bereits seit Jahren immer wieder zerschlagene Fensterscheiben, Morddrohungen, zerstochene Reifen und Hakenkreuzschmierereien gebe. Er forderte die Bürger auf, mit ihrem Engagement »nicht abzuwarten, bis es zum nächsten rassistisch motivierten Mord in Dortmund kommt«. Der Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) forderte indes auch die übrigen Landtagsfraktionen auf, die »Verhinderung des Naziaufmarsches in die eigenen Hände zu nehmen«. Das sei vor allem nötig, weil das Innenministerium, Polizei und Bundesverfassungsgericht immer wieder zu erkennen gegeben hätten, daß sie die rechten Demonstrationen für einen »Ausdruck von Meinungsfreiheit und damit für zulässig« hielten.

Gegenüber junge Welt warb Wolfgang Richter, Sprecher des Bündnisses »Dortmund stellt sich quer!« für gemeinsame Steh-, Sitz oder Liegendblockaden aller demokratischen Kräfte. Es gehe darum, den »antifaschistischen Protest und Widerstand so stark zu machen, daß die erklärten Rassisten, militanten Antidemokraten und skrupellosen Krieger am 3. September nicht durchkommen«. Der Zusammenschluß mobilisiert derzeit dafür, den Großevent der Nazis am ersten Sonnabend im September mittels Blockaden zu verhindern. Am Tag zuvor wollen die Antifaschisten eine Demonstration gegen Nazigewalt und imperialistische Kriege zu den Wohnhäusern der Nazis nach Dorstfeld durchführen.

Indes nehmen die Attacken der »Autonomen Nationalisten« auf ihre Gegner im Vorfeld ihres »Nationalen Antikriegstages« weiter zu. In der Nacht zu Freitag griffen vier vermummte Neofaschisten eine fünfköpfige Gruppe linker Jugendlicher mit Baseballschlägern und Messern an und bewarfen diese mit Flaschen und Steinen. Während die gerufene Polizei die rechten Täter nicht dingfest machen konnte, gingen die Beamten hingegen gegen die Opfer der neofaschistischen Gewalttäter vor, denen sie vorwarfen, Plakate mit der Aufschrift »No Nazis« an einer Bushaltestelle geklebt zu haben. Im Rahmen der Personalienaufnahme der Antifaschisten, denen nunmehr Sachbeschädigung vorgeworfen wird, nahmen die Polizisten außerdem die Mutter eines der Beschuldigten in Gewahrsam, die ihrem Sohn zu Hilfe geeilt war, und legten ihr Handfesseln an.

Bereits am Donnerstag abend waren über 100 Nazigegner einem Aufruf des Bündnisses »Dortmund gegen Rechts« gefolgt und hatten auf dem im Stadtteil Dorstfeld gelegenen Wilhelmplatz, wo das Gros der örtlichen Nazikader um Dennis Giemsch, Dietrich Surmann und Alexander Deptolla lebt, eine antifaschistische Kundgebung durchgeführt. Insgesamt war es in den vergangenen zehn Tagen zu über einem Dutzend von Neofaschisten verübten Anschlägen gekommen. So waren an mehrere Häuser, in denen antifaschistische Aktivisten wohnen, antisemitische und faschistische Parolen gesprüht und offene Morddrohungen hinterlassen worden. Auch wurden mehrere Fahrzeuge von Nazigegnern massiv beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert. Betroffen von der kontinuierlich zunehmenden Anschlagsserie waren vorallem Unterstützer des bundesweiten antifaschistischen Bündnisses »Dortmund stellt sich quer!«.


dortmundquer.blogsport.de
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"...gerade Dich, Arbeiter, wollen wir."

27. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

 

PLAKATAUSSCHNITT ZUR SONDERAUSSTELLUNG DER HANS BÖCKLER STIFTUNG IN KOOPERATION MIT DEM DGB

Nationalsozialismus und freie Gewerkschaften im Mai 1933

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (rekonstruierte Unterkunftsbaracke)
21. Mai 2011 - 15. Juli 2011
Verlängert bis zum 28. August 2011

 

Am 2. Mai 1933, drei Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, besetzten SA-Schläger und Polizei überall in Deutschland die Büros und Versammlungsräume der Gewerkschaften. Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre nahmen sie in Haft; viele wurden misshandelt oder sogar ermordet.

Mit der Zerschlagung der Gewerkschaften versuchten die Nationalsozialisten, den Widerstand aus der Arbeiterschaft zu brechen. Zugleich propagierten sie die vermeintlich klassenlose "Volksgemeinschaft" und schufen mit der "Deutschen Arbeitsfront" (DAF) eine nationalsozialistische Pseudo-Einheitsgewerkschaft.

An diese Ereignisse erinnert eine Wanderausstellung der Hans-Böckler-Stiftung und des DGB, die am Dienstag, den 24. Mai 2011 in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora eröffnet wurde. 25 Schautafeln vergegenwärtigen mit zahlreichen Fotos und Dokumenten diesen Tiefpunkt in der Geschichte der politischen Arbeiterbewegung und der deutschen Demokratie. Die Ausstellung zeichnet die Vorgänge chronologisch nach. Dabei beschränkt sie sich bewusst nicht auf die reine Ereignisgeschichte, sondern thematisiert auch die Ideologie der Nationalsozialisten. Diese machten der Arbeiterschaft mit der Propagierung der "Volksgemeinschaft" und des "Adels der Arbeit" ein vergiftetes Integrationsangebot. 
Dafür steht auch der Titel der Ausstellung: "... gerade Dich, Arbeiter, wollen wir" - ein Zitat von Robert Ley, dem Chef der Deutschen Arbeitsfront.

Gewerkschaftsgeschichte in Nordhausen und Salza 

 

Seit rund zwei Monaten wird interessierten Besucherinnen und Besuchern der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora eine Ausstellung zur Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten präsentiert. Nun wird sie bis zum 28. August 2011 zu sehen sein.

Anlässlich dieser Verlängerung wird die Ausstellung um regionale Aspekte der Gewerkschaftsgeschichte ergänzt. Ab Mittwoch, dem 20. Juli, werden Ausstellungsstücke zur Entwicklung der Nordhäuser und Salzaer Arbeiterbewegung gezeigt.

Wie überall im Deutschen Reich gingen die Nationalsozialisten nach ihrem Machtantritt im Januar 1933 auch in Nordhausen mit Brutalität gegen die Gewerkschaftsbewegung vor. Auch hier zogen SA- und SS-Trupps zu den Gewerkschaftssitzen, u.a. zum Volkshaus "Eintracht" in der Geseniusstraße. Mehrere Nordhäuser Gewerkschaftler wurden im Siechenhof in "Schutzhaft" genommen und anschließend in Konzentrationslager verschleppt.

Neben Polizeiberichten und Schriftwechseln verdeutlichen besonders die Hilfsgesuche von betroffenen Angehörigen das Ausmaß der Geschehnisse. An Hand von zahlreichen Originalfotografien und informativen Fundstücken aus dem Stadtarchiv Nordhausen, wie Mitgliedsausweisen oder Abzeichen, wird die Lebensgeschichte von Paul Baumbach nachgezeichnet, eines aktiven Nordhäuser Sozialdemokraten und Gewerkschafters.

Die rege Widerstandsbewegung in Salza, besonders um den Versammlungsort "Gasthof Friedenseiche", wird mit weiteren zeitgenössischen Dokumenten und Zeitschriften verdeutlicht. Die als "Schlacht von Salza" bezeichnete Abwehr eines NS-Aufmarsches vor der "Friedenseiche" im Juli 1932 ist bis heute im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung verankert.

Die Ausstellung ist bis zum 28. August 2011 in der ehemaligen Unterkunftsbaracke der Gedenkstätte zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Literaturhinweis: "Nordhausen im Nationalsozialismus. Ein historischer Wegweiser.", Nordhausen/Weimar: 2010 - 56 Seiten, Ill, 3 Euro.

 

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Kindheit am rechten Rand

23. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Rechtsextreme Erziehung

Kindheit am rechten Rand

Von Maik Baumgärtner und Andrea Röpke

Rechtsextremismus: Kindheit in einer Neonazi-Familie
Fotos
Maik Baumgärtner

Kinderbücher aus der NS-Zeit, Puzzle mit den Grenzen von 1937, Ferien mit Volksgenossen: Im rechtsextremen Milieu gedeiht hinter bürgerlichen Fassaden eine ideologische Erziehungskultur. Der Nachwuchs wird zum politischen Instrument, warnen Experten.



Es geht in die Sommerferien. Für manche Kinder aus Neonazi-Familien bedeutet das: Die Eltern haben vorgesorgt, die Freizeit wird in den vermeintlichen Dienst für Volk und Vaterland gestellt. Nationale Erziehung abseits des Mainstreams ist das Ziel.

 



Auf dem Programm der braunen Erlebniswelt kann neben Zeltlagern oder Überlebenstraining auch ein gemeinsamer Reiterurlaub mit den Kindern von Kameraden stehen. Die bundesweite Neonazi-Szene widmet sich zunehmend auch der ideologienahen Ferien- und Freizeitgestaltung ihrer Familien.

 

Und mancherorts gibt es sogar Rabatt: So lockt ein Verein mit Vergünstigungen die Kinder der "Kameraden" auf einen Reiterhof bei Ahrensfelde in Brandenburg. Eine E-Mail, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, versprach im Mai dieses Jahres eine Woche Reitfreizeit mit Lagerfeuer und Nachtwanderungen für nur 150 Euro. Inklusive war die Aufteilung der Kinder nach Reitkenntnissen und "Weltanschauung". Auf Anfrage wollte sich der Betreiber dazu nicht äußern. Ebenso wie das heimelige Pferdeparadies gehört auch die Ferienwohnung in der Sächsischen Schweiz zum nationalen Angebot. Die Vermieterin, selbst NPD-Politikerin, warb selbstbewusst mit dem Slogan "21,1 Prozent für die NPD - hier macht man Urlaub" im NPD-Blatt "Deutsche Stimme", etwa im August 2010.

Und das "Niederschlesische Feriendorf" in der Oberlausitz bietet mit seinen 42 einfach eingerichteten Bungalows und dem Campingplatz direkt am Quitzdorfer See viel Platz und Ungestörtheit - auch für Neonazi-Familien. "Jeder ist mir willkommen, der sich benehmen kann und der gerne in dieser Gegend Urlaub machen will", teilt Änne Redeker von der Betreiberfamilie auf Anfrage mit. Bei der Anmeldung würden die Gäste "niemals nach ihrer politischen Einstellung befragt".

Pfingsten wollten sich im dazugehörigen Feriendorf Finnhütte wieder einmal viele ehemalige Erzieher der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) mit ihren jugendlichen Schützlingen zum abgelegenen "Großlager" auf dem Gelände treffen. Die Organisation wurde 2009 wegen ihrer aggressiv-kämpferischen Grundhaltung gegen die Verfassung verboten. Ihre Anhänger machen heimlich weiter. Die Polizei unterband das Ferienvorhaben, auch anreisende Kinder wurden fortgeschickt. Andere "nationale" Familien feierten derweil in zwei nahen Ferienhütten. Weder Feriendorfbetreiber noch andere Touristen schienen sich an der auffälligen Kleidung mancher Familienväter zu stören. Auf deren Shirts standen Parolen wie "Todesstrafe für Kinderschänder" oder "Nationaler Sozialist". Die Betreiber wollen davon nichts mitbekommen haben.

Brauner Kinderdrill

Je selbstbewusster die selbsternannte "NS-Bewegung" in den vergangenen Jahren hierzulande geworden ist, desto mehr wird der familiäre Nachwuchs instrumentalisiert. Mehrere tausend Kinder von Neonazis wachsen nach Schätzungen von Ermittlern mit Waffen, Gewalt, Hausdurchsuchungen, Nazi-Devotionalien, Liedern von Hitlerjugend und Waffen-SS sowie Götzen-Verehrung des "Dritten Reichs" auf. Ungefragt werden sie Teil einer eingeschworenen "Kampfgemeinschaft", die sich hinter einer bürgerlichen Fassade verbirgt.

 

Nicht nur ihre Eltern nehmen massiv Einfluss - oft sind es auch radikale Organisationen wie die mittlerweile verbotene Heimattreue Deutsche Jugend oder deren Nachfolgestrukturen. Kinder rechtsextremistischer Eltern wachsen im kameradschaftlichen Kollektiv auf. Väter und Mütter setzten auf "Volkstänze, Kinderfeste und die scheinbare Geborgenheit in Szenejugendlagern", schreibt der brandenburgische Verfassungsschutz in seinem jüngsten Bericht, der sich explizit der Problematik "Kinder im Visier brandenburgischer Rechtsextremisten" widmet.

 

Die Folgen der Indoktrination scheinen grotesk: Ein Aussteiger berichtete SPIEGEL ONLINE, ein neunjähriges Mädchen aus Niedersachsen habe im Kreise von Erwachsenen aus Hitlers "Mein Kampf" zitiert, um den Vater stolz zu machen. Ein Foto vom Rechtsrockfestival "Fest der Völker" im thüringischen Pößneck im Jahr 2009 zeigt ein blondgelocktes Kleinkind mit der "28" auf dem kleinen Pullover, dem Code des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour".

In der selbsternannten "nationalen Dorfgemeinschaft" Jamel , einer winzigen braunen Scholle in Mecklenburg-Vorpommern, treten Jung und Alt für das Gruppenbild im einheitlichen Shirt mit der Aufschrift "Jamel - Gau Mecklenburg" vor die Kamera. Im Januar 2011 waren in dem berüchtigten Dorf beim Oberhaupt der Neonazi-Clique eine funktionsfähige Maschinenpistole mit 200 Schuss Munition und Hehlerware beschlagnahmt worden.

2. Teil: Erziehung des Nachwuchses als "nationale Lebensaufgabe"

 

Dabei stammen die Aktivisten längst nicht mehr nur aus subkulturellen Milieus, die meisten haben sich ein Leben in der Mitte der Gesellschaft aufgebaut. Junge Paare mit großer Kinderschar verstecken NS-Ideologie und Vorstellungen von "soldatischer" Pädagogik hinter einem bürgerlichen Anstrich. Die Erziehung des Nachwuchses wird als "nationale Lebensaufgabe" angesehen, wie das NPD-Blatt "Deutsche Stimme" betont - das Private und Politische scheint untrennbar miteinander verwoben. "Vielerorts entstehen Alltagswelten, in denen die eigene Lebenswelt der menschenverachtenden Ideologie vollständig angepasst ist", warnt der Braunschweiger Präventionsexperte Reinhard Koch von der ArbeitsstelleRechtsextremismus und Gewalt. "Der Nachwuchs wird so zum politischen Instrument", sagt Koch.

Der "politische Missbrauch" beginnt nicht selten bereits bei der Namensgebung, stellt der Landesverfassungsschutz in Brandenburg fest. Nordisch klingende Namen wie Markward würden bevorzugt. "In solchen Fällen knüpfen rechtsextremistische Eltern an die Namensgebung des Nationalsozialismus an und formen letztendlich alltägliche Namen zu rassistischen Visitenkarten um."

Das Geschlecht entscheidet über die Position innerhalb der Gemeinschaft. Emanzipation und Gleichberechtigung werden abgelehnt, sie gelten szeneintern als Synonyme für eine von den Alliierten "umerzogene" Zivilgesellschaft.

Nach Angaben des Landesverfassungsschutzes wachsen die Kinder extrem rechter Eltern in Brandenburg mit zwei Szenarien auf: Demokratie und Bundesrepublik Deutschland seien dem Untergang geweiht - als heile Welt stelle sich dagegen das "Dritte Reich" und eine homogen nationalistische "Volksgemeinschaft" dar. Um die Kinder vor "schädlichen" Außeneinflüssen zu schützen, wählten Eltern nicht selten Isolation als ein Mittel.

Zur Gewährleistung einer besonders effizienten Lebensführung siedelten immer mehr Familien nah beieinander, ließen sich in gemeinsamen Regionen nieder, beobachten Sicherheitsbehörden in Ostdeutschland. Generationsübergreifend wirken Groß- oder Schwiegereltern in Großfamilien mit. Sozialarbeiter sehen die Tendenz, dass rechte Familien auch innerstädtisch, in Wohnblöcken oder Stadtteilen zusammenziehen, um "Gemeinschaften" zu bilden.

Sind Nazis per se schlechte Eltern?

"Erreicht der ideologische Einfluss solche Ausmaße, dass eine Kindeswohlgefährdung vorliegt", warnt Präventionsexperte Günther Hoffmann aus Anklam, "dann sind staatliche oder soziale Stellen in der Pflicht, die Situation zu prüfen." Eine vom Kulturbüro Sachsen 2010 veröffentlichte Analyse mit dem Titel "Elternarbeit im Spannungsfeld Rechtsextremismus" geht der Frage nach, ob "Nazis per se schlechte Eltern" sind. Demnach komme eine Kindeswohlgefährdung aufgrund völkischer Erziehung in Betracht, wenn es zu körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen oder anderen entwürdigenden Maßnahmen kommt. Insbesondere "das Hervorrufen extremer Ängste, überzogene Verhaltensregeln und das Hineindrängen in eine Außenseiterrolle deuten auf eine missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge hin".

Völkische Neonazi-Pädagogik wird häufig geprägt von rassistischer Ideologie, Heidentum, NS-Kunst, Antisemitismus, unbedingtem Gehorsam, Kampfgeist und Elitegebaren. In einschlägigen Online-Shops angebotene Nachdrucke von Kinderbüchern aus dem "Dritten Reich", eigens erdachte Rätsel oder ein Puzzle mit den Grenzen von 1937 untermauern die Bemühungen. Auf der linken Plattform Indymedia beschrieb die "Autonome Antifa Freiburg" im Jahr 2010 eine Mutter, die angeblich mit ihren Kindern Torten mit SS-Symbolen backt oder gemeinsam eine Hakenkreuzfahne näht. Eine Erzieherin berichtete von einer Familie, in der Kinder ihre Eltern mit "Herr Vater" und "Frau Mutter" anreden.

Hakenkreuze malen im Kindergarten

An den Wochenenden und in den Ferien sind Kinder oft einfach nur kleine "Kameraden". Sie nehmen am nationalen Kulturprogramm der "Bewegung" teil. Bei NPD-Kinderfesten und Brauchtumsfeiern wird ihre Anwesenheit offenbar dazu benutzt, weitere Familien anzulocken.

Nur ungern überlassen völkische Paare den Nachwuchs staatlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen. Denn hier können Einfluss und Kontrolle schwinden. Laut dem brandenburgischen Verfassungsschutz klagen Neonazis in Szeneforen, Kinder würden in Schulen und Kindergärten "richtig entarten". In verschiedenen Bundesländern in West und Ost berichteten Erzieher und Pädagogen in den Jahren 2009 und 2010 von Schwierigkeiten. So habe ein Junge im Kindergarten Hakenkreuze gemalt. Routiniert habe er seine Zeichnung sofort mit dem Satz verteidigt: "Das ist doch nur eine Rune." Ein anderer habe ein Migrantenkind mit Sprüchen wie "Du wirst auch noch vergast" beschimpft.

Disziplin, Gehorsam und Respekt gelten in erster Linie nur gegenüber den Eltern und "Kameraden". Außerhalb der Szene verweigerten sich die Kinder oft. Sie würden im Morgenkreis schweigen und wenig von zu Hause berichten. Manche reagierten verstört, auch überangepasst und andere besonders aggressiv, berichten betroffene Pädagogen aus Mecklenburg-Vorpommern. "Wir werden massive Probleme bekommen, wenn wir uns nicht intensiver mit diesem Problem auseinandersetzen", warnt Szenekenner Hoffmann aus Ostvorpommern.

Allein im mecklenburgischen Landkreis Güstrow gehen Experten von rund 60 Kindern aus über einem Dutzend nationaler Familien aus. Nicht nur deren Eltern zeigen bereits ein "geschlossenes rechtsextremes Weltbild".

 

Quelle: Spiegel Online 21.07.2011

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Nazi-Hiphop aus Potsdam

7. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Bandprojekt „Natürlich“ hat erstes Album veröffentlicht

 

Seit einiger Zeit gibt es Potsdam (Brandenburg) ein NS-Hip Hop Projekt mit dem Namen „Natürlich“. Dieses Seitenprojekt der Potsdamer Naziband „Cynic“ (Siehe: Neonazistisch-musikalisches Treiben in Potsdam) hat gerade auf dem sächsischen Nazilabel „PC Records“ unter dem Titel „Lebe jeden Tag“ ihr erstes Album veröffentlicht. Auf der Mini-LP befinden sich insgesamt 5 Stücke mit zum Teil eindeutig nationalsozialistischen Inhalten. Ein paar Textauszüge aus den Songs belegen dies eindeutig:

Gleich im ersten Song „Setz Dich zur Wehr“ wird eindeutig neonazistisch Stellung bezogen – dort heisst es u.a.:

„Hey wir sind Natürlich und wir sind neu in deiner Stadt. Und wir haben dir und deinen Leuten eine Botschaft mitgebracht. Jetzt dreh den Regler auf damit sie aus den Boxen knallt und deine ganze schöne Stadt beschallt.

Nationaler Sozialismus jetzt jetzt jetzt! Auf die Straße deutsches Volk denn es geht dir schlecht. Und sieh nicht zu, denn exemplarisch sind ihre Taten. Setz dich zur Wehr gegen die Demokraten, die dich benutzen jeden Tag willst du weiter weg sehen? Dann wirst du sehen wie wir untergehen. Es wird Zeit, dass man sich widersetzt. Nationaler Sozialismus jetzt jetzt jetzt!“

Im dritten Lied „Keine Gerechtigkeit“ wird einmal mehr versucht, den Tod von Kevin in Stolberg politisch zu instrumentalisieren. Das es in Wahrheit die deutschen Neonazis sind, die bereits über 150 Menschen seit der Wiedervereinigung aus niederen Beweggründen ermordet haben, scheint die Potsdamer Nazirapper nicht zu irritieren.

Im letzten Lied „Schu, Schu…“ wird u.a. besungen, dass die Organisatoren von Nazikonzerten schon öfter mal Ärger bei ihren Konzerten mit der Staatsmacht hatten: „Und jetzt wolltest du auch mal ein Konzert organisieren, wunderst dich, dass die Bullen rein marschieren. Es mussten ja die ganzen krassen Bands sein, die ganz viele böse Wörter schrein. Und einen Flyer fürs Internet hast du gemacht, damit viele kommen hast du dir gedacht. Doch der Feind liest mit, das war dir nicht bewusst und er kam vorbei und er machte schluß.“ Schöner wäre es natürlich, wenn antifaschistische Strukturen in Potsdam dem neonazistischen Treiben dieser ekelhaften Band alsbald ein Ende bereiten würden.

 

Quelle: INFORIOT 02.07.2011

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Erinnern an von den Nazis ermordete Homosexuelle

30. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

30. Juni 2011 | von tiwe


Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes: Jürgen Ulrich, Peter Boehnke und Roy Rietentidt (v. l.) legten gestern an der Mutter ein Blumengebinde nieder. Rainer Cordes

RABEN STEINFELD/SCHWERIN - Mit einer Kranzniederlegung an der Mahn- und Gedenkstätte "Die Mutter" in Raben Steinfeld haben gestern die Organisatoren des diesjährigen Christopher Street Day in Schwerin und Vertreter lesbisch-schwuler Vereine in MV, befreundeter Vereine und Partner an die homo-, bi- und transsexuellen Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Am Abend folgte im Klub Einblick eine Lesung von Dr. Jan-Henrik Peters zum Thema "Verfolgt und vergessen: Homosexuelle in Mecklenburg und Vorpommern im Dritten Reich". Am Sonnabend soll der Christopher Street Day gefeiert werden. Um 14 Uhr startet am Südufer des Pfaffenteiches die Parade, um 16 Uhr beginnt dort das Straßenfest, bei dem es von 17.15 Uhr an eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Parteien zur Landtagswahl gibt.

 

Quelle: Schweriner Volkszeitung 30.06.2011

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Brandanschlag auf Anton- Schmaus- Haus der Falken

28. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

In der Nacht vom 26. Zum 27. Juni wurde auf die Falkeneinrichtung in Neukölln ein Brandanschlag verübt, bei dem es zu hohem Sachschaden kam

 

„Wir haben Glück im Unglück“, so die Landesvorsitzende Josephin Tischner. „Am Tag zuvor hat eine Kindergruppe im Haus übernachtet. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Brandanschlag in dieser Nacht verübt worden wäre. Da hätte es schnell Verletzte oder sogar Tote geben können.“

Der Anschlag stellt in einer Reihe von Anschlägen und Bedrohungen durch Neonazis den vorläufigen Höhepunkt rechtsextremer Gewalt gegen Falkenstrukturen dar und hat doch eine neue Dimension – die Täter haben Personenschaden bewusst in Kauf genommen.

Dass der Anschlag auf das Haus aus dem organisierten rechtsextremen Spektrum durchgeführt wurde, liegt nahe. Das Anton- Schmaus- Haus ist schon seit einigen Jahren immer wieder Ziel von Angriffen. Zuletzt war es auf einschlägigen Naziseiten als deklariertes Ziel für Angriffe zu finden.

Dieser Anschlag war außerdem einer von insgesamt mindestens fünf Anschlägen auf Einrichtungen aus dem linken Spektrum in dieser Nacht – auch die Brandenburger Falkeneinrichtung „Pavillon“ in Rheinsberg wurde angegriffen, verwüstet und mit rechtsextremen Parolen beschmiert.

Für das Anton- Schmaus- Haus und die Arbeit der Falken in Neukölln ist dieser Anschlag ein schwerer Einschnitt – die Einrichtung kann bis zum Abschluss der Reparaturarbeiten nicht genutzt werden, alle Gruppen müssen ihre Arbeit an anderen Orten fortsetzen. Der Sachschaden beträgt mehrere zehntausend Euro.

Nichts desto trotz setzen die Falken ihre Arbeit gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus unbeirrt fort, denn der Anschlag zeigt, dass entschlossenes und organisiertes Eintreten gegen neonazistische Bestrebungen die einzig erfolgreiche Strategie im Kampf gegen Rechtsextremismus ist.

Die Falken rufen die Politik und alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich geschlossen und entschlossen gegen Neonazis zu stellen. Keinen Fußbreit den Faschisten!

Die Berliner Falken setzen sich seit ihrem Bestehen gegen faschistische Bestrebungen aktiv ein, im Nationalsozialismus wurden sie als Organisation verboten und ihre Mitglieder verfolgt.

Die Bekämpfung von Neofaschismus ist auch heute noch eines der wichtigsten Elemente unserer Arbeit mit dem Ziel einer freien und gerechten Gesellschaft.

 

Pressemitteilung der Falken

www.falken-berlin.de

Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Kindern und Jugendlichen. Mit den Falken können Kinder und Jugendliche Mitbestimmung und Selbstorganisation erleben, ins Zeltlager fahren, politisch aktiv werden oder sich als Freiwillige in der Gruppenarbeit engagieren. Die Falken sind in allen Bundesländern aktiv und Träger von Jugendzentren, Bildungs- und Freizeithäusern und Zeltplätzen. Seit 100 Jahren setzen sich die Falken für die Interessen von Kindern und Jugendlichen ein. 

Die Falken sind anerkannter und gemeinnütziger Träger der Jugendhilfe und Mitglied im Landesjugendring Berlin e.V.

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„Berliner Zustände“ für das Jahr 2010 erschienen.

25. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

„Berliner Zustände“ für das Jahr 2010 erschienen.
Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Antifeminismus
Berlin, 07. Juni 2011
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zum fünften Mal analysieren Berliner Projekte, Initiativen und WissenschaftlerInnen die „Berliner
Zustände“ und geben damit einen Einblick in ihre tägliche Arbeit. Mit dem Schattenbericht möchten
die Herausgeber/innen, das apabiz e.V. und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus
Berlin, eine Alternative zu staatlichen Sichtweisen bieten und die aus ihrer Sicht wesentlichen
Entwicklungen und Tendenzen in Berlin in den Blick nehmen.
Das erscheint uns umso wichtiger angesichts einer „Extremismus-Debatte“, die hart erkämpfte
Standards in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus gefährdet. Wie sich diese
Debatte auf die konkrete Demokratiearbeit von Trägern und Initiativen auswirkt, beschreibt der
Beauftragte für Integration und Migration des Berliner Senats, Günter Piening, in seinem Vorwort.
„Extremismusklausel“, Sarrazin, NPD-DVU-Fusion, „Abendland in Christenhand“, „Berlins geheime
Nazi-Nester“, Pro Deutschland, Nazi-Angriffe auf linke Einrichtungen in Kreuzberg und Neukölln,
antimuslimischer Rassismus, „Marsch für das Leben“ – diese Schlagwörter haben die öffentlichen
Diskurse und die Arbeit der Initiativen und Projekte im vergangenen Jahr geprägt. Ihnen widmen
sich die insgesamt neun Artikel. Auf zwei Beiträge gehen wir kurz genauer ein:
Insbesondere in Kreuzberg und Nord-Neukölln kam es 2010, wie auch in der ersten Jahreshälfte
2011, immer wieder zu Angriffen durch rechtsextreme Aktivist/innen auf alternative Einrichtungen,
Läden oder Privatwohnungen. Der Beitrag der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin
nimmt diesen nächtlichen Aktionismus in den Blick, der eine beunruhigende Tendenz der
Professionalisierung im Verleumden und Ausspionieren (vermeintlicher) politischer GegnerInnen
erkennen lässt.
Mit dem Themenschwerpunkt „Antifeminismus“ soll aufgezeigt werden, welche Rolle
antifeministische und sexistische Argumentationen in verschiedenen Politikfeldern spielen: im
antimuslimischen Rassismus, wo die Forderung nach Frauenrechten rassistisch instrumentalisiert
wird, im organisierten Rechtsextremismus oder auch im christlichen Fundamentalismus.
Der Beitrag des apabiz e.V. zeigt Anhand des jährlich stattfindenden „Marsches für das Leben“ von
sogenannten LebensschützerInnen in Berlin auf, wie antifeministische und christlichfundamentalistische
Bestrebungen bis in die Mitte der Gesellschaft hineinwirken.
Für die „Berliner Zustände 2009“ haben die HerausgeberInnen den alternativen Medienpreis 2010
verliehen bekommen. Dieser Preis und die positive Resonanz der letzten Jahre machen deutlich,
wie wichtig eine kontinuierliche Analyse der „Zustände“ für eine qualitative Weiterentwicklung der
Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus ist.
Der Schattenbericht 2010 steht als PDF-Datei (1,9 MB) zum Herunterladen zur Verfügung unter
www.apabiz.de und www.mbr-berlin.de.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das apabiz (Ulli Jentsch, Eike Sanders, mail@apabiz.de,
Tel.: 030-6116249) oder die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (Annika Eckel,
annika.eckel@mbr-berlin.de, Tel.: 030-240 45 432)
Hinweis für Pressevertreter/innen: Es besteht die Möglichkeit, kostenfreie Presseexemplare des Berichtes zu
erhalten; zudem bieten wir ein Handout mit Exzerpten der Artikel an.
 
Inhaltsverzeichnis
 
Vorwort von Günter Piening (Beauftragter für Integration und Migration des
Berliner Senats) 
Einleitung von Annika Eckel (MBR), Eike Sanders und Ulli Jentsch (apabiz) 
Nord-Neukölln und Kreuzberg – Kieze im Visier der rechtsextremen Szene
von Bianca Klose und Sebastian Wehrhahn (Mobile Beratung gegen
Rechtsextremismus Berlin) 
Stagnierende NPD und aktionistische Szene von Maik Baumgärtner (Berlin
rechtsaußen) und Ulli Jentsch (apabiz) 
West-Berlin holt auf von ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen
Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus 
Die Sarrazin-Debatte. Ein Reaktionsverlauf unter Einbezug exemplarischer
Aussagen Thilo Sarrazins zu Muslimen in Deutschland von Coskun Canan
und Benjamin Schwarze (Heymat) 
Kulturkampf in der Hauptstadt. Rechtspopulistische Parteigründungen in
Berlin von Maik Baumgärtner (Berlin rechtsaußen) 28
Schwerpunkt Antifeminismus
(Anti-)Sexismus und Instrumentalisierung feministischer Diskurse im
antimuslimischen Rassismus von Yasemin Shooman 
„Deutschland treibt sich ab“ - Christlicher Antifeminismus und
„Lebensschutz“-Organisationen in Berlin von Ulli Jentsch und Eike Sanders
(apabiz) 
Der Kampf um Männlichkeit von Yves Müller und Ulrich Overdieck (VDK e.V.) 
Den Versprechungen widerstehen. Geschlechter-reflektierende Arbeit mit
Jungen und Rechts-extremismusprävention von Olaf Stuve, Bernard
Könnecke, Klaus Schwerma (Dissens e.V., Projekt „Jungenarbeit und Schule“) 

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Die Anti-Atom-Sonne ist nicht braun! Platzverweis für Nazis!

25. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Seit Monaten erlebt der Widerstand gegen die Atomenergie bundesweit ungeahnten Aufwind. Zum einen ist die
Reaktorkatastrophe in Japan dafür trauriger Hintergrund, zum anderen die industriefreundliche Atompolitik der
Bundesregierung.
In letzter Zeit ist zu beobachten, dass Neonazis versuchen, sich an den populären Protesten zu beteiligen. So nahmen
Neonazis aus Schneverdingen an den dortigen Anti-Atom-Mahnwachen teil. Am 18. Mai 2011 tauchte dort eine
Gruppe von 8 – 9 Nazis auf. Am 23. Mai 2011 versuchten die selben Nazis im nahegelegenen Soltau die dortige
Mahnwache zu unterwandern. Am selben Tag trat auch in Hannover eine größere Nazigruppe auf der Mahnwache in
der Landeshauptstadt auf.
Mit aktuellen und scheinbar bürgernahen Themen versucht gerade die NPD Akzeptanz zu gewinnen. Ziel ist es für die
Nazis, sich vor Ort zu verankern und eine Möglichkeit zu erhalten, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu
propagieren. Auch wenn die Parolen denen der Bürger_inneninitiativen und Umweltschutzgruppen gleichen: Nazis
haben bei Anti-Atom-Protesten nichts zu suchen!

aakw.JPG

 

Braune Ökologen???
Die Hoffnungen der NPD oder anderer Nazis von der
Anti-Atom-Bewegung akzeptiert zu werden, beruhen
auf historischen Erfahrungen der extremen Rechten
mit der Ökologiebewegung. Schon in der sich um
1871 formierenden Natur- und Heimatschutzbewegung
konkurrierten emanzipatorische und völkische
Ökologiekonzepte miteinander. Im 19. Jahrhundert
trieb die Furcht vor der vermeintlichen Entwurzelung
des Menschen in der modernen
Gesellschaft und vor der Zerstörung
der Natur durch die
Industrialisierung sowohl Linke
als auch Rechte um; in den
meisten Gruppen der Lebensund
Reformbewegungen dominierten
jedoch bald die
völkischen Konzepte.
Vor allem die so genannte
Lebensphilosophie von Oswald
Spengler und Ludwig
Klages hatte großen Einfluss
auf die Ökologiebewegung des
frühen 20. Jahrhunderts. Spengler
und Klages negierten die
Visionen der Aufklärung von
Emanzipation und Egalitarismus
und propagierten die Idee
eines „organischen Staates“, in
den sich der einzelne Mensch entsprechend seiner
Natur einzuordnen habe.
Unter der Parole „Naturschutz ist Heimatschutz“
verkündeten rechte Ökologen schon damals, dass nur
durch die Wiederherstellung der „traditionellen“ Wirtschafts-
und Gesellschaftsverhältnisse „Blut und
Boden, Volk und Heimat“ vor schädlichen Einflüssen
geschützt und bewahrt werden könnten. Daran knüpft
die faschistische NPD bis heute an und getreu dieser
Vorstellungen propagierten Neonazis auch schon in
den 1980er Jahren den Ausstieg aus der Atomenergie.
Unter der Parole „Deutschland erwache, gegen den

Atomstaat“ versuchten sie den Protest gegen das
AKW-Brokdorf zu unterwandern. In Kampfmontur
erschien die Wehrsportgruppe Hoffmann in der
Wilster Marsch, um gegen die „genetische Verunreinigung
des arischen Blutes durch Atomstrahlen“ zu
streiten. Ihr Auftreten blieb isoliert.
Im Jahr 2001 versuchten Neonazis in Uelzen einen
Aufmarsch gegen Castortransporte durchzuführen.
Dieser wurde allerdings durch aktive Antifaschistinnen
und Antifaschisten verhindert.
In Mecklenburg-Vorpommern,
wo die NPD im Landtag vertreten
ist, äußerte der NPDFraktionsvorsitzende
Udo Pastörs
während einer Landtagsdebatte,
dass die Atomenergie
ein Teufelswerk sei und nur der
kapitalistischen Wachstumsideologie
diene. Um aber gleichzeitig
offen zuzugeben, dass es
der NPD nicht um die
Abschaffung der Atomtechnologie
gehe. Laut der Äußerung
von Pastörs im Landtag, ist ein
weiteres deutsches Engagement
in der Atomenergie in
Ermangelung anderer preiswerter
Alternativen zur Energiegewinnung
sinnvoll, um auf
dem Weltmarkt mit dessen
niedrigen Energiepreisen mithalten zu können. Auch
wenn dieses Argument faktisch falsch ist, so zeigt
dieses Argument der Standortlogik doch sehr deutlich
die eigentlichen, nationalistischen Interessen der
Nazis. Im Kern ging es den Nazis in ihrer Rhetorik
also nicht um die Abschaffung der Atomenergiegewinnung
weltweit sondern nur um einen Machtgewinn
in der strukturschwachen Region Mecklenburg-
Vorpommern, indem sie sich als Sachverwalter
der Interessen der dortigen Bevölkerung
gegen vermeintliche Interessen der so genannten
Industrieregionen gerierten.

 

Nazis entgegentreten!
Auch wenn Nazis als vermeintliche Atomkraftgegner
auftreten oder sich auf Veranstaltungen – wie den
Mahnwachen in Schneverdingen, Soltau oder
Hannover – rumdrücken, muss klar sein, dass sich
hinter dem Dauerlächeln von irgendwelchen NPDFunktionären
oder Losungen wie „Umweltschutz ist
Heimat-schutz“, die rassistische und faschistische
„Blut und Boden“-Ideologie des Nationalsozialismus
verbirgt.
Die Nazis versuchen dem unkritischen Betrachter
vorzugaukeln, hier würden die gleichen Ziele verfolgt.
Hinter dem Begriff „Heimatschutz“ steht jedoch mehr
als der Umweltschutzgedanke. Neofaschistische Gruppen
meinen stets eine völkisch-rassistisch definierte
Heimat: Eine Heimat nur für Deutsche, eine Heimat,
die diktatorisch bestimmt wird und eine „nationale
Identität“ nutzt, um jede emanzipatorische Bewegung
anzugreifen.
Die Vereinnahmung von scheinbar gleichen Zielen
dient ausschließlich dazu, eine ideologische Mehrheit
zu erringen, d.h. natürlich nicht, dass die Mehrheit der
Bevölkerung die grundsätzlichen Ziele der Nazis teilt,
sondern dass die neofaschistischen Gruppen zumindest
für Teile ihrer Positionen sich der Mehrheitsmeinung
der Bevölkerung sicher sein können. Ist dies erst
einmal erreicht, liegt der Unterschied nur noch in den
Taten, die zum Realisieren nötig sind.
Wie gut diese Strategie funktioniert, lässt sich an der
„Ausländerpolitik“ der BRD gut erkennen. Hier treten
Nazis als Brandstifter und Mörder in einem
gesellschaftlichen Klima auf, wo Vorurteile, rassistische
Einstellungen und Abwehrreflexe gegen
Flüchtlinge und Migrant_innen vorherrschen.
Es ist die übliche Taktik der Nazis, sich an Proteste
und gesellschaftliche Kontroversen anzuschließen in
der Hoffnung, dadurch mehr gesellschaftlichen Einfluss
zu erlangen. In diesem Zuge präsentieren sie sich
und einen starken Staat, nationalistische, antisemitische
und rassistische Ideologien als Lösungsmuster.
Die Anti-Atombewegung ist gut beraten, es nicht
zuzulassen, dass Vertreter menschenverachtender
Ideologien als Trittbrettfahrer von den vielfältigen
Anti-Atom-Protesten profitieren.
Rechte Trends durchkreuzen!
Unverzichtbar ist heute antifaschistisches Handeln, das
bei der Zivilcourage im Alltag beginnt und das zu
organisiertem politischem Protest und Widerstand
gegen faschistische Entwicklungen führt.
Den Nazis einen Strich durch ihre Rechnung zu
machen und sich der NPD und anderen Nazis
entschlossen entgegenzustellen ist das eine. Darüber
hinaus gilt es aber auch, dass eine Politik, die den
faschistischen Organisationen das Wasser abgraben
will, die Gesellschaft, aus der sie entstehen, nicht aus
dem Blick verlieren darf. Rassismus und Antisemitismus
sind tief in der Gesellschaft verankert,
Faschismus und Nationalismus speisen sich aus
Grundprinzipien der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Solange Leistungsfähigkeit und Ellenbogengesellschaft,
Ausbeutung und Profit die Ideale
der Gesellschaft sind, wird eine Ideologie, die auf dem
Wechselspiel von Ein- und Ausgrenzung basiert und
eine „Volksgemeinschaft“ durch die Benennung, Ausgrenzung
und gewaltsame Verfolgung von „Sündenböcken“
herstellen will, nicht aussterben.
Wir streiten für eine Gesellschaft, in der ein gleiches
Recht für alle gilt und in der soziale und demokratische
Teilhaberechte unabhängig von einer georafischen
Herkunft garantiert sind. Für eine Gesellschaft,
die frei von Ausbeutung und Unterdrückung ist
und die auf der Gleichberechtigung aller Menschen
und Solidarität basiert
"Die Vernichtung des Faschismus mit seinen
Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des
Friedens und der Freiheit ist unser Ziel."

 

Kein Fußbreit den Nazis in den Anti-Atom-Protesten noch irgendwo sonst !

 

Koordination antifaschistischer Gruppen
aus der Lüneburger Heide
www.antifa-lg.de


V.i.S.d.P.: Olaf Meyer, Katzenstr. 2, Lüneburg

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