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Posts mit #kampf gegen nazis - bundesweit tag

„Fritz Bauer - Tod auf Raten“ im Rahmen des Filmfestivals „ueber Mut“

19. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Am 25. Juni 2011 zeigt das Kommunale Kino im Künstlerhaus (KOKI) den Film „Fritz Bauer - Tod auf Raten“. Nach der Vorführung wird Prof. Dr. Joachim Perels, der als wissenschaftlicher Beirat des Fritz Bauer-Instituts tätig ist, für ein Publikumsgespräch zur Verfügung stehen wird.

 

Die Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen und der VVN-BdA Hannover laden als lokale Filmpartner/-innen zu dieser Veranstaltung im Rahmen des Aktion Mensch Filmfestivals "ueber Mut" ein.

 

"Fritz Bauer - Tod auf Raten" wird vom Filmverlag wie folgt beschrieben:

"Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“ Dieses Zitat spiegelt am besten wider, was den Juristen Fritz Bauer in den 1950er und 1960er Jahren bei der juristischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Deutschland antrieb. Für ihn spielte die Justiz eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau der Demokratie. Als Staatsanwalt rehabilitierte er die Attentäter vom 20. Juli 1944, im Amt des hessischen Generalstaatsanwalts initiierte er den Frankfurter Auschwitzprozess. In der Bundesrepublik löste Bauer damit erstmals eine breite öffentliche Diskussion über den Holocaust aus. Die Dokumentation führt in eine Zeit, in der vor allem die ältere Generation in Deutschland die NS-Vergangenheit verdrängte.1968 starb Fritz Bauer. Sein überraschender Tod ist bis heute ungeklärt. "

 

Nach "ueber arbeiten" (2007), ueber Morgen" (2008) und "ueber Macht" (2009) findet bereits zum vierten Mal eine von Aktion Mensch bundesweit organisierte Filmreihe in über 100 Städten statt. Gemäß der eigenen Zielsetzung stößt Aktion Mensch mit diesen Filmfestivals Diskussionen an und fördert den Netzwerkgedanken zwischen den unterschiedlichsten Organisationen und regionalen und bundesweiten Gruppen.

 

Das Filmfestival versucht, allen Menschen den Besuch zu ermöglichen und eventuelle Barrieren abzubauen. Daher sind alle Filme mit Untertitel für hörgeschädigte Menschen ausgestattet. Ebenso sind sie mit einer Audiodeskription für Blinde versehen. Es besteht die Möglichkeit, sich dafür Funkkopfhörer an der Kasse auszuleihen. Bei größeren Gruppen bitten die VeranstalterInnen um Voranmeldung unter der Telefonnummer 0511 - 16 84 55 22 oder unter der E-Mail-Adresse KokiKasse@Hannover-Stadt.de.

 

Des Weiteren werden alle Diskussionen von einer Gebärdensprachdolmetscherin begleitet.

 

Filmveranstaltung "Fritz Bauer - Tod auf Raten"

25. Juni 2011, 20:15

im Kommunalen Kino im Künstlerhaus

Sophienstraße 2

30 159 Hannover

 

Weiter Informationen zu dem gesamten Filmfestival finden Sie unter www.uebermut.de oder bei der Stiftung Leben & Umwelt, Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen, der Stadtkoordination des Filmfestival in Hannover (www.slu.de).

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Blick nach Rechts - Newsletter 12/2011

19. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

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Newsletter von  (www.bnr.de). Mit unserem Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über unsere aktuelle Berichterstattung.


„Heimattreues“ Spektakel

Pfingstlager der Jungen Nationaldemokraten am Quitzdorfer See geplatzt. Rund 70 potenzielle HDJ-Anhänger, darunter der ehemalige Bundesführer, bekamen Platzverweise.

 


Schützenhilfe für braune Kameraden

„Pro NRW“-Funktionär soll die regionale Neonazi-Szene unterstützt haben.

 


Die Front der Frauen

Neonazistinnen leisten braune Pionierarbeit und wirken politisch früh auf den Nachwuchs ein. Sie stabilisieren die Basisarbeit der NPD und übernehmen verstärkt Parteiämter.

 


Krawall nach Neonazi-Demo

Mehr als 1300 Teilnehmer bei zwei Veranstaltungen der Szene in Niedersachsen und Thüringen – die Planung musste kurzfristig über den Haufen geworfen werden.

 


Arnulf Priem als Redner

Hamm – Wie im vorigen Herbst wollen Neonazis auch in diesem Oktober wieder im westfälischen Hamm demonstrieren.


 

Aktuelle Informationen auch auf NPD-BLOG.INFO 

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Redaktion bnr.de

 

 

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Polizei unterbindet HDJ-Pfingstlager der NPD-Jugendorganisation

16. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Verfasst von Oliver Cruzcampo

niederschlesisches-ferienort
Zwar ist die „Heimattreue Deutsche Jugend“ seit über zwei Jahren verboten, die Jugendorganisation der NPD scheint dies wenig zu kümmern. In einer sächsischen Gemeinde wollten sie ein Pfingstlager durchführen, die Polizei konnte dies jedoch verhindern. Anreisende Kinder wurden wieder nach Hause geschickt.
reloaded

Am Quitzdorfer See in Niesky, einer kleinen sächsischen Gemeinde unweit der Grenze zu Polen, wollten mehrere Rechtsextremisten ein sogenanntes Pfingstlager durchführen. Nicht zum erstes Mal. Fast jedes Jahr kam es in der Vergangenheit zu solchen Treffen, organisiert wurden sie von der „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ).

Im März 2009 griff der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble jedoch durch und verbot den Verein, da dieser „die Heranbildung einer neonazistischen `Elite`“ verfolge. Es kam damals zu mehreren Hausdurchsuchungen, auch das Vermögen des Vereins wurde beschlagnahmt.

Wie wichtig den Neonazis die Förderung des Nachwuchses jedoch ist, erkennt man daran, dass es seitdem immer wieder Versuche gegeben hat, ähnliche Jugendlager zu organisieren, fast immer konspirativ. Die Polizei konnte die Veranstaltung am vergangenen Freitag jedoch unterbinden; mehr als 70 Platzverweise seien ausgesprochen worden, meldet die Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. Zudem sei auch verhindert worden, dass Kinder zu der „HDJ“-Veranstaltung anreisten.

Die Organisatoren des Pfingstlagers kamen aus den Reihen der „Jungen Nationaldemokraten“, die sich, nachdem die Polizei ihre Veranstaltung verhindert hatte, kurzerhand dem Sommerfest der sächsischen NPD-Fraktion anschloss. Die NPD spricht in einer Mitteilung von einem „JN-Pfingstlager“, welches der „staatliche Repressionsapparat“ fälschlicherweise als HDJ-Lager angesehen hätte. Um was es den „Jungen Nationaldemokraten“ wirklich geht, veranschaulichte Tommy Naumann, sächsischer JN-Landesvorsitzender auf dem Sommerfest mehr als deutlich: Man wolle dem potenziellen Nachwuchs „eine Weltanschauung mitgeben“ und will so Sorge dafür tragen, dass die jungen Menschen „als Kämpfer [...] wirken“.

Das Pfingstlager sollte auf dem Gehöft des „Niederschlesischen Feriendorfs“ stattfinden. Dort gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Events der NPD oder deren Jugendorganisation. Allzu lang muss der Eigentümer jedoch nicht auf die nächste Neonazi-Truppe warten. Am ersten Juli-Wochenende findet dort das „NPD-Pressefest“ der „Deutschen Stimme“ statt – zu dem angepriesenen Festival werden mehrere Tausend Besucher erwartet. Und auch dort wird der Nachwuchs gern gesehen: Man wirbt mit einem abgegrenzten Kinder- und Familienbereich, der ausschließlich den Familien vorbehalten ist.

Foto: Screenshot YouTube 
Quelle: http://endstation-rechts.de 15.06.2011
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Blick nach rechts bnr.de 16.6.11 - Ausstellung 156 Todesopfer rechter Gewalt

16. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

156 Todesopfer rechter Gewalt

Eine Ausstellung in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin.

Photo: Franz Viohl


156 Opfer hat rechte Gewalt in Deutschland seit 1990 gefordert, von denen aber offiziell nur ein Bruchteil als solche anerkannt werden. An sie wird mit einer am Donnerstag in Berlin eröffneten Wanderausstellung in der Friedrich-Ebert-Stiftung erinnert.

Yeliz Arslan war zehn Jahre alt als sie am 23. November 1992 an ihren Verbrennungen starb. Neonazis hatten das Haus türkischstämmiger in Mölln gezielt ausgewählt und angezündet. Bei dem Brandanschlag kamen auch ihre Cousine und ihre Großmutter ums Leben.

Weit mehr Tote als bekannt

Das ist eine von 156 schockierenden Geschichten, die den Besucher der Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“ erwarten. Schockierend ist nicht nur die Tatsache von Yeliz’ frühem Tod, sondern auch, dass viele der Fälle – anders als der Möllner Brandanschlag – nie an die Öffentlichkeit kamen und zum Großteil nicht einmal als rechte Gewalttaten eingestuft werden. Frank Jansen, Journalist beim Berliner „Tagesspiegel“, hat zusammen mit Kollegen anderer Zeitungen 137 Fälle mit Todesfolge seit 1990 aufgedeckt, denen ein rechtsextremes Motiv zugrunde lag. Das Innenministerium hingegen zählt nur 47 Opfer.

Unter ihnen sind nicht nur Zuwanderer oder Menschen mit anderer Weltanschauung, sondern auch Kinder, Obdachlose, Rentner, Prostituierte – und einfach Menschen, die sich Rechtsextremen in den Weg gestellt haben. Von ihrem Schicksal erfährt man durch die Ausstellung zum ersten Mal. Damit soll die Erinnerung wach gehalten und die Verdrängung rechter Gewalt in Deutschland nach der Wende verhindert werden.

Tatsächliche Dimension wird nicht wahrgenommen

Denn Politiker, Richter und Beamte haben die tatsächliche Dimension rechter Gewalt oft nicht wahrgenommen. Zu den 137 Fällen, die Jansen in seiner Recherche als gesichert aufführt, kommen noch 14 Verdachtsfälle sowie einige aktuelle Taten hinzu. Zwar werde die Erfassung nahezu aller Vergehen mit rechtem Hintergrund durch das neue polizeiliche Definitionssystem der „politisch motivierten Kriminalität“ ermöglicht, erklärt der sachkundige Journalist, doch dies werde unzureichend genutzt: „Hier fehlen Akribie und Sensibilität.“

So sieht es auch Dominique John von der „Opferperspektive Brandenburg“, die die Ausstellung mitorganisiert hat. „Die rechtsextreme Ideologie ist die Negation des anderen als Mensch“, bilanziert er. Die Gesellschaft dürfe Menschenverachtung nicht zulassen, doch eine Bedingung dafür sei das Bekanntwerden der Fälle. „Wie kann die Politik Zivilcourage gegen rechts fordern, wenn sie die Dimension rechter Gewalt nicht offen legt?“, fragt Jansen.

Zivilcourage, so ließe sich auf Frank Jansen antworten, entsteht nicht aus politischen Forderungen, sondern aus dem Gefühl, dass andere Unrecht erleiden. Gerade dieses Gefühl wecken die unfassbaren Geschichten der grundlos Ermordeten.

16. 06. 2011 - Elise Kedik / Franz Viohl

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Stolberger Bündnis „Gegen Radikalismus“ sagt Ausstellung über Neofaschismus und Veranstaltung mit Opfern rechter Gewalt ab

14. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Erklärung der VVN-BdA Aachen zur Absage der Neofa-Ausstellung in Stolberg 

Stolberger Bündnis „Gegen Radikalismus“ sagt Ausstellung über Neofaschismus und Veranstaltung mit Opfern rechter Gewalt ab 

Im Vorfeld des Neonaziaufmarsches am 8+9. April in Stolberg sollten Informationsveranstaltungen über die Gefahr des Neonazismus informieren. Das Stolberger Bündnis hatte deswegen die von der Gewerkschaft Verdi und der VVN-Bund der Antifaschisten erstellte Ausstellung „Neofaschismus in der Bundesrepublik“ bestellt. Flugblätter und Plakate waren bestellt, Aufkleber mit den örtlichen Angaben über Anfangszeiten und Orte waren hergestellt. Kurz vor dem Datum der geplanten Eröffnung der Ausstellung wurde die VVN-BdA telefonisch von Bürgermeister Gatzweiler (SPD) darüber informiert, dass sowohl die Ausstellung als auch die Veranstaltungen abgesagt würden. Da es keine schriftlichen Stellungnahmen des Bündnis gibt, sind wir auf Hören-Sagen angewiesen. Trotzdem können wir diesen Affront nicht kommentarlos hinnehmen. Es sind sinnlos erhebliche Anstrengungen unternommen und Gelder ausgegeben worden, nur weil das Bündnis seine Zusagen nicht einhalten konnte oder wollte.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2001 hatte der damalige CDU Bürgermeister Hans Josef Siebertz schriftlich eine ganze Reihe von Veranstaltungen gegen rechte Gewalt angekündigt. Im Rahmen der Ausstellung „Neofaschismus in der Bundesrepublik“ sollten verschiedene Veranstaltungen stattfinden. Kurz vor der Ausstellungseröffnung wurden die Veranstalter schriftlich auf den Weg des Antrages an den Hauptausschuss verwiesen, was wegen der verbliebenen Zeit nicht funktionieren konnte, eine Absage durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit reagierte mit Kopfschütteln, die Veranstalter machten ihre Kosten geltend und erklärten: „Wir werden nicht nochmals eine Ausstellung buchen, deren Ausfall durch die Entscheidung der Stadt einen Schaden von rund 1000 Mark verursacht hat“.

Die DM ist Geschichte und der CDU Bürgermeister ebenfalls. Nach den Kommunalwahlen hieß der neue Bürgermeister Gatzweiler (SPD). Der versuchte denn auch schnell, den Fehler seines Vorgängers zu berichtigen. Er eröffnete mit den Veranstaltern die Ausstellung in der Stadtbücherei. Die Ausstellung wurde ein großer Erfolg.

Wer konnte nun damit rechnen, dass der SPD Bürgermeister 10 Jahre später nochmal den gleichen Fehler der CDU wiederholen würde?

Die Planung der Veranstaltungen im Vorfeld des Naziaufmarschs begann im letzten Herbst. Die Ausstellung ist von Beginn an im Netz zu begutachten. Es handelt sich um eine aktualisierte Fassung der Ausstellung, die bereits in der Stadtbücherei zu sehen war.

Versuchen wir den Pudding an die Wand zu nageln. Es ist schwer auf Argumente einzugehen, die nur telefonisch im 4 Ohren Prinzip vorgetragen wurden. Es geht wohl um folgende Punkte:

1. Die Ausstellung ist in dieser Form schon in vielen Städten gezeigt worden und in einigen Städten hat es kontroverse Diskussionen gegeben. Die Neonazis stellten Strafanzeigen und drohten mit Gewalt. In der alten und der neuen Fassung der Ausstellung sind 2 Tafeln von 21 thematisch mit der Verantwortung von Politikern als Stichwortgeber für die äußerste Rechte gefüllt. Das hat nicht allen Genannten gefallen und das sollte es auch nicht. Die Verantwortung der so genannten Mitte der Gesellschaft für das Erstarken des Neofaschismus ist wissenschaftlich erforscht. Sie wurde in Büchern und Vorträgen veröffentlicht und war bislang selbst in Stolberg nicht bestritten. Weitere Argumente und Gegenargumente können der Stellungnahme des Bundesvorstands der VVN-BdA entnommen werden: http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0754_neofa-ausstellung.htm .

Stolberg will aber offenbar auf Kosten der Wahrheit einen Schulterschluss der Parteien erreichen. Es wird ja keines der Zitate von deutschen Politikern bestritten. Die traurige Realität ist, dass man eine ganze Ausstellung nur zu diesem Thema machen könnte. Es ist vielmehr eine Harmoniesucht mit der Politik rechts von der Mitte festzustellen, der die Diskussion und die demokratische Kontroverse geopfert wird.

2. Es ist durchaus möglich, dass die NPD auch gegen die neue Ausstellung agiert hätte. Sie waren ja schon bei der letzten Ausstellung mit ihren Hetzparolen dabei. Es kann aber nicht die Aufgabe der Arbeit gegen Rechts sein, möglichst konfliktfrei gegen Neonazis vorzugehen. Man darf sich nicht von der Angst vor möglichen Angriffen der NPD einschüchtern lassen.

3. Wir hörten auch das „Argument“, jetzt müssten alle (?) zusammenstehen und wir dürften keine „Parteipolitik“ machen. Die Organisatoren der Ausstellung, die Gewerkschaft Verdi und die VVN - Bund der Antifaschisten sind beides überparteiliche Organisationen. Wenn in der Ausstellung einzelne Politiker kritisiert werden, dann ist die administrative - statt argumentative - Abwehr dieser Kritik Parteipolitik, nämlich zum vorgeblichen Schutz dieser Politiker. Demokratie lebt von der Debatte, auch der Kontroverse. Verbote von Debatten sind kein Dienst an der Demokratie.

Wer sich dem Druck der rechten Kräfte aussetzt und sich nicht widersetzt, sollte nicht auch noch verlangen, dass der Deckmantel des Schweigens über dieses peinliche Rückgratlosigkeit gelegt wird. Wir wissen, dass die NPD sich freut, wenn ihre Gegner sich streiten. Aus unserer Sicht ist aber der Streit unter Demokraten mehr wert, als die einheitliche Diktatur der Neonazis. Auf längere Sicht sind Gesellschaftsmodelle der Demokratie effektiver und lebensbejahender als alles, was die Nazi Propaganda mit dem Wunsch nach dem „starken Mann“ verspricht.

Die Ausstellung, die in Stolberg von konservativen Kräften vorläufig verhindert wurde, wird in dieser Woche im Rathaus von Düren sowie anschließend beim Zug der Erinnerung im Dürener Bahnhof gezeigt. Veranstalter ist das Dürener Bündnis gegen Rechts. In diesem Bündnis ist der Dürener Bürgermeister (CDU) einer der Sprecher.

Wir wünschen den Stolbergern eine Bürgerinitiative, die anderen ein verlässlicher Partner ist. Wir wünschen uns allen den Mut, Konflikte unter Demokraten aushalten zu können. Sich den Rechtstendenzen zu widersetzen erfordert Rückgrat und Zivilcourage. Standhaftigkeit statt Opportunismus, demokratisches Selbstbewusstsein statt Untertanentum und Gehorsam: das sind unserer Meinung nach die Mittel im Kampf gegen Rechts. Das Zeichen, das das Stolberger Bündnis mit der Absage der Ausstellung und der Veranstaltungen gab, ist das der Verzagtheit. Vertrauen ist verspielt und den Nazis wurde unnötig ein Ball zugespielt.

Etwas Gutes mag die vorläufige Verhinderung der Ausstellung haben: Vielleicht interessieren sich jetzt noch mehr Menschen dafür, wovor und warum die Stolberger eine solche Angst haben. Wer sich für die Ausstellung interessiert, kann sie im Internet anschauen. Gern diskutieren wir über die dort gezeigten Inhalte. http://neofa-ausstellung.vvn-bda.de/

Und möglicherweise findet sich in Stolberg eine Gruppe oder Institution, die das öffentliche Zeigen der Ausstellung ermöglicht. Mehr Demokratie wagen!

Die Ausstellung kann gebucht werden bei nrw@vvn-bda.de

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Rolle der Frau in der Neonazi-Szene

13. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Lesung in der Stadtkirche: Rolle der Frau in der Neonazi-Szene

Von Andreas D. Becker
Delmenhorst. Frauen spielen eine immer größere Rolle in der rechtsradikalen Szene. Dahinter steckt Strategie: "Weg aus der ,Schmuddelecke' und hin zur kommunalen Verankerung als durchaus wählbare rechte Alternative", sagt Andrea Röpke im Gespräch mit "im Blickpunkt", dem evangelischen Magazin für Delmenhorst.

Die Journalistin ist eine der besten Kennerinnen der rechtsradikalen Szene in Deutschland. Zusammen mit Andreas Speit hat sie nun das Buch "Mädelsache. Frauen in der Neonazi-Szene" veröffentlicht. Am Donnerstag, 23. Juni, tragen die beiden um 19.30 Uhr in der evangelischen Stadtkirche vor; der Eintritt ist frei.

Präsentiert wird die Veranstaltung von der Akademie der evangelischen Kirche Oldenburg, der Familienbildungsstätte und der Citykirche, unterstützt durch das Breite Bündnis gegen rechts. "Wir wollen mit dieser Veranstaltung hinsichtlich der Kommunalwahl auch noch mal auf rechte Strukturen in Delmenhorst aufmerksam machen. Wir wollen ja verhindern, dass die NPD in den Rat einzieht", erklärt Axel Erdmann von der Familienbildungsstätte. Und er weist darauf hin, dass sich die Veranstalter vorbehalten, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, wenn Mitglieder der rechtsradikalen Szene in der Kirche auftauchen sollten.

Zudem scheint es so, als wenn die Neonazi-Aktivitäten in der Stadt wieder zunehmen, nachdem es längere Zeit sehr still gewesen war. So veranstaltete die JN am 25. Mai ein Fußballturnier, und auf der Homepage wird auch von einer Wanderung am 5. Mai berichtet, wobei vor allem völkische Werte betont werden. Unheilvoll schließt der Beitrag mit dem Hinweis, "dass dies mit Sicherheit nicht der letzte gemeinsame Ausflug der JN Delmenhorst gewesen war".

Andrea Röpke/Andreas Speit: Mädelsache. Frauen in der Neonazi-Szene, Ch. Links Verlag Berlin 2011, 240 Seiten, 18 Schwarzweißabbildungen, 16.90 Euro

 

Quelle: Weser Kurier 10.06.2011

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Nazirocker in der Hochschulzeitung

10. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Störungsmelder Wir müssen reden. Über Nazis.

Nazirocker in der Hochschulzeitung
VON Johannes Radke 10. JUNI 2011 UM 09:09 UHR

Neonazi Frank Kraemer posiert in der Zeitschrift mit rechtsextremen Parolen. Faksimile: Saitensprung, Ausgabe 3

Die Neonaziszene freut es, bei Initiativen gegen Rechts und Opferberatungsstellen sorgt der Artikel für Kopfschütteln. In einer Hochschulzeitung aus Hannover darf der Gitarrist einer bekannten Naziband seitenlang seine rechtsextreme Ideologie ausbreiten und selbst gemalte NPD-Parolen in die Kamera halten.

Der interviewte Rechtsextremist Frank Kraemer ist seit vielen Jahren in der Szene aktiv. Dass seine 1995 gegründete Band „Stahlgewitter“ eine der beliebtesten Rechtsrockgruppen ist, hat seinen Grund. In ihren Texten huldigen Stahlgewitter den heutigen Neonazis als „politische Soldaten“, fordern „Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht“ oder singen über die Zahl „Achtundachtzig“ (das Szenekürzel für „Heil Hitler“). In dem Lied „Schwarze Division“ soll eine SS-Division nach Kreuzberg geschickt werden, um das Viertel mit seinem „Multi-Kulti Terror“ dem Erdboden gleich zu machen. T-Shirts der Gruppe ziert die Parole „Die BRD ist uns völlig gleich. Unsere Heimat ist das Deutsch Reich“. Mehrere Alben wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

Für die Redakteure der Zeitschrift „Saitensprung“ der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (hmtmh) war Kraemer damit offenbar ein idealer Gesprächspartner, um über „Musik und Politik“ zu sprechen. Über ganze drei Seiten kommt der Neonazi fast unkommentiert zu Wort, darf die NS-Diktatur verharmlosen, rassistische und antisemitische Theorien zum Besten geben oder die Hinrichtung von Sexualstraftätern fordern. Offensichtlich wurde das Interview per Mail geführt, so dass kritische Einwürfe und Unterbrechungen von Kraemers Monologen nicht möglich waren. Man wolle in dem Interview „weder anklagend noch beschwichtigend daher[kommen]“, betont die Redaktion im Vorwort der Ausgabe.

Cover der Hochschulzeitschrift

Saitensprung-Chefredakteur Gunter Reus, Professor am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, verteidigt die Entscheidung den Neonazi ausführlich zu Wort kommen zu lassen. „Natürlich gab es vorher eine kritische Diskussion in der Redaktion.“ Am Ende habe man sich aber bewusst für das Interview entschieden. Reus begründet den Artikel damit, dass es sonst in der seriösen Presselandschaft kaum eine Chance gebe „diese idiotischen Argumente“ der Neonaziszene zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen. Es sei ein „gewagter Versuch mit diesen Leuten zu sprechen und Gegenargumente auszubreiten“. Ob der Versuch seiner Meinung nach gelungen ist? „Das können nur die Leser entscheiden.“

In einschlägigen Naziforen, wird der Abdruck als Erfolg gefeiert. Kein Wunder, sieht man sich in rechtsextremen Kreisen doch normalerweise als mit Nichtachtung gestrafte Opfer der „Judenpresse“. Die teils seichten Fragen des Saitensprung-Redakteurs amüsieren die Neonaziszene. „Ein wirklich lesenswertes Gespräch zwischen einem politisch korrekt umerzogenen Journalisten und einem intelektuell haushoch überlegenen Frank Kraemer, der den vor politischer Korrektheit nur so strotzenden Fragen gekonnt begegnet“, freut sich ein User. (Fehler im Original) „Hut ab, Frank! Du hast souverän und sachlich auf die perfiden (Fang-)Fragen des Systemlings gekontert“, lobt ein anderer. „Eindeutiges 1:0 Herr Kraemer für diese Abfuhr eines politisch, korrekten Arschkriechers.“
Andere Neonazis träumen schon vom großen TV-Auftritt und geben dabei gleich antisemitische Verschwörungstheorien zum Besten: „Wenn Wir nur een Mal die Möglichkeit hätten im TV so ein Interview zu Führen ohne Zensur und Kernerjammerei, dann würden sicher einije Damen und Herren vor ihren 24 Stunden Synagogen Mal ihr Hirn einschalten und die Wahrheit erkennen.“ (Fehler im Original)

„Es ist fatal, bekennenden Neonazis auf diese Weise ein Forum zu bieten“, sagt Frank Metzger vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz). „Damit unterstützt man die Strategie der extremen Rechten, ihre menschenverachtende Ideologie in die Öffentlichkeit zu tragen und läuft in Gefahr, solche Positionen als diskutabel darzustellen.“ Es gebe genug andere Mittel und Wege sich mit rechtsextremen Argumentationsmustern kritisch auseinanderzusetzen. „Sich als Tabubrecher zu inszenieren, indem man einen Neonazi sprechen lässt, ist ein zweifelhafter journalistischer Stil“, kritisiert Metzger.

Das indizierte Stahlgewitter-Album "Politischer Soldat"

Die Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg führt Texte von Stahlgewitter als beispielhaft für den kompromisslosen Antisemitismus des Neonazispektrums an:

„Der Antisemitismus behauptet, dass die kapitalistische Form der Warenproduktion eine jüdische Erfindung sei und daher auch in erster Linie Juden unter den Kapitalisten anzutreffen seien. Als Schutz vor Imperialismus und weltweiter Ausbeutung bevorzugen Neonazis nationale Lösungen, indem sie etwa den Zustrom von „ausländischem Kapital“ verhindern wollen oder das Selbstbestimmungsrecht der Völker betonen. So sang beispielsweise die Band Stahlgewitter:

Die Feinde unsrer Freiheit, die One-World Mafia, ihr Zentrum ist die Ostküste der U.S.A. Wo die internationale Hochfinanz regiert, die Welt als Spielball in den Händen kontrolliert. Mafiabanden, Spekulanten machen euch zum Knecht, sie wollen keine freien Völker, kein Selbstbestimmungsrecht.
Sie wollen den Einheitsmenschen, blutleer, wurzellos, ferngesteuert, ohne Seele, heimatlos. Sie dirigieren weltweit ihre Marionetten, der unsichtbare Krake hält die Welt in Ketten. Politiker als Werkzeug in den Händen fremder Mächte, im Zeichen der Demokratie und der Menschenrechte.

Im Kampf gegen Z.O.G.!

Anmerkung: Z.O.G. ist die in der Szene bekannte Abkürzung für Zionist occupied Government, also angeblich „jüdisch kontrollierte“ Regierungen.

Dass das Interview bei einigen Lesern auf Unverständnis treffen könnte, wurde von der Zeitschrift einkalkuliert. „Uns ist bewusst, dass dieses Vorgehen auch kritische Reaktionen hervorrufen wird. Schreiben Sie uns – wir sind auf Ihre Meinung gespannt“, heißt es von den Autoren im Vorwort. Was Kraemers Meinung zu dem Interview ist, zeigt sich auf der durch Volksverhetzung und Holocaustleugnung bekannten Naziseite „Altermedia“. Dort veröffentlichte der sichtlich vom Artikel begeisterte Nazimusiker die doppelte so lange, ungekürzte Fassung. „Eine bessere Werbung kann sich ‚Saitensprung’ gar nicht wünschen!“, kommentiert ein „Kamerad“. Dasselbe gilt vermutlich für rechtsextreme Versandhändler, die dutzende CDs und T-Shirts von Stahlgewitter verkaufen.

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„Storch Heinar": Mit Satire gegen rechtsextremen Lifestyle

9. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Ein Storch, der sich „Führer“ nennt, Hitler-Bart trägt und die Rechtsextremen von heute für Lifestyle-Schluffis hält. Ein Scherz? Ja, und zwar ein lustiger und 
wichtiger. Denn nur mit Satire kann man den Ewiggestrigen aus der rechten Szene entgegentreten, sagen die Macher des Projekts „Storch Heinar“. 

Den Rechten den Marsch blasen: Führerstorch Heinar mit seiner Band „Storchenkraft“.

Den Rechten den Marsch blasen: Führerstorch Heinar mit seiner Band „Storchenkraft“.

© dpa

Der dunkle Schopf ist glatt gescheitelt, der markante kurze Schnurrbart ruht in der Mitte des Gesichts. Es ist der „Führer“, der hier direkt in die Kameras blickt. Er will die Weltherrschaft. Und er meint es ernst.

Der „Führer“ ist ein Witz, genauer: eine Satire. Denn in die Kamera schaut Storch Heinar, eine Vogel gewordene Adaption Adolf Hitlers. Und die wohl gelungenste Auseinandersetzung mit der rechtsextremen Szene, die es derzeit in Deutschland gibt.

Storch Heinar ist ein Projekt der Gruppe „Endstation Rechts“ um den Mecklenburg-Vorpommerschen SPD-Landtagsabgeordneten Mathias Brodkorb. Nach der Wahl 2006 zog die NPD in den Schweriner Landtag ein. Brodkorb, sein Mitstreiter Julian Barlen und weitere Aktivisten begannen damit, die Arbeit der sechs NPD-Abgeordneten zu begleiten. Sie dokumentierten Äußerungen im Plenarsaal und außerhalb des Landtags, analysierten Strategien und Verbindungen zu anderen rechten Gruppen und kommentierten ihre Erkenntnisse. „Endstation Rechts“ hat berechnet, dass die NPD für ihre Landtagsarbeit weit über eine Million Euro erhält. „Dieses Geld nutzen die Rechten, um ihre braune Ideologie in der Gesellschaft zu verbreiten, etwa auf Infoveranstaltungen zum Thema Überfremdung des deutschen Arbeitsmarktes“, sagt Julian Barlen.

Als ein Kleidungsgeschäft mitten in der Rostocker Innenstadt Artikel der unter Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar verkaufte, war für die Gruppe klar: „Wir wollen keinen Laden, auf dessen Kleidung eine menschenverachtende Botschaft prangt“, sagt Barlen im Rückblick. Thor Steinar steht sinnbildlich für den Wandel von Mode, Stil und Erkennungszeichen in der rechten Szene. Die ersten Logos der Marke waren Runenzeichen, dem SS-Wappen zum Verwechseln ähnlich. Die Träger hatten überwiegend breite Schultern und kahle Köpfe. Dann wurde es subtiler, auch, weil die Herstellerfirma Mediatex einige Prozesse wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verlor. Heute ziert das Hauptlogo ein Kreuz mit Punkten. Thor Steinar ist weiterhin sehr beliebt in der Szene, der Kult ist geblieben.

Rechte Lifestyle-Mode ist im Trend, auf der Internetseite von Thor Steinar werden sogar Accescoires wie bunte Stoffgürtel oder Gürteltaschen angeboten, die aussehen, als könnten sie auch in gängigen Modehäusern verkauft werden.

„Unser Ziel war, auf humoristische Art alle Altersgruppen anzusprechen und auf den neuen Lifestyle der Rechtsextremisten aufmerksam zu machen“, sagt Barlen. Dann kam der Storch ins Spiel. Barlen saß mit Mathias Brodkorb, Robert Patejdl und einer Reihe weiterer Aktivisten im heimischen Wohnzimmer. „Mit dem Storch wollten wir die braunen Modeopfer der Lächerlichkeit preisgeben“, sagt Barlen. Aber darf man das machen, mit einem Storch Adolf Hitler imitieren, dessen Sprache aufgreifen, mit Begriffen wie „Eilösung“ sogar Bezeichnungen des Holocausts aufgreifen? Barlen: „Überspitzungen sind ein wichtiges Mittel, um die Nazis lächerlich zu machen.“

Barlen arbeitet ehrenamtlich im Vertrieb der Storch-Heinar-Produkte. Im vergangenen Jahr schien das satirische Label bedroht. Mediatex klagte Projektleiter Mathias Brodkorb wegen der Verletzung und Verunglimpfung der Thor-Steinar-Produkte an.
Im Umfeld von Storch Heinar wird gern von den „Nürnberger Modeverbrecherprozessen“ gesprochen. Mediatex verlor. Lediglich ein T-Shirt musste Storch Heinar aus dem Programm nehmen. Ansonsten: keine Verletzung der Markenrechte, keine Verunglimpfung von Thor Steinar. Satire darf das, das ist ein wichtiger Teil dieses Urteils. „Der Prozess hat uns bundesweite Aufmerksamkeit verschafft“, erinnert sich Barlen, der sich auch heute noch gerne an das Urteil zurückerinnert.

Und jetzt also „Mein Krampf. 18 Episoden aus dem selbst gefälschten Tagebuch des F. H.“ Schon der Titel ist voll mit Anspielungen. Dass es um Hitlers „Mein Kampf“ geht, ist noch recht deutlich. 18 Episoden sind es, weil in rechtsextremen Kreisen die 18 gerne auf Shirts oder bei Tätowierungen benutzt wird. 18, das steht für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet. A und H. Adolf Hitler. „Storch Heiner macht sich über diese Zahlenspiele lustig, weil sie einfach keinen Sinn ergeben“, sagt Barlen. Und es geht weiter mit einer Anspielung auf die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der „stern“ 1983 veröffentlichte. Auf dem Deckblatt der angeblichen Tagebücher waren die Intialien F. H. zu sehen (die der Stern als „A. H.“ las).

Storch Heinar will die Symbole, die Mythen der Rechten neu besetzen: Der noch heute in der rechten Szene als Märtyrer gefeierte Rudolf Hess wird zum debilen Storch Rudolf, der das Ei von Führerstorch Heinar stiehlt und daraus Eierlikör macht. Nicht weniger lustig sind die Geschichten um Eva Braunstorch, Benito Storcholino und den Rest der Faschistenbande.

Das Buch ist voller Anspielungen auf Hitlers „Mein Kampf“, etwa auf die Leidensgeschichte des jungen Adolf, kriegsverwundet und als Maler unentdeckt, der hier zum schwachen Jungstorch Heinar wird, den die Modeakademie ablehnt. Auch die Mythenbildung durch Historiker wie Guido Knopp – im Buch als Guido Knapp Heinars Lieblings-TV-Held – ist Thema. Knopp hat sich mit reißerischen Dokus über Hitler und Co. einem breiten Publikum bekannt und gleichzeitig unter Wissenschaftlern unmöglich gemacht.

Auf den 88 Seiten (die Zahl steht in rechtsextremen Kreisen für „Heil Hitler“) hat das Team hinter Storch Heinar auch die eigene Entstehungsgeschiche niedergeschrieben. Dazu gibt es Einsichten in die rechte Modezene und eine ausführliche Berichterstattung zu verschiedenen Prozessen gegen Thor Steinar.

Nach dem Buch ist vor der CD. Denn bald soll ein Album von Anti-Nazi-Stücken unter dem Titel „Storchkraft“ erscheinen – eine Anspielung auf die Rechts-Rock-Band Störkraft. „Es nervt, dass die NPD mit einer Schulhof-CD auf Menschenfang geht“, sagt Barlen, „Storch Heiner tritt dem mit zackiger Marschmusik entgegen.“

Gerd Schild


Storch Heinar: „Mein Krampf. 18 Episoden aus dem selbst gefälschten Tagebuch des F. H“. Adebor, 88 Seiten, 8,88 Euro.
Mehr Informationen zum Projekt um Storch Heinar gibt es unter 
storchheinar.de und endstation-rechts.de.

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NPD will keine Nazipartei mehr sein und nimmt sich ein Beispiel an der NSDAP

7. Juni 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Verfasst von Robert Scholz


NPD paradox: Der stellvertretende Parteivorsitzende der NPD, Karl Richter  legte dieser Tage ein Strategiepapier vor, in dem er empfiehlt, das „Vergangenheitsghetto“ zu verlassen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Als Beispiel nennt er allerdings ausgerechnet die Hitler-Partei NSDAP. 

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Die Liste der „NPD-Vordenker“, die Abstand von der NS-Nostalgie fordern, ist um einen Namen erweitert worden. Allerdings fällt es bei Karl Richter, Vize-Chef der Bundes-NPD sowie des Landesverbandes Bayern, am schwersten, ihm seine „vier Thesen zu einer künftigen Positionierung der NPD“ wirklich abzunehmen.

Doch der Reihe nach: Ohne darauf explizit einzugehen, nimmt Richter offenbar die derben Wahlniederlagen der NPD im Superwahljahr 2011 zum Anlass, Selbstkritik zu üben. Der entscheidende Fehler der NPD liege vor allem in ihrer Außendarstellung, die allzu häufig an „einem eklatanten Übergewicht zeithistorischer Themen“ leide, so Richter. Daran, dass die NPD als „ewiggestrige Nostalgikerpartei“ wahrgenommen werde, sei man mithin selbst schuld. Einen Grund dafür sieht der NPD-Vize im von ihm als „Trauerhalbjahr“ bezeichneten Zeitraum von August bis zum 8. Mai, in dem sich rund sechs Monate lang mit „Trauer-, Gedenk- und Erinnerungskundgebungen“ beschäftigt werde. Hinzu komme das „optische Übergewicht schwarz-weiß-roter Farbsymbolik“, welches die Vergangenheitsfixierung noch unterstreiche.

Für die NPD aber, die sich Richter zufolge „für den parlamentarischen Weg entschieden“ habe, gelte es, „anderen Gesetzen“ zu folgen. Für die Zukunft empfiehlt der Parteistratege daher, sich als Partei nur noch an einer zentralen Kundgebung zu beteiligen – und zwar in Dresden. Optisch müsse sich „ent-nostalgisiert“ werden und wer dem nicht Folge leistet, muss künftig mit einem Ausschlussverfahren rechnen. So solle in Erwägung gezogen werden, „daß demonstrative Vergangenheitssymbolik aufseiten unserer Funktionsträger und Mitglieder künftig als parteischädigend gewertet wird. Die Partei muß dann auch bereit sein, sich notfalls von unverbesserlichen Symbol- und Gedenkfanatikern zu trennen“.

Gut möglich, dass der Rückzug Thomas Wulffs auch in diesem Zusammenhang steht, schließlich stellte Richter das Strategiepapier in eben jener Sitzung des Parteivorstandes vor, die seinem Rücktritt voranging. Dabei nimmt Richter seine Leitlinien selbst gar nicht so ernst, wie er zum Abschluss seiner Thesen einräumt. Seine „Leitlinien sind eine Verkaufsstrategie, kein Glaubenszwang“. Es gehe ihm um nicht mehr als das selbst erzeugte Bild in der Öffentlichkeit, eine „zeitgemäße Verkaufsstrategie für ein politisches Produkt, das mehr Erfolg und ein optimales ,Marketing‘ verdient hat.“

Alles andere als optimal im Sinne dieser Zielstellung ist allerdings das Beispiel, mit dem Richter seine „Leitlinien“ veranschaulicht wissen will. So erklärt er: „Im Gegensatz zu uns war die NSDAP in Stil, Auftreten und Methoden eine ultramoderne Massenpartei, die es damit konkurrenzlos erfolgreich in die Mitte des Volkes schaffte. Dort müssen wir auch hin!“

Nicht der einzige Stilbruch bei Karl Richter: Er selbst wurde wegen Zeigen des Hitlergrußes bei der Vereidigung als Stadtrat rechtskräftig verurteilt, gilt als Freund und Förderer so manches Neonazi-Aktivisten und nicht zuletzt ist Richter Chefredakteur der NPD-Postille „Deutsche Stimme“, der es an „zeithistorischen Themen“ auch nicht mangelt. Unvergessen dürfte auch sein Auftritt als Komparse in Bernd Eichingers Film „Der Untergang“ sein. Richter spielte den Adjutanten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel. Im rechten Theorieorgan „Nation und Europa“ schrieb er daraufhin stolz vom Reiz des außerhalb des Filmsets Verbotenen, wie etwa dem Zeigen des „Hitler-Grußes“, wie die FAZ schreibt.

So recht überzeugend wirkt Richter bei seinen Leitlinien also nicht. Erste diesbezügliche Erfahrungen musste der Parteistratege auch schon selbst machen: Auf der Sitzung des Parteivorstandes Anfang Mai wurde das Papier nur mit Änderungen übernommen, wie Richter in der Juni-Ausgabe der Parteizeitung selbst berichtet. An welchen Punkten das Papier „kontrovers debattiert“ wurde, was also die Streitpunkte waren, behält er allerdings für sich. Und er wird wissen warum.

 

Quelle: Endstation Rechts 06.06.2011

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Protest nach Brandanschlag auf Jugendliche

19. April 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Bundesweit

Demonstration in Winterbach bei Stuttgart gegen Gewalt von Neonazis

Von David Schecher
In Winterbach, 30 Kilometer von Stuttgart entfernt, haben am Sonntag mehr als 1000 Antifaschisten gegen rechts demonstriert. Hintergrund war ein Brandanschlag von einer Gruppe Neonazis auf mehrere türkische und italienische Jugendliche.

Am 10. April hatten sich die fünf Ausländer nach einem nächtlichen Streit mit einer Gruppe Rechtsradikaler in einer Gartenhütte verbarrikadiert. Die Angreifer zündeten daraufhin die Hütte an; die jungen Ausländer konnten sich in letzter Minute ins Freie retten. Die Gartenlaube brannte vollständig ab. Trotz zahlreichen Hausdurchsuchungen haben die Beamten bisher keine Festnahmen im Zusammenhang mit dem gefährlichen Brandanschlag bekanntgeben können.

Zur Protestdemonstration waren wesentlich mehr Demonstranten gekommen als erwartet. Die Polizei schützte rechte Provokateure und ließ diese die Auftaktkundgebung ausspähen. Die Auftaktkundgebung der Antifaschisten begann mit halbstündiger Verspätung. Die Beamten hatten auf die vielen Teilnehmer mit einer Ordnereinweisung reagiert. Eine Ordnerin wurde ohne ersichtlichen Grund nicht akzeptiert, was zu einer weiteren Verspätung führte.

Schließlich zog die Demonstration durch Winterbach in das benachbarte Weiler. Dort befindet sich in der ehemaligen Gaststätte Linde ein Treffpunkt von NPD und »freien Kameradschaften«. Viele Anwohner schlossen sich spontan der Demonstration an, so daß diese auf 1300 Personen anwuchs. Kurz vor dem rechten Laden fand die Abschlußkundgebung statt.

Dort zeigte sich das breite Spektrum der Teilnehmer. Auf der einen Seite sprachen der Winterbacher Bürgermeister Albrecht Ulrich und Vertreter der Grünen-Jugend sowie der Jusos, die sich zum Teil ganz allgemein gegen Extremismus wandten. Redner der Antifa widersprachen der Totalitarismustheorie und zeigten gesellschaftliche und mediale Ursachen für das Erstarken von Neofaschisten auf. Besonders kritisiert wurde Landrat Johannes Fuchs, welcher über Lokalzeitungen behauptet hatte, es gäbe keine rechten Strukturen im Rems-Murr-Kreis.

Andere Sprecher mobilisierten für die Blockade eines rechten Aufmarsches am 1. Mai in Heilbronn. Das »nationale und soziale Aktionsbündnis«, ein Zusammenschluß mehrerer rechtsradikaler Vereinigungen, will dort am 1. Mai eine »süddeutsche Großdemonstration« veranstalten.

Im Fall des Brandanschlages in Winterbach ist die Anzahl der Hausdurchsuchungen ist mittlerweile auf 33 angestiegen. Neben Propagandamaterial und elektronischen Geräten wurde dabei auch ein Waffenarsenal ausgehoben. Alle 14 kurzzeitig festgenommene Personen sind jedoch weiterhin auf freien Fuß.
Quelle: junge welt 19.04.2011
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